Wesseling, Rheinland

Martin Heinen ergrub 2008 mit Wesseling erstmals einen gut erhaltenen Fundplatz der Federmesser Gruppen in der Region Nordrhein.

Es konnten zwölf Aktivitätszonen ergraben werden, in den meisten Fällen Steinartefaktkonzentrationen, die vermutlich einer einzelnen Belegung des Platzes angehören. Die Hauptaktivitätszone erbrachte etwa 1500 Artefakte, darunter Feder- und Rückenmesser, Stichel, Kratzer und seltener Bohrer. Mittelgroße und kleinere Zonen dienten u.a. der Reparatur von Jagdwaffen. Mindestens fünf Feuerstellen sind nachgewiesen.

Bisher einmalig für das Spätpaläolithikum ist der Nachweis mehrerer Steinpflaster aus Geröllen. Geräte, Knochen und zerlegte Hämatitknollen  aus diesen Bereichen oder aus der unmittelbaren Nähe lassen die Deutung als Arbeitsplatz zu. Vermutlich dienten die Steinpflaster  als Isolierschicht gegen Bodenfeuchtigkeit.

Eine weitere Überraschung waren handtellergroße Reib- oder Schleifplatten, die  mit vier vollständigen Exemplaren und mehreren Fragmenten überliefert sind. Funde dieser Art sind selten auf spätpaläolithischen Fundstellen anzutreffen.

Absolut einzigartig ist der Fund mehrerer, zwischen 2 und 4 cm großer, flacher Braunkohlestücke, die zu geometrischen Formen verarbeitet wurden. Die Verwendung ist unbekannt, denkbar wäre Schmuck oder Kunst.

Auf eine hohe Mobilität lassen die teilweise über 100 km transportierten Rohmaterialien schließen. So findet sich Tertiärquarzit, Chalzedon, Limburger Kreidefeuerstein (Orsbach- und Lousbergfeuerstein), Maasschotterfeuerstein und nordischer Feuerstein aus dem Geschiebe im Inventar.

Obwohl keine Hinweise auf Behausungen zu erkennen waren, muss aus der Größe des Platzes und den verschiedenen Aktivitätszonen auf ein längeres (Basis-) Lager geschlossen werden. 14C-Datierungen weisen in den Zeitraum zwischen 11500 und 11300 calBC.

Quelle: Martin Heinen, Aufbau und Organisation des Federmesser-Fundplatzes Wesseling im Rheinland, in Tagungsheft Hugo Obermaier-Gesellschaft, 53, Jahrestagung in Herne,  PDF, S. 22f.