Sammeln
Hier finden sie Informationen und Nützliches zum Thema Suche von Artefakten, Fundeinmessung, Dokumentation von Funden und Fundstellen, Kartierung mit GIS, Fundmeldung, und Artefaktfotografie.
Sinn
Die Suche nach Artefakten ist nur dann eine sinnvolle Sache, wenn sie richtig betrieben wird. Nur wenn die Funde dokumentiert und gemeldet werden, können sie wissenschaftlich erfasst und ausgewertet werden. Werden jedoch Funde nur selektiv aufgesammelt, beispielsweise nur Steinwerkzeuge, oder werden die Funde nicht gemeldet, werden Befunde verfälscht oder vernichtet.
Suche
Die Art der Suche wird unter dem Punkt Prospektion erläutert. Aber wo soll man Suchen? Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten. Es hängt schließlich von der persönlichen Zielsetzung ab. Will ich als “lokaler” Sucher die Umgebung meines Wohnortes großflächig absuchen, suche ich Artefakte einer bestimmten Zeitstellung, suche ich bekannte Fundplätze ab, versuche ich neue zu entdecken? Ein Sonderfall ist der des ehrenamtlichen Mitarbeiters der Bodendenkmalpflege. Dieser bekommt von Zeit zu Zeit Aufträge, beispielsweise eine Baustellenbeobachtung. Insofern sind hier Vorgaben zu beachten.
Der “normale” Sammler hingegen ist nicht gebunden und kann seine Ziele frei wählen. Während ein Teil der Sammler hauptsächlich Artefakte finden will und meist bekannte Fundstellen aufsucht, geht der “Forscher” anders vor. Zielsetzung ist hier oft das flächendeckende Erfassen von Siedlungsspuren über alle Zeiten hinweg und das Entdecken neuer Fundstellen. Dies ist der wertvollste Beitrag zur systematischen Erforschung der Vor– und Frühgeschichte, aber auch der jüngeren Geschichte.
Ich persönlich habe mit der Suche der Felder um meinen Wohnort begonnen. Im Laufe der Zeit habe ich mein Suchgebiet erweitert. Anfangs habe ich entlang eines Baches gesucht, der an meinem Wohnort vorbei fließt. Auch hier stellten sich Funde aus verschiedenen Zeitstellungen ein. Mittlerweile suche ich gezielt drei Bachläufe ab, die alle in die Schwalm münden. Das Suchgebiet ist dadurch so groß geworden, dass nahezu immer irgend ein Feld in diesem Bereich begehbar ist.
Oft lassen sich bestimmte Geländemerkmale bestimmten Fundwahrscheinlichkeiten zuordnen. So sind Hügel in unserer flachen Landschaft im Paläolithikum sehr häufig aufgesucht worden. Auch gewässernahe etwas erhöht liegende Uferbereiche ergeben hin und wieder paläolithische Funde. Mesolithische Funde sind meist in Ufernähe anzutreffen. Funde aus dem Neolithikum sind grundsätzlich überall möglich. Dennoch steigt die Wahrscheinlichkeit, eine Siedlung zu entdecken, deutlich an, sucht man auf höher gelegenen Bereichen. Diese können durchaus in größerer Entfernung zu einem Gewässer liegen. Dies sind lediglich Erfahrungswerte, letztlich können überall Funde zu Tage treten. Auch die Bereiche von Bachbetten können beispielsweise durch Erosion verlagerte Funde erbringen.
Einmessen
Der erste Schritt der Dokumentation von Funden ist das Einmessen. Der bequemste, schnellste und modernste Weg ist dabei das Einmessen per GPS. Da die Bodendenkmalämter den Funden Gauß-Krüger-Koordinaten zuordnen, ist es empfehlenswert, das GPS-Gerät ebenfalls auf dieses System einzustellen. Wer kein GPS-Gerät besitzt, muss die Lage des Fundes zu einem Fixpunkt, in der Regel eine Ecke des Ackers, ermitteln. Dies geschieht meist durch Abschreiten. Diese Methode ist zeitraubend und ungenau, ein GPS-Gerät kostet nicht die Welt und wird hier dringend empfohlen.
