Spiennes Feuerstein

Gliederung

Beschreibung/Herkunft | Fotos Rohstücke | Verwendung im Neolithikum | Bergbau/Vorkommen | Paläolithikum/Mesolithikum | Fotos typischer Artefakte

Beschreibung/Herkunft

Das Dorf Spiennes liegt etwa 6 km südöstlich von Mons, Belgien. → Karte. Es handelt sich um geologische Schichten zwischen dem Coniacien und Maastrichtien. → Grafik. Der Feuerstein steht beiderseits des Flusses La Trouille an. Der Spiennes Feuerstein ist meist blauschwarz oder bläulichgrau gefärbt, kann jedoch auch Brauntöne annehmen. Die Rinde ist beige und leicht rauh.1

Fotos Rohstücke

Auf Seite 3 der verlinkten PDF sind Rohstücke im Detail abgebildet: Silex de Spiennes Prov. du Hainaut, Wallonie

Verwendung im Neolithikum

Spiennes Feuerstein wurde seit der Michelsberger Kultur bergmännisch unter Tage gewonnen, in unmittelbarer Nähe befindet sich eine Siedlung mit einem Erdwerk. In den Schachtverfüllungen der Minen wurde zahlreich Michelsberger Keramik gefunden. ( Eine Besonderheit dieser Keramik ist die Magerung, sie besteht nicht wie üblich aus Quarz sondern aus Feuersteingranulat.)2 In erster Linie wurden Beilklingen und lange Feuersteinklingen mit dreieckigem Querschnitt zur Produktion von Spandolchen gefertigt.3 C-14 Datierungen ergeben einen Abbauzeitraum von 4400/4200 bis 3000/2450 BC, also eine Nutzung weit über die Zeit der Michelsberger Kultur hinaus.  Die SOM Kultur ist durch Zwischenfutter aus Geweih für Beilklingen belegt, die Becherkulturen durch Pfeilspitzen und einen Spandolch aus Grand Pressigny Feuerstein.4 Diese wenigen Artefakte haben keinen allzu großen Aussagewert. Ob der Abbau kontinuierlich erfolgte, ist unklar. Sporadisch ist Spiennes Feuerstein in der Nähe des Vorkommens bis in die Metallzeiten belegt. Polissoire aus Wommersomquarzit weisen darauf hin, dass die Beilklingen vor Ort geschliffen wurden, → PDF.

Bergbau

neolithikum

Bergbaugebiet Spiennes, Belgien

In einem Gebiet von über 100 Hektar befinden sich nach Schätzungen 20.000 bis 30.000 Minenschächte. Das Areal besteht aus zwei Bereichen, getrennt durch den Fluss La Trouille. Insgesamt sechs Bergbaugebiete werden unterschieden.5 Eines der Gebiete wird Petit Spiennes genannt und hat etwa 12 ha Fläche. Hier eine → Fotostrecke. → Grabungsfotos. Das  mit 50 ha wesentlich größere Areal östlich des Flusses heißt Camp à cayaux, → Fotostrecke. Diese Areale wurden gleichzeitig genutzt, das ist durch C-14 Datierungen belegt.6 Der Abstand zwischen den Schächten variiert zwischen 4 und 6 Metern. Die Tiefe der Schächte erreicht teilweise 15 Meter. Dabei wurden mehrere weniger abbauwürdige Feuersteinschichten durchtreuft. War die qualitativ hochwertigste Schicht erreicht, wurden von dem etwas erweiterten Schachtgrund sternförmig Stollen mit einer Länge zwischen 3 und 6 Metern vorangetrieben. Der plattig anstehende Feuerstein wurde unterhöhlt, wobei eine kleine Stützwand stehen blieb. Es wird vermutet, dass dann Holzstützen eingebracht und die Stützwand teilweise entfernt wurde. Vermutlich wurden die Holzstützen dann mit Seilen entfernt. Durch das eigene Gewicht lösten sich Teile der Platten und stürzten auf die Reste der Stützwände, wodurch sie in kleinere Stücke zerlegt wurden. Die Reste der Stützwände sind noch erhalten. Ausgebeutete Schächte wurden mit dem Abraum neuer Schächte und Siedlungsabfällen verfüllt.7 Auch → Gezähe fanden sich in den Verfüllungen.

Teilweise wurde auch im Tagebau Feuerstein gewonnen. Es handelte sich dabei um etwa 4 Meter tiefe Gräben. Sie erreichen ausgewitterte Feuersteine in tertiären Sanden mittlerer Qualität und nicht allzu großen Abmessungen.8

Verwendung im Paläolithikum/Mesolithikum

Schon in der Altsteinzeit wurde der Feuerstein genutzt, es handelt sich jedoch nicht um bergmännische Gewinnung, vielmehr wurden erodierte Knollen im Tal des Flusses La Trouille aufgeklaubt.

Fotos typischer Artefakte

Les Minières néolithiques de Spiennes → Fotostrecke

Weitere Artefakte und Informationen → Prehistoire „Pierres de Mémoire“

  1. PDF, s. 1, Silex de Spiennes Prov. du Hainaut, Wallonie
  2. F. Hubert, Zum Silexbergbau von Spiennes (B 1), in 5000 Jahre Feu­er­stein­berg­bau — Die Suche nach dem Stahl der Stein­zeit, Ver­öf­fent­li­chun­gen aus dem Deut­schen Bergbau-Museum Bochum, Nr 22, Bochum, 1980, S. 132
  3. F. Hubert, 1980, S. 132
  4. F. Hubert, 1980, S. 132
  5. F. Hubert, 1980, S. 124
  6. Hélène Collet, Les Mines Neolithiques de Spiennes: Etat des Connaissances et Perspektives de Recherche, PDF, S. 2
  7. Hélène Collet, Belgique Un centre minier néolithique inscrit au Patrimoine mondial de l’Unesco, PDF, S. 2
  8. F. Hubert, 1980, S. 134