Talon en éperon

Ein ta­lon en épe­ron ist ein spornartig herausgearbeiteter Schlagflächenrest.1 Seine Form ergibt sich durch eine aufwendige Präparation des Schlagpunktes bei der Klingenproduktion. Damit kräftige Klingen entstehen, findet zunächst eine Dorsalreduktion statt. Durch anschließende, präzise Abhebungen von der Abbaukante auf die Schlagfläche wird diese ebenfalls reduziert. Die Reduktion wird dabei schräg von links und rechts vorgenommen, sodass in der Mitte ein Vorsprung entsteht. Dieser Sporn kann zusätzlich überschliffen werden, um das Schlagergebnis noch besser kontrollieren zu können.

talon en eperon animiert

Die in dieser Technik gewonnenen Klingen zeigen ventral Reste der Schlagflächenreduktion.2 Oft ist ventral ein nur schwacher Bulbus und zusätzlich eine sogenannte Lippe vorhanden; dies ist ein Hinweis auf die direkt weiche Schlagtechnik.3

eperon und Lippe

Schon im französischem Protomagdalénien, auch als Périgodien VII bezeichnet, treten spornartige Schlagflächenreste auf.4 Typisch sind diese Schlagflächenreste für das Magdalénien,5 insbesondere für das jüngere.6 So zeigen in Andernach 71% der Klingen eine Dorsalreduktion und einen talon en eperon.7 Zusätzlich zeigen manche Schlagflächenreste Abrasionen, die ein Glätten des Auftreffpunktes vor dem Trennschlag belegen.8 Im Spätpaläolithikum und nachfolgenden Epochen wurde diese Technik nicht mehr angewendet. Eine Ausnahme sind die neolithischen livres de beurre, bei diesen hochspezialisierten Klingenkernen wurde der Schlagpunkt wieder dornartig freigestellt.9 → Ar­ti­kel: Liv­res de beurre

Diese Form der Schlagpunktpräparation war nicht nur technisch sehr aufwendig, sie war auch materialintensiv.10 Durch die Schlagflächenreduktion wurde die nutzbare Kernlänge reduziert. Zudem führten wiederholte Schlagflächenreduktionen zu stark facettierten Schlagflächen. Diese waren im fortgeschrittenen Stadium nicht weiter nutzbar, für weitere Klingenserien mussten Kernscheiben abgetrennt werden, die die Kernlänge weiter reduzierten.

Das zu erzielende Ergebnis war jedoch durch die genaue Kontrolle des Auftreffpunkts beim Trennschlag so gut, dass diese zeit- und materialraubende Technik insbesondere im jüngeren Magdalénien zur Produktion großer Klingen oft angewendet wurde.

  1. Ha­rald Floss, Grund­be­griffe der Ar­te­fakt­mor­pho­lo­gie und der Bruch­me­cha­nik, in Floss (Hrsg.) Stein­ar­te­fakte vom Alt­pa­läo­li­thi­kum bis in die Neu­zeit, Tü­bin­gen 2012, Kerns Ver­lag, S. 123
  2. Ha­rald Floss, 2012, S. 123
  3. Ha­rald Floss, Grundformerzeugung im Magdalénien, in Floss (Hrsg.) Stein­ar­te­fakte vom Alt­pa­läo­li­thi­kum bis in die Neu­zeit, Tü­bin­gen 2012, Kerns Ver­lag, S. 385; Mara-Julia Weber M.A.,  Applying comparative technology to lithic industries of the Hamburgian: a new basis for the characterization of the relationship Hamburgian-Magdalenian, in Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie,  Jahresbericht 2008 /2009, S. 37, PDF
  4. Frédéric Surmely et Philippe Alix, « Note sur les talons en éperon du Protomagdalénien », PALEO, 17/2005, mis en ligne le 23 avril 2010, consulté le 13 septembre 2013, S. 2, PDF
  5. Ha­rald Floss, 2012, S. 123
  6. Frédéric Surmely et Philippe Alix, 2005, S. 18
  7. Ha­rald Floss, 2012, S. 385
  8. Joachim Hahn, Joachim Hahn, Erkennen und Bestimmen von Stein– und Knochenartefakten, Archaeologica Venatoria, Band 10, Tübingen, 1991, S. 99, Floss, 2012, S. 123
  9. Morgado Rodriguez, A.; Pelegrin, J.; Martinez Fernandez, G.; Afonso Marrero, J.A., La production de grandes de grandes lames la Peninsule Iberique (IV^c et III^c millenaires), in BAR INTERNATIONAL SERIES; 1884; 309-330, Industries lithiques taillees des IVe et IIIe millenaires en europe occidentale Colloque, Industries lithiques taillees des IVe et IIIe millenaires en europe occidentale, 2008, S. 325, Figur 14
  10. Morgado Rodriguez et al., 2008, S. 17