Stielspitzen

Ahrensburger Stielspitzen, Finder Robert Grüttner

Ahrensburger Stielspitzen, Finder Robert Grüttner

Stielspitzen sind meist aus Klingen gefertigt und besitzen einen durch Retuschen geformten Stiel. Im Gegensatz zu Kerbspitzen ist der Stiel beidseitig durch Retuschen herausgearbeitet. Die Retusche folgt keiner festen Regel, sie ist überwiegend dorsal,1 kann aber auch ventral oder wechselseitig angelegt sein. Der Spitzenbereich kann retuschiert oder unretuschiert sein, also auch aus einer natürlichen Spitze bestehen.2

Stielspitzen treten regelhaft im Gravettien auf, Font Robert Spitzen. Sie werden als Projektilspitzen3 und Messer angesehen.4 Aus Südwestfrankreich sind Stielspitzen im Spätmagdalenien überliefert, sie werden als Tejat Spitze bezeichnet und gleichen den Ahrensburger Stielspitzen.5 Erste Stielspitzen sind gelegentlich im Mittelpaläolithikum anzutreffen, beispielsweise in Rheindahlen, Stadt Möchengladbach, NRW, Fundschicht B3. Aus Art und Lage der Brüche solcher Spitzen wird die Verwendung als Speerspitzen plausibel.6

Font Robert Spitze

Font Robert Spitze, 91 mm

Die Ahrensburger Stielspitzen sind eine Leitform für die spätpaläolithischen Stielspitzengruppen, Ahrensburger Kultur. Die Ahrensburger Stielspitzen sind als Pfeilspitzen durch Funde von kompletten Pfeilen und eingeschossene Exemplare gesichert.7 Das Verbreitungsgebiet der Ahrensburger Stielspitzengruppen ist Nordwesteuropa,8 in Deutschland reichte es bis zu den Mittelgebirgen.9 → Karte

Stielspitze

Ahrensburger Stielspitze, Finder Robert Grütt­ner

Stielspitzen Fertigung

Ahrens­bur­ger Stiel­spitze 1

Ahrens­bur­ger Stiel­spitze 2

Ahrens­bur­ger Stiel­spitze 3

Ahrens­bur­ger Stiel­spitze 4

Ahrens­bur­ger Stiel­spitze 5

Stiel­spit­zen­frag­ment

  1. H. Floss/M.-J. Weber, Lithi­sche Projektilspit­zen im Spätglazial, in Floss (Hrsg.) Stein­ar­te­fakte vom Alt­pa­läo­li­thi­kum bis in die Neu­zeit, Tübin­gen 2012, Kerns Ver­lag, S. 514
  2. Lutz Fiedler/ G. und W. Rosendahl, Altsteinzeit von A bis Z, Publikationen der Reiss-Engelhorn-Museen, Band 44, WBG, Darmstadt, 2011, S. 357
  3. Fiedler et al., 2011, S.357
  4. H. Floss, Lithi­sche Spit­zen des Jung­pa­läo­li­thi­kums, in Floss (Hrsg.) Stein­ar­te­fakte vom Alt­pa­läo­li­thi­kum bis in die Neu­zeit, Tübin­gen 2012, Kerns Ver­lag, S. 403
  5. H. Floss, 2012, S. 410
  6. Jürgen Thissen, Die paläolithischen Freilandstationen von Rheindahlen im Löss zwischen Maas und Niederrhein, Rheinische Ausgrabungen Band 59, Mainz, 2006, S. 96
  7. H. Floss/M.-J. Weber, Lithische Projektilspitzen im Spätglazial, in Floss (Hrsg.) Stein­ar­te­fakte vom Alt­pa­läo­li­thi­kum bis in die Neu­zeit, Tübin­gen 2012, Kerns Ver­lag, S. 514; Joachim Hahn, 1991, S. 197
  8. Fiedler et al, 2011, S. 16
  9. Jürgen Richter, Das Paläolithikum in Nordrhein-Westfalen, in H. G. Horn (Hrsg.) Neandertaler & Co. Eiszeitjägern auf der Spur – Streifzüge durch die Urgeschichte Nordrhein-Westfalens, Mainz, 2006, S. 111