Rijckholt Feuerstein

Gliederung

Beschreibung/Herkunft | Fotos Rohstücke | Verwendung im Neolithikum | Bergbau/Vorkommen | Paläolithikum/Mesolithikum | Fotos typischer Artefakte

 

Beschreibung/Herkunft

Rijckholt Feuerstein, auch Rijkholt oder Ryckholt, kommt in den Maasschottern vor.1 Die primäre Lagerstätte ist der obere Bereich der Gulpener Kalke des Maastrichtiens. → Karte. → Geologie.

„Sein Farbspektrum reicht von schwarz bis grau. Besonders die dunkleren Stücke haben glatte und glänzende Spaltflächen und durchscheinende Kanten. Bei zunehmender Aufhellung wird das Material körniger. Die Spaltflächen verlieren ihren Glanz und der Feuerstein wird zunehmend opaker. Besonders bei dunkelfarbigem Rohstoff erscheinen sehr häufig regelmäßige weiße Tupfen und feine, nadelkopfgroße Einschlüsse, die jedoch auch fehlen können. Adern aus klarem Quarz, Hohlräume und Klüfte, besetzt mit Bergkristallen sowie Einschlüsse von Fossilien kommen vor. Seine Rinde ist oft dünn, immer rauh und körnig, trotzdem aber manchmal weich, färbt weißlich und ist mit dem Fingernagel ritzbar. Sie wird als „Kreiderinde“ bezeichnet. Zwischen Rinde und opakem Material befindet sich oft eine besonders duchscheinende Zone im Gestein. Manchmal finden sich natürliche Sprungflächen, die bei primär gelagertem Rohstoff nicht patiniert sind. Auffallend, wenn auch selten, ist eine schlierige Zonierung in Färbung und Struktur. Das Material tritt in Knollenform auf. Die Einzelstücke haben eine Größe bis zu 50 cm, selten mehr, und weisen manchmal zapfenartige Auswüchse auf.“2

Siehe auch Flintsource.net – Rijckholt.

Fotos Rohstücke

neolithikum

Rickholt, typisch

 

neolithikum

Rinde bergfrisch

 

neolithikum

Rijckholt, dunkel

 

neolithikum

Rijckholt, hell

 

neolithikum

Rijckholt, blaugrau

 

neolithikum

Rijckholt, zoniert

Rijckholt, leicht patiniert und zoniert

Rijckholt, leicht patiniert und zoniert

Diverse Varietäten, teilweise patiniert

Diverse Varietäten, teilweise patiniert

 

Verwendung im Neolithikum

Rijckholt Feuerstein ist in der Bandkeramik zu über 80%, und der Michelsberger Kultur, Inden 9: über 90%, genutzt worden, der spätneolithische Fundplatz Hasselsweiler 1, Vlaardingen, erbrachte 72%.3

Im Jungneolithium setzt die bergmännische Gewinnung des Feuersteins ein.4 Daraus lässt sich ableiten, dass im Altneolithikum nur Rijckholt Feuerstein aus sekundärer Lagerung, Schotter, verwendet wurde.

Bergbau

C-14 Datierungen ergaben, dass Rijckholtfeuerstein vermutlich zwischen 3950 und 2650 BC unter Tage abgebaut wurde. Das Abbaugebiet ist eine Kalksteinformation zwischen Rijckholt und St. Geertruid, etwa 6 km südöstlich von Maastricht, Niederlande. Kartierung der 75 erforschten Minen → PDF. Auf einer Fläche von etwa 8 Hektar befinden sich etwa 2000 Abbauschächte.5

Bildbericht aus den Minen

Die Schächte haben etwa 1 m Durchmesser und reichen senkrecht 5 bis 12 Meter in den Kalkstein. Dabei wurden mehrere nicht abbauwürdige Feuersteinbänder durchteuft, bis die qualitativ hochwertigen Schichten erreicht wurden. In diese Schichten wurden dann sternförmige Stollen getrieben. Sie erreichen nur einige Meter Länge bei einer Höhe von etwa 60 cm. Zunächst wurde der Abraum an die Oberfläche verbracht, das ist durch Seilspuren belegt. Später wurden die ausgebeuteten Stollen mit dem anfallenden Abraum verfüllt.6 Über 14.000 Gezähe wurden in den 75  erforschten Minen gefunden, hochgerechnet auf die Gesamtzahl der Schächte ergibt das etwa 400.000 Gezähe.7 Als Gezähe wurden → Hacken aus Feuerstein, Hacken und Brechwerkzeuge aus → Hirschgeweih und Schaufeln aus Schulterblättern verwendet.8 Teilweise wurden die beim Abbau anfallenden Kalksteine als Klopfsteine zur Feuersteinbearbeitung genutzt, → Foto.

Versuche mit nachgebildeten Abbaugeräten sollten die Tagesleistung eines prähistorischen Bergmannes ermitteln. Bei einer Fördermenge von etwa einem halben Kubikmeter Gestein wurden durchschnittlich 325 kg Feuerstein gewonnen.9 Dieses Ergebnis berücksichtigt weder den zweiten Mann, der den Abraum nach oben fördern muss, noch wird der Vortrieb des Schachtes berücksichtigt. Umgerechnet auf den Abbau unter Tage unter Berücksichtigung aller Umstände ergibt sich eine Schätzung der Fördermenge von Feuerstein pro Mann. Sie liegt, je nach Schichttiefe, zwischen max 140 kg und 53 kg.10

Ausführlicher zu den Minen:

De prehistorische vuursteenmijnen van Rijckholt – St. Geertruid

Die neolithischen Feuerstein-Gruben von Rijkholt bei Maastricht, Niederlande

Verwendung im Paläolithikum/Mesolithikum

Aufgrund der Patinierung paläolithischer Artefakte ist eine sichere Identifizierung der Rohmaterialien schwierig und selten eindeutig. Dennoch kommen Stücke vor, bei denen es sich vermutlich um Rijckholt Schotterfeuerstein handelt. Auch im Mesolithikum kommen gelegentlich Abschläge und Werkzeuge aus diesem Material vor.11

Fotos typischer Artefakte

neolithikum

Spitzklinge, Michelsberger Kultur

neolithikum

Beilklinge, Michelsberger Kultur

neolithikum

Abschlagkratzer mit Rinde

  1. Arora, Meso­li­thi­sche Fund­plätze und Funde im ehe­ma­li­gen Kreis Erkelenz, in: Mar­tin Heinen/Surendra-Kumar Arora, Archäo­lo­gie im Kreis Heins­berg II, Gei­len­kir­chen, 1995, S. 275
  2. Jür­gen Wei­ner, Die Maas­schot­ter der Nie­der­rhei­ni­schen Bucht als Feu­er­stein­lie­fe­rant für die Band­ke­ra­mi­schen Sied­lungs­plätze Lang­wei­ler 8 und Lang­wei­ler 9, in: Stu­dien zur neo­li­thi­schen Besied­lung der Alden­ho­fe­ner Platte und ihrer Umge­bung, Rhei­ni­sche Aus­gra­bun­gen, Band 43, Köln, 1997, S. 610
  3. Arora, 1995, S. 274
  4. C-14 Datierungen ab 3950BC
  5. Henk Engelen De prehistorische vuursteenmijnen van Rijckholt – St. Geertruid
  6. Dr Thomas Witzke, Die neolithischen Feuerstein-Gruben von Rijkholt bei Maastricht, Niederlande, GAG
  7. Henk Engelen De prehistorische vuursteenmijnen van Rijckholt – St. Geertruid
  8. Dr Thomas Witzke, Die neolithischen Feuerstein-Gruben von Rijkholt bei Maastricht, Niederlande, GAG
  9. P. J. Felder, Feuersteinbergbau in Ryckholt-St. Geertruid (NL 1) und Grime´s Gaves (GB 13) – Ein Vergleich, in 5000 Jahre Feuersteinbergbau – Die Suche nach dem Stahl der Steinzeit, Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum, Nr 22, Bochum, 1980, S. 122
  10. P. J. Felder, Feuersteinbergbau in Ryckholt-St. Geertruid (NL 1) und Grime´s Gaves (GB 13) – Ein Vergleich, in 5000 Jahre Feuersteinbergbau – Die Suche nach dem Stahl der Steinzeit, Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum, Nr 22, Bochum, 1980, S. 121
  11. Arora, 1995, S. 274