Rullen Feuerstein

Gliederung

Beschreibung/Herkunft | Fotos Rohstücke | Verwendung im Neolithikum | Bergbau/Vorkommen | Paläolithikum/Mesolithikum | Fotos typischer Artefakte

Beschreibung/Herkunft

Das Gestein stammt aus der Gegend von Rullen, Belgien, → Karte. Der umgebende Kalk ist schon im Tertiär verwittert, dadurch liegen die Knollen frei, der Feuerstein ist also sekundär leicht verlagert,  es handelt sich um eine Residuallagerstätte (=Rückstand). Die Rinde dieser Knollen ist nicht abgerollt, das unterscheidet sie vom Rullen-Schotterflint, der in der Maasterrasse zu finden ist.1 Dennoch ist die Rinde glatter als bei Feuersteinen aus Primärlagerstätten.

Rullen Feuerstein ist hellgraugelblich bis honiggelb, gelegentlich auch leicht graugrünlich, es können allmähliche Übergänge zwischen diesen Farbtönen in einer Knolle vorkommen. Gelbliche Spaltflächen glänzen stärker als graue. Die Rinde ist milchigweiß, nicht sehr rauh und hart. Sie ist mehrere Millimeter dick. Die Kanten sind durchscheinend, unter der Rinde besteht eine besonders klare Zone. Neben der Rinde sind auch hell patinierte, natürliche Sprungflächen für das Material charakteristisch. Ein weiteres Merkmal des Rullen Feuersteins ist das gleichmäßig dichte Vorkommen nadelkopfgroßer, feiner, heller Einschlüsse. Es ist manchmal schwer möglich, Rullen Feuerstein von feuchtbodenpatiniertem Rijckholt Feuerstein oder Schotterfeuerstein zu unterscheiden.2

Beim Rijckholt Feuerstein überwiegen bei weitem die Grautöne, bei Rullen Feuerstein dagegen die Gelb- und Brauntöne. Bei Stücken, die nicht eindeutig zuzuweisen sind, weil Gelb- und Brauntöne vorherrschen, handelt es sich nach Zimmermann eher um Rullen Feuerstein.3 Zusätzliche Anhaltspunkte sind die dicke Rinde und das Fehlen schwarzer Inklusen bei Rullen Feuerstein. Lithostratigraphisch betrachtet stammen Rijckholt und Rullen Feuerstein aus der gleichen geologischen Formation, was eine Unterscheidung mit naturwissenschaftlichen Methoden erschwert oder unmöglich macht.4

Siehe auch Flintsource.net – Rullen

Fotos Rohstücke

Rullen

Rullen, Rodebosch

Verwendung im Neolithikum

Im rheinischen Mittelneolithikum ist Rullen Feuerstein reichlich vetreten. Die Rössener Fundstellen Inden 1 und 2 erbrachten mehr als 50% Rullen-Feuerstein. In der Bandkeramik, Langweiler 8 und 9, Großgartach, Hasselsweiler 1 und 2, und der Michelsberger Kultur, Inden 9 und Koslar 10, wurde er nur in geringem Umfang genutzt.5

Bergbau

Rullen-Feuerstein wurde im Neolithikum durch Pingenbau gefördert. Pingen sind brunnenartige Löcher,6 die teilweise als graben- oder trichterförmige Vertiefungen in der Landschaft zu beobachten sind.7 Es handelt sich also um eine Form des Tagebaus.

Link zum Bergbau in Rullen: P. M. Vermeersch et al, Neolithische vuursteenontginning op de site van Rullen (Voeren, prov. Limburg), in In’t Ven, I., De Clerq, W. (EDS)., Een lijn door het landschap, 2005, S. 313-328, PDF

Verwendung im Mesolithikum

Im rheinischen Mesolithikum kommt Rullen Feuerstein gelegentlich vor, Arora konnte für den Kreis Heinsberg einige Artefakte, überwiegend Werkzeuge, bestimmen. Aufgrund fehlender Rinde kann jedoch nicht zwischen Rullen Feuerstein aus der Residuallagerstätte und aus dem Maasschotter unterschieden werden.8

Fotos typischer Artefakte

Klingenkern, Punchtechnik

Klingenkern, Punchtechnik

  1. Flintsource – Rullen
  2. Jürgen Weiner, Die Maasschotter der Niederrheinischen Bucht als Feuersteinlieferant für die Bandkeramischen Siedlungsplätze Langweiler 8 und Langweiler 9, in: Studien zur neolithischen Besiedlung der Aldenhofener Platte und ihrer Umgebung, Rheinische Ausgrabungen, Band 43, Köln, 1997, S. 610; H. Löhr/A. Zimmermann/J. Hahn, Feuersteinartefakte. In: R. Kuper/H. Löhr/J. Lüning/P. Stehli/A. Zimmermann (Hrsg.), Der bandkeramische Siedlungsplatz Langweiler 9. Beitr. Zur neolithischen Besiedlung der Aldenhovener Platte II. Rhein. Ausgr. 18, Bonn, 1977, S. 157f
  3. A. Zimmermann, Der Bandkeramische Siedlungsplatz Langweiler 8, Dissertation, Tübingen, 1988, S. 606
  4. Jürgen Weiner, 1997, S. 610
  5. Arora, Mesolithische Fundplätze und Funde im ehemaligen Kreis Erkelenz, in: Martin Heinen/Surendra-Kumar Arora, Archäologie im Kreis Heinsberg II, Geilenkirchen, 1995, S. 272
  6. Der frühe Bergbau an der Ruhr, Homepage
  7. Wikipedia-Pinge
  8. Arora, 1995, S. 272