Wird der Fund mit GPS eingemessen, so wird ein Wegpunkt erstellt. Die Nummer dieses Wegpunktes muß in Beziehung zu dem Fund gebracht werden. Hier sind die Methoden unterschiedlich. Ich persönlich bevorzuge kleine Druckverschlußbeutel. Die mit einer ausrangierten Zahnbürste grob gereinigten Funde werden einzeln eingetütet. Jede Tüte erhält die jeweilige Wegpunktnummer. Ich schreibe die Nummer einfach auf die Tüte, wird diese Tüte mehrfach benutzt, wird die alte Nummer durchgestrichen, damit es nicht zu Verwechselungen kommen kann.
Zu Hause werden die Funde einzeln gereinigt und kommen wieder in die entsprechende Tüte. Dadurch ist die klare Zuordnung zum Fundpunkt weiterhin garantiert. Danach werden die Funde mit einer Funnummer versehen. Ich benutze meist einen dünnen schwarzen CD-Marker. Damit die Beschriftung dauerhaft ist, kann sie zusätzlich mit transparentem Nagellack versiegelt werden.
Fundnummern
Fundnummern werden nach einem System vergeben. Auch hier gibt es verschiedene Methoden. Ich persönlich benutze folgendes System:
Die erste Zahl gibt ein bestimmtes Gebiet an. Die zweite steht für ein bestimmtes Feld in diesem Gebiet. Die dritte Zahl ist schließlich die Nummer des Fundes.
So steht 23.4.124 beispielsweise für das östliche Ufer des Broicher Fliesses (23), die 4 für das vierte dort begangene Feld und die 124 schließlich für den Fund Nummer 124 auf dieser Parzelle.
Auf diese Weise können die Funde leicht einem Feld und einem Gebiet zugeordnet werden. Dadurch ist ein guter Überblick über die Funde eines Gebietes gegeben. Das ist wichtig, um Zusammenhänge zu erfassen, denn Siedlungsspuren halten sich meist nicht an Par– zellengrenzen.
Dokumentation
Die Funde werden anschließend dokumentiert, d.h. in eine Tabelle übertragen. Neben der Fundnummer muß diese Tabelle auch die Fundkoordinaten enthalten. Je mehr Informationen die Tabelle enthält, desto besser. So kann beispielsweise das Artefakt beschrieben werden, das Material, evtl auch die Zeitstellung angegeben werden etc. Diese Tabelle kann auch Bestandteil einer Datenbank sein. Dies ist ein eleganter Weg, da die Tabelle dann in Formularform dargestellt wird. Desweiteren können den Funden Fotos zugeordnet werden, Fundkarten, Fundortbeschreibungen, Literaturquellen etc.
Es gibt diverse Funddatenbanken meist frei erhältlich im Netz. Eine sehr gute Datenbank finden Sie hier. Verfügen Sie nicht über Microsoft-Access, so können Sie mit der Freeware OpenOffice eine eigene Datenbank erstellen.
Meldung
Sämtliche relevanten Funde müssen dem Bodendenkmalamt gemeldet werden. Die Einschränkung relevant deshalb, weil in NRW keine zeitliche Grenze existiert, theoretisch würde auch eine leere Zahnpastatube aufgenommen werden müssen.
Das Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland ist in verschiedene Bezirke unterteilt, die zuständige Außenstelle finden Sie hier. Wie die Fundmeldung aussehen soll erfragen Sie am besten bei der zuständigen Außenstelle, da es kleine Unterschiede gibt.
Fundverbleib
Die Funde können je nach Bedeutung und Bundesland in privater Obhut bleiben oder werden amtlich archiviert. Viele Sammler stellen ihre Funde als Leihgabe oder Schenkung örtlichen Museen zur Verfügung. Für Funde in Privatbesitz sollte eine Verfügung im Falle des Ablebens bestehen. Damit ist garantiert, dass die Funde nicht eines Tages in den Müll wandern.
Kartierung
Die Kartierung und Nutzung von GIS sowie die Kombination mit der Datenbank ist hervorragend erklärt auf der Steine-Scherben–Site.
Artefaktfotografie
Hier wieder ein Verweis auf die bereits oben verlinkte Steine-Scherben–Site.