Maasschotterfeuerstein

Gliederung

Beschreibung/Herkunft | Fotos Rohstücke | Verwendung im Neolithikum | Bergbