Steinzeitlexikon

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A

Ein Abschlag ist ein durch einen Schlag oder Druck artifiziell und intentionell von einem Rohstück abgetrenntes Artefakt. Das Rohstück kann Felsgestein, Feuerstein oder ähnliches Material wie Hornstein, Obsidian etc oder auch organisches Material wie Knochen oder Elfenbein sein. Je nach Form und Größe werden Abschläge auch → Klingen, Lamellen oder Abspliss genannt. → Abschlagmerkmale

Ein Abspliss ist ein kleiner Abschlag, der meist bei der Retuschierung oder Nachschärfung von Feuersteinwerkzeugen entsteht. Meist wird die Maximalgröße bei 1 bis 2 cm angenommen. Bei der Ansprache sollte die erkennbare Intention im Vordergrund stehen.

Ahrensburger StielspitzeStiel­spitze

Das Altneolitikum ist im Rheinland durch die Bandkeramische Kultur vertreten,  → Altneolithikum

Das Altpaläolithikum ist die älteste Epoche der Steinzeit, etwa 2,5 Millionen bis 300000 Jahre BC. → Altpaläolithikum.

Die Altsteinzeit, das Paläolithikum, ist die älteste und längste  der drei steinzeitlichen Abschnitte. Es ist gegliedert in → Altpaläolithikum, → Mittelpaläolithikum, → Jungpaläolithikum und → Spätpaläolithikum

Ein Artefakt ist ein von Menschenhand artifiziell (künstlich) und intentionell (absichtlich) geschaffener Gegenstand. Durch bestimmte Merkmale sind Artefakte von natürlich entstandenen Formen abzugrenzen (Geofakte, Eolithen, Scheinartefakte). → Abschlagmerkmale

Aurignacien älteste Stufe des Jungpaläolithikums, etwa 40000 bis 28000 Jahre BC → Aurignacien.

Ein Ausgesplittertes Stück kann eine spezielle Kernform darstellen oder ein meißelartig verwendetes Zwischenstück.

Äxte im archäologischen Sinne sind durchbohrte Felssteingeräte mit Beilfunktion. Ausführlich dazu → Beile, Äxte & Co

B

Die Bandkeramische Kultur ist im Rheinland die älteste neolithische Kultur. → Altneolithikum

Beile sind Kompositwerkzeuge, bestehend aus Beilklinge und Holm. Beile können weiter in Quer- und Parallelbeile unterschieden werden. Beilklingen im archäologischen Sinn sind nicht durchbohrt, ansonsten handelt es sich um Axtköpfe. Ausführlich dazu → Beile, Äxte & Co

Bipolar bedeutet zweiendig, siehe auch Bipolarer Kern. Bifacial hingegen bedeutet beidseitig.

Blattspitzen sind Artefakte der Übergangszeit zwischen Mittel- und Jungpaläolithikum

Pfeil und Bogen sind eine Erfindung des Jungpaläolithikums, genauer des → Magdalénien

Bohrer

Bulbus, auch Schlagbuckel → Abschlagmerkmale.

C

Die Campignien Kultur wurde in älteren Publikationen als Kultur mit klein- und grobgerätigen Steinartefakten beschrieben. Es sollte sich um eine spätmesolithisch-neolithische Kultur mit pics und tranchets, Hacken und Beilen, handeln. Ludwig Reitsch wollte 1974 das Campignien in einer Dissertation gliedern, kam jedoch zu dem Schluss, dass es nicht existierte. Die deutschen, französischen und spanischen Fundplätze dieser „Kultur“ waren überwiegend Schlagplätze. Sie befanden sich an den Rohmaterialvorkommen, auch an neolithischen Bergwerken.1

Cortex = Rinde,  → Kortex.

D

Dechsel, Querbeile, sind Kompositwerkzeuge, bestehend aus Dechselklinge, Holm und Bindung. Ausführlich dazu → Beile, Äxte & Co

Dechselklinge aus Steingrundform

Ein Diskoid, diskoider Kern, ist eine spezielle Kernform, ausführlich dazu → Diskoide Kerne

Als Dorsalseite wird die Seite eines Abschlages bezeichnet, die vor der Abtrennung vom Kern sichtbar ist. → Abschlagmerkmale

Ein Druckstab besteht meist aus Knochen oder Geweih. Er dient zum Lösen feiner Absplisse beim Retuschieren von Werkzeugen.

E

Das Endneolithikum ist die letzte Epoche der Steinzeit, ihr folgt die Bronzezeit. → Endneolithikum

F

Faustkeile sind als eine Art Universalwerkzeug anzusehen. Sie sind je nach Zeitstellung unterschiedlich ausgeformt. Von verschiedenen Fundplätzen gibt es Hinweise darauf, dass sie als Kerne genutzt wurden. Somit könnten sie neben der reinen Werkzeugfunktion eine weitere Bedeutung gehabt haben. Möglicherweise handelte es sich (auch) um einen Rohmaterialvorrat, der genutzt wurde, wenn vor Ort kein geeignetes Material zur Verfügung stand.

Diese Überlegung ist nicht abwegig. Ein Faustkeil ersetzt durch seine Formgebung das gesamte Werkzeugspektrum des Mittelpaläolithikums. Als zusätzlicher Materialvorrat ist er ideal der mobilen Lebensweise angepasst. Vergl. PDF: THE RECYCLING AND REUSE OF CORES AND BIFACES DURING THE MIDDLE PALEOLITHIC IN WESTERN EUROPE: functional and cultural interpretations

Feuchtbodensiedlungen

Feuer → Thema Feuer.

Feu­er­schlag­steine sind Bestandteile prähistorischer Feuerzeuge. Es handelt sich dabei um Funkenlöser.

Feuerstein ist ein hartes, glasähnlich brechendes Material. Häufig sind auch die englischen bzw französischen Bezeichnungen Flint und Silex zu lesen. Da hier die Steinzeit in Deutschland beschrieben wird, belassen wir es bei Feuerstein. Feuerstein ist hervorragend zur Steinwerkzeugherstellung geeignet, dementsprechend häufig wurde er verwendet, wenn er zur Verfügung stand. Zur Entstehung und Eigenschaften.

Eine Font Robert Spitze ist nicht in erster Linie als Projektil verwendet worden, Gebrauchsspurenanalysen ergaben die Nutzung als Messer. Font Robert Spitzen sind typisch für das Gravettien.

Frostrisse → Frostrisse

Frostscherbe → Frostscherbe

G

Großgartach/ Großgartacher Gruppe →  Mittelneolithikum

H

Hinkelstein/Hinkelstein Gruppe → Mittelneolithikum

I

Neolithische Keramik ist gelegentlich durch Inkrustation farblich gestaltet. Dabei wurden Ritz- oder Stichverzierungen meist mit Kalk gefüllt, sodass sich ein farblich abgesetztes und damit betontes Muster ergab. → Beispiel

J

Jadeitbeilklingen

Die Jungsteinzeit ist die letzte große Epoche der Steinzeit, sie wird als  Neolithikum bezeichnet. Es ist die Zeit der ersten Bauern. Die Menschen wurden sesshaft und bauten feste Häuser in einer Technik, die frühen Fachwerkhäusen ähnelt. Ackerbau und Viehzucht wurden die Grundlage der Ernährung. Die Jagd spielte eine untergeordnete Rolle.

Das Jungneolithikum ist im Rheinland vertreten durch die Michelsberger Kultur. →  Jungneolithikum

K

Keil­mes­ser sind eine Art Faust­keil­form mit einer schnei­den­den Kante und gegen­über­lie­gen­der natür­lich stump­fer oder stumpf behaue­ner Kante. Keil­mes­ser kom­men seit dem Acheu­leén vor, sind aber cha­rakte­ris­tisch für die mit­tel­eu­ro­päi­schen Keil­mess­er­grup­pen. Andere Bezeich­nun­gen sind: biface à dos, racloir à dos, Pradnik-Messer, Ciemna-Messer, Faust­keil­scha­ber.

Die Kerbtechnik kam bei der Herstellung von geometrischen Mikrolithen im Mesolithikum zum Einsatz. → Kerb­tech­nik

Ein Kern ist ein präpariertes Rohstück, das zur Herstellung von Abschlägen, Klingen oder Lamellen dient. Entsprechend geformte Rohstücke können ohne Präparation abgebaut werden, seit dem Acheuléen ist aber eine Präparation der Kerne üblich. Ist keine natürliche Schlagfläche vorhanden, wird eine solche durch einen Abschlag angelegt, handelt es sich um eine rundliche Knolle, spricht man von einem Kappenabschlag. Von dieser Schlagfläche aus können ohne weitere Vorbereitung Abschläge gewonnen werden. Klingenkerne erfordern für einen kontrollierten Klingenabbau einen Leitgrat. Liegt kein geeigneter natürlicher Grat vor, muss er durch entsprechende Präparation angelegt werden. → Klingenkerne. Dieser Leitgrat heißt Kernkante, die entsprechende Klinge ist die Kernkantenklinge.  Die erste Klingenserie zeigt in der Regel Kortexreste auf einem Teil der Dorsalseite. Erst nach dieser ersten Serie folgen Klingen ohne Kortex. Eine Sonderform unter den Klingenkernen sind bipolare Klingenkerne. Sie besitzen zwei gegenüberliegende Schlagflächen. Die Klingen werden im Wechsel von beiden Seiten geschlagen, um die Biegung der Klingen zu minimieren.  Diese Technik wurde häufig im Mesolithikum eingesetzt. Kerne werden oft nach ihrer Form benannt. Es gibt pyramidenförmige Kerne, diskoide, prismatische mit einer oder zwei Schlagflächen  und opportunistische bzw unförmige Kerne. Dabei handelt es sich bei den prismatischen meist um Klingenkerne, bei diskoiden und opportunistischen um Abschlagkerne, Lamellenkerne sind oft prismatisch oder pyramidenförmig. Darüber hinaus gibt es die → Levalloiskerne. Sie stellen eine besondere Form dar.

Kernfußklinge

Eine Kernkantenklinge entsteht bei dem Abbau von Klingenkernen. Die primäre Kernkantenklinge zeigt auf der Dorsalseite die Negative der vorangegangenen Abschläge. Sekundäre Kernkantenklingen zeigen dorsal auf einer Seite Reste der Abschlagnegative, auf der anderen den Rest des Negatives der Kernkantenklinge.

Ein Kerntablett, auch → Kernscheibe, ist ein seitlich geführter Abschlag von einem Kern, der die alte Schlagfläche entfernt, das Negativ der Kernscheibe dient als neue Schlagfläche. Durch die Abtrennung einer Kernscheibe konnte der Abbauwinkel korrigiert werden.

Klingen sind langgestreckte Abschläge, die mindestens doppelt so lang wie breit sind und einen annähernd parallelen Kantenverlauf aufweisen. Beträgt die Breite maximal 1 cm, spricht man von Mikroklingen oder → Lamellen.

Runde Kie­sel hand­li­cher Größe wer­den als Koch­steine bezeich­net, wenn ein Erhit­zen nach­weis­bar ist. Es wird ange­nom­men, dass in kera­mik­lo­sen vor­neo­li­thi­schen Zei­ten Mul­den in den Boden gegra­ben wur­den, die mit Leder aus­ge­klei­det wur­den. Diese Kon­struk­tion diente als Gefäßer­satz, Was­ser und Spei­sen konn­ten in die­sen Koch­mul­den durch Zugabe hei­ßer Steine erhitzt/gekocht wer­den. Diese Vor­ge­hens­weise war im Neo­li­thi­kum über­flüs­sig, da Spei­sen in Kera­miktöp­fen direkt über dem Feuer zube­rei­tet wer­den konn­ten. Es wird sich also im neo­li­thi­schen Kon­text wahr­schein­lich nicht um Koch­steine gehan­delt haben, eher um Steine, mit denen eine Feu­er­stelle aus­ge­klei­det wurde, den­noch wer­den sie unter die­ser Bezeich­nung geführt.

Klopfstein/Klopfer → Schlagsteine

Als Kortex oder Rinde bezeichnet man die natürliche Oberfläche eines Rohstücks. Aus der Beschaffenheit der Rinde kann auf die Lagerstätte geschlossen werden. So hat bergmännisch gewonnener Feuerstein eine rauhe Rinde, er entstammt der Primärlagerstätte. Ist die Rinde hingegen verrollt, handelt es sich um ausgewitterte und verlagerte Rohstücke, beispielsweise Maasschotterfeuerstein. Die in Maas- und Rheinschottern auftretenden → Maaseier zeichnen sich durch eine besondere Rinde aus.

Kratzer sind an Klingen oder Abschlägen angebracht und dienen der Bearbeitung organischer Materialien. Gelegentlich weisen stark verrundete Kratzer auch auf die Bearbeitung härterer Materialien hin.

L

Lamellen sind Sonderformen von → Klingen. Sie sind vereinbarungsgemäß maximal 1 cm breit. Allerdings gibt es durchaus Lamellen, die die 1 cm-Grenze überschreiten, wenn man die Intention über die metrische (willkürliche) Grenze stellt. Lamellen sind typisch für das Mesolithikum

Lanze von Lehringen, Mittelpaläolithikum → Stangenwaffen

Lanzettspitzen sind ein mesolithischer Mikrolithentyp → Lanzettspitzen

LanzettsprüngeAbschlagmerkmale

Die Levalloistechnik ist für das gesamte Mittelpaläolithikum belegt. Der Levallioskern wird auf spezielle Weise für (meist nur einen einzigen) Zielabschlag vorbereitet. Der gewonnene Abschlag ist der Levalloisabschlag, handelt es sich um eine Klinge, ist es eine Levalloisklinge. Manche Kerne wurden so präpariert, dass der Abschlag die Form einer Spitze erhielt. Ein solcher Abschlag ist die sogenannte Levalloisspitze. Von einer echten Levalloisspitze redet man dann, wenn der Schlagpunkt seitlich zur Symmetrieachse sitzt.

Livres de Beurre sind spezielle Klingenkerne, die der Produktion von großen Klingen aus Grand Pressigny Feuerstein dienten. Aus diesen Großklingen wurden becherzeitliche Spandolche gefertigt.

M

Maaseier sind Feuersteine in Eiform, die in den Maas- und Rheinschottern auftreten. Es handelt sich dabei um Feuersteine, die in der Brandung des Tertiärmeeres verrollt sind. Sie besitzen eine charakteristische Rinde, meist grau bis mittelgrau gefärbt und einige mm dick. Die glatte Rinde weist unzählige Narben auf, die durch ein fortwährendes Aufeinanderschlagen in der Brandung entstanden sind.

Als Maas­schot­ter­feu­er­stein werden die Feuersteingerölle bezeichnet, die dem Schotter der Urmaas entstammen. Die Maas führte aus den Ardennen kommend, die Limburgische Kreideformation durchfließend, erodierte Feuersteine mit sich. Diese lagerten sich in der älteren Hauptterrasse ab. Die Urmaas floss an Aachen vorbei und nahm einen nordöstlichen Verlauf. Mönchengladbach liegt genau über dem alten Flussbett. Schon in Krefeld ist die Durchmischung mit den Rheinschottern so groß, dass der Feuersteingehalt der durchmischten Schotter stark abnimmt. → Ausführlicher

Das Mesolithikum, Mittelsteinzeit ist die Blütezeit der Mikrolithik. Pfeilbewehrungen wurden aus sehr kleinen, sorgfältig retuschierten Klingen und Lamellen hergestellt. Es handelt sich um eine hochentwickelte Technik. So wurden funktionale Kompositwerkzeuge geschaffen. → Mikrolithen

Messer zählen zu den wichtigsten Werkzeugen der Steinzeit. Viele Werkzeuge konnten oder wurden schneidend genutzt. Allerdings lassen das Bezeichnungen wie Schaber und Faustkeil nicht erkennen. Eine Aufstellung der Schneidwerkzeuge findet sich unter →  steinzeitliche Schneidwerkzeuge.

Mikrolithen sind kleinste Pfeil- und Harpunenbewehrungen. Auch Knochendolche wurden mit Mikrolithen, hier Rückenmesserchen, besetzt. Mikrolithen sind Leitformen, mit denen mesolithische Inventare datiert werden können. → MikrolithenTypen­ta­fel Mikro­li­thenTypo­lo­gie

Das Mittelneolithikum ist im Rheinland durch die Abfolge Großgartach-Hinkelstein-Rössen vertreten. →  Mittelneolithikum

Das Mittelpaläolithikum ist die Zeit des Neandertalers, hier etwa 300000 bis 35000 Jahre BC. Im Rheinland sind für das Mittelpaläolithikum das Jungacheuléen, Mousterien, Micoquien und MtA nachgewiesen.

N

Als Negativ wird die am Kern entstehende Spaltfläche bezeichnet, die bei einem Trennschlag entsteht. Das Gegenstück ist die Ventralseite des Abschlags.

Der Fachbegriff für die Jungsteinzeit ist Neolithikum. Das Neolithikum zeichnet sich aus durch die Einführung der Landwirtschaft mit Ackerbau und Viehzucht, produzierende Lebensweise. Mit dem Neolithikum kamen Sesshaftigkeit und Hausbau sowie Keramik.

O

Oldowan-Werkzeuge sind Gerölle, die durch einige wenige Schläge eine Art Schneide bilden. Sie treten im Altpaläolithikum auf.

P

Das Paläolithikum, Altsteinzeit, ist die älteste und längste der drei steinzeitlichen Epochen. Es ist gegliedert in → Altpaläolithikum, → Mittelpaläolithikum, → Jungpaläolithikum und → Spätpaläolithikum

Pfahlbausiedlungen

Pfeil → Bogen.

Ein Pick ist ein spitz behauener Stein, der zur Holzbearbeitung eingesetzt wurde, geschäftet eine Variante zum Kernbeil.

Als Pro­to­f­aust­keil werden sehr frühe Formen bezeichnet. Die Bearbeitung ist rudimentär, meist wurde mit wenigen Schlägen eine Spitze geschaffen, die Basis blieb unbearbeitet.

Q

Eine Querschneide ist eine Sonderform einer Pfeilbewehrung. Es handelt sich nicht um eine Spitze, sondern um eine quer zum Pfeilschaft stehende kurze Klinge. Der häufig zu lesende Begriff Querschneider ist sprachlich falsch.

R

Eine Raub­gra­bung ist das Aus­gra­ben von ar­chäo­lo­gisch be­deut­sa­men Ge­gen­stän­den un­ter Miss­ach­tung der gel­ten­den ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen. We­gen des Fund­auf­kom­mens sind ins­be­son­dere Wall­an­la­gen, Grä­ber­fel­der, Kult­stät­ten, Schlacht­fel­der und Sied­lungs­plätze der Vor– und Früh­ge­schichte, des Mit­tel­al­ters und der Neu­zeit Ziele der Raub­grä­ber. →Raub­gra­bun­gen

Eine Retusche ist die Formgebung und Stumpfung/Schärfung durch Abschläge bzw Absplisse. Passive Kanten und Schäftungsbereiche wurden oft gestumpft, Arbeitskanten durch die Retusche stabilisiert oder nachgeschärft. Beschreibung und Zeichnungen der verschiedenen Retuschenarten → Retuschen

Rinde → Kortex.

S

Die Gerätegruppe der Schaber tritt im Mittelpaläolithikum auf. Mit Schabern wurden organische Materialien bearbeitet. Gebrauchsspurenanalysen erbrachten sehr häufig Spuren der Holzbearbeitung. Leider werden Schaber mit schabender und schneidender Funktion nicht differenziert, hier versagt die Lehre. Wünschenswert wäre eine Trennung steil retuschierter Schaber mit Schabfunktion von den flach retuschierten mit Schneidfunktion. Teilweise waren Schaber auch geschäftet.

Schlagnarbe Abschlagmerkmale


Schlagsteine
sind Werk­zeuge, die durch den Gebrauch als Schlag­in­stru­ment ent­ste­hen, sie wer­den durch min­des­tens ein kon­ve­xes Feld von Nar­ben, Aus­split­te­run­gen oder Ris­sen bestimmt, die durch die Schlag­wir­kung ent­ste­hen

Schlagwellen, gleichbedeutend mit Wallnerlinien → Wallnerlinien

Schneidwerkzeuge →  steinzeitliche Schneidwerkzeuge

Schwefelkiesknolle Knolle aus Pyrit oder Markasit. Schwefelkiesknollen dienten als Funkenspender bei der Feuererzeugung. Die in dem Link gezeigte Knolle ist ein ausnehmend seltener Fund, da Schwefelkies meist sehr instabil ist.

Im Neolithikum treten häufig Sicheleinsätze auf. Dabei handelt es sich meist um mediale Klingenbruchstücke, teils mit retuschierten Enden. Diese wurden hintereinander in Holz oder Geweih geschäftet, sodass sich eine lange Arbeitskante ergab. Diese Sicheleinsätze sind gut an dem teilweise sehr intensiven → Sichelglanz zu erkennen. Sie wurden entweder schräg oder parallel hintereinander geschäftet.

Segmente sind ein mesolithischer Mikrolithentyp → Segmente

Sichelglanz entsteht durch Mikropolituren. Durch häufig wiederholte Schneidbewegungen wird der Feuerstein von mineralischen Pflanzenbestandteilen so geglättet, dass die Oberfläche einen Glanz entwickelt.

Mit dem Spätpaläolithikum endet per Definition die letzte Epoche des Paläolithikums. Teilweise findet sich auch der Begriff Endpaläolithikum, dieser wird jedoch teilweise auch mit dem Mesolithikum gleichgesetzt. Faktisch  geschieht der Übergang zum Mesolithikum ohne Bruch. Die Dreiteilung der Steinzeit ist der späten Entdeckung des Mesolithikums geschuldet.

Das Spätneolithikum ist im Rheinland kaum fassbar, dementsprechend ist eine Zuweisung neolithischer Funde aus dieser Zeit zu einer Kulturgruppe nahezu unmöglich. Einflüsse von SOM, Stein, Vlaardingen sind möglich. Der Feuersteinabbau am Lousberg ist ein sicheres Zeichen einer spätneolithischen Besiedlung des Rheinlandes.

Die ältesten Speere datieren in das Alt- oder Mittelpaläolithikum. Die Schöninger Speere sind etwa 400000 oder 270000 Jahre alt. Es handelt sich um Wurfspeere, die heutigen Wettkampfspeeren ähneln.Stangenwaffen

Die Speerschleuder ist eine Jagdwaffe des Jungpaläolithikums. Sie ist sicher für das Magdalénien belegt. Die Gravettspitzen können auf ein, bisher nicht belegbares, höheres Alter hinweisen.

„Speerspitzen“ aus Feuerstein

Die Gruppe der Stichel besteht streng genommen aus verschiedenen Werkzeugen. Nach früherer Lehrmeinung wurde mit der Stichelschneide vornehmlich Geweih und Knochen geritzt. Das ist soweit nicht falsch. Geweih- und Knochenspäne wurden gewonnen, indem Nuten bis in die Spongiosa eingetieft wurden. Anschließend konnten die Späne herausgebrochen und zu Harpunen und Spitzen geformt werden. Insbesondere kräftige Mittelstichel bieten sich für diese Arbeit an. Auch für Gravierungen bzw Ritzlinien sind Stichelschneiden geeignet, gelegentlich konnte die Verwendung von Sticheln bei Steinritzungen in Höhlen nachgewiesen werden. Häufig wurden aber auch die Ecken an Klingenbruchkanten für Ritzungen verwendet.

Bei dem überwiegenden Teil der Stichel wurde jedoch nicht mit der Spitze gearbeitet.  Die durch die Stichelbahn gebildete stabile Kante war die Arbeitskante. Mit ihr konnte Holz, Knochen und Geweih geschabt, geglättet und in Form gebracht werden. Das entspricht der Funktionsweise einer Ziehklinge. Gebrauchsspurenanalysen bestätigen diese Verwendung.

Eine Sonderstellung nehmen die Vachons-Stichel ein, Prof. A. Pawlak konnte nachweisen, dass es sich um Projektilspitzen handelt. Seine Gebrauchsspurenanalyse ergab Aufprallspuren im Spitzenbereich sowie Schäftungspolituren und Pechreste an der Basis. (Vortrag Prof. Alfred Pawlak, zur mikroskopischen Gebrauchsspurenanalyse an Steingeräten, 12.10.2011, Landesmuseum Bonn)

StielspitzeStiel­spitze

T

Intentionelles Tempern von Steinrohmaterialien ist eine gezielte Hitzebehandlung zur Verbesserung der Spaltbarkeit. Dabei wird das Material über einen längeren Zeitraum einer dosierten Hitze ausgesetzt. Das führt neben einer Farbänderung zu einer Änderung der Mikrostruktur. Diese zeigt sich als Fettglanz auf  allen Negativen, die nach der Hitzeeinwirkung entstehen.

U

V

Die Ventralseite eines Abschlages ist die Spaltfläche, die beim Abschlagen an dem Abschlag entsteht. Die am Kern entstehende Fläche ist das → Negativ. → Abschlagmerkmale. Kerngeräte besitzen keine Ventralseite, stattdessen zwei → Dorsalseiten.

Verbrannter Feuerstein

W

Wallnerlinien,  → Wallnerlinien

X

Archäologische Fachbegriffe mit X beginnend sind selten. Damit der Buchstabe nicht leer bleibt, wird hier kurz auf X-förmige Ritzverzierungen an Kleintierplastiken des Aurignacien eingegangen. Viele Funde aus der Vogelherd Höhle haben neben angedeutetem Fell bzw Fellzeichnung  X-förmige Ritzungen. Diese scheinen eine Bedeutung zu haben, eine bloße Verzierung kann ausgeschlossen werden.

Y

Zur Y-Pfostenstellung und deren Deutung sei hier auf den folgenden Link zum neolithischen Hausbau verwiesen.

Z

Zinken haben ein durch steile Retuschen gebildetes Funktionsende. Dieses ist zur Seite geneigt, also außerhalb der Längsachse. Die Abgrenzung zu Bohrern ist nicht immer eindeutig, da diese hin und wieder auch eine seitlich geneigte Spitze aufweisen. Im Spätpaläolithikum bei der Hamburger Kultur tritt diese Geräteklasse häufig auf. Dort besitzen die Zinken ventrale Abschlagbahnen, die eine Schneide am Funktionsende bilden. Zinken scheinen hauptsächlich mit der Geweihbearbeitung in Zusammenhang zu stehen.

Zusammenpassung ist das Wie­der­zu­sam­men­set­zen von archäo­lo­gi­schen Fund­stü­cken. Ein Beispiel von Aufeinander- und Aneinanderpassungen von jungpaläolithischen Grundformen: → Zusammenpassungen

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  1. Birgit Gehlen und Werner Schön, Steinzeitliche Inventare aus dem Westallgäu: Die Sammlung Graf Vojkffy im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen, PDF, S. 133