Waffen der Steinzeit

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Als Waffe werden in der Regel alle Gegenstände bezeichnet, die dazu bestimmt und geeignet sind, Lebewesen in ihrer Handlungsfähigkeit zu beeinträchtigen oder handlungsunfähig zu machen, physisch oder psychisch zu verletzen oder zu töten.1

Wurfgeschosse und Hiebgeräte wie Steine und Knüppel sind zweifellos die ältesten Waffen der Menschheit. Sie sind höchstwahrscheinlich schon im Altpaläolithikum, der Zeit der Frühmenschen genutzt worden, noch heute werden sie verwendet.

Die ältesten eindeutigen Waffen im herkömmlichen Sinn sind Speere und Lanzen, sogenannte → Stangenwaffen.2 Die Schöninger Speere sind mindestens 270.000 Jahre alt und fallen in das Mittelpaläolithikum, die Zeit des Neandertalers. Nach anderen Datierungen sogar noch in das Altpaläolithikum, den ältesten Abschnitt der Steinzeit. Die Lanze von Lehringen wird auf 128.000 bis 115.000 Jahre datiert und gehört ebenfalls in das Mittelpaläolithikum. Funde von steinernen Spitzen legen die Vermutung nahe, dass im Mittelpaläolithikum Speere mit Steinspitzen existierten, diese sind jedoch bisher nicht als ganzes Gerät erhalten geblieben. Manche Autoren zählen die steinzeitlichen Faustkeile ebenfalls zu den Waffen. Dieser Ansicht wird hier nicht gefolgt.

Lanzenspitze Lehringen

Lanzenspitze Lehringen

Ein neuer Abschnitt der Steinzeit ist das Jungpaläolithikum, die Zeit des Modernen Menschen in Europa. Im Jungpaläolithikum wurden Lanze und Speer durch die Speerschleuder abgelöst. Eine Speerschleuder besteht aus dem Speer und einem hölzernen Wurfarm, der den Speer beim Wurf stark beschleunigt, sodass die Reichweite und Durchschlagskraft gesteigert wird. Die bisher ältesten Exemplare sind etwa 20.000 Jahre alt. Sie hatten jedoch mit Sicherheit ältere Vorläufer. Speerschleudern werden als Jagdwaffen angesehen.

Rudi Walter mit Speerschleuder, Bild verändert nach Uwe Krüger

Rudi Walter mit Speerschleuder, Bild verändert nach Uwe Krüger

Menschlicher Wirbel mit eingeschossener Speerspitze, Jungpaläolithikum, Grotte de Monfort, Saint-Lizier, Frankreich, nach Archaeodontosaurus/Wikimedia

Menschlicher Wirbel mit eingeschossener Speerspitze, Jungpaläolithikum, Grotte de Monfort, Saint-Lizier, Frankreich, nach Archaeodontosaurus/Wikimedia

Daneben existierten Harpunen, ebenfalls Jagdwaffen. Diese Harpunen waren für die Jagd konzipiert, nicht für den Fischfang. Die Harpunenspitzen wurden aus Knochen, Geweih oder Elfenbein gefertigt. Sie besaßen eine oder zwei Reihen mit mehreren Widerhaken.  Diese Spitzen wurden vermutlich nur auf den Schaft gesteckt und waren an einer langen Schnur befestigt. Dadurch konnte das Tier nach einem Treffer nicht flüchten.

Harpunenspitzen, 1: Mas d'Azil, 2: Bruniquel, 3, 4, 5: La Madeleine ; 6, 7: Lortet; nach Joseph Déchelette

Harpunenspitzen, 1: Mas d’Azil, 2: Bruniquel, 3, 4, 5: La Madeleine ; 6, 7: Lortet; nach Joseph Déchelette

Vermutlich datieren Pfeil und Bogen ebenfalls in das Jungpaläolithikum. Hinweise sind die als Pfeilspitzen gedeuteten Funde aus dem Solutréen (22.000 bis 18.000 Jahre BC) und ein als Bogenfragment gedeuteter Fund aus dem Magdalénien (15.600 Jahre BC). Gesicherte Funde sind die Pfeile aus Stellmoor, Spätpaläolithikum. Auch hier sind die ältesten gesicherten Befunde technisch so hoch entwickelt, dass von Vorläufern ausgegangen werden muss. Die Pfeile von Stellmoor  sind auf etwa 10.000 Jahre BC datiert.

Felszeichnung Bogenschütze, Cueva Saltadora, Spanien

Felszeichnung Bogenschütze, Cueva Saltadora, Spanien

Im Mesolithikum, der Mittelsteinzeit, wurde die Speerschleuder vermutlich nicht mehr genutzt. Pfeil und Bogen waren die Hauptjagdwaffe. Erstmals traten steinerne Keulenköpfe auf. Diese wurden mit einem Holzschaft versehen. Sicher handelt es sich nicht primär um Jagdwaffen, die Jagd erfordert Distanzwaffen. Ob die Keulen als erste gegen Menschen gerichtete Waffe zu sehen sind, ist für diese Epoche fraglich.

Im Neolithikum, der Jungsteinzeit, wurden Pfeil und Bogen, Äxte und Beile sowie geschäftete Keulen nachweislich als Waffen auch gegen Menschen gerichtet. Belegbar ist das durch zahlreiche Schädelverletzungen, teilweise lassen sich die Waffenköpfe passgenau in die Zertrümmerungen einsetzen. → Artikel: Durchlochte Felssteingeräte. Auch in menschliche Knochen eingeschossene Pfeilspitzen belegen Gewalt gegen Menschen. Generell ist im Neolithikum eine deutliche Zunahme bewaffneter Konflikte zu beobachten. Als Jagdwaffe sind nur Pfeil und Bogen belegt. Stangenwaffen treten erst in der Bronzezeit wieder auf.

Neolithischer Keulenkopf in Fundlage

Neolithischer Keulenkopf in Fundlage

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  1. Wikipedia/Waffe
  2. Gerhard Bosinski, Altsteinzeit: Am Anfang war das Feuer, in Der Brockhaus multimedial, wissenmedia GmbH, 2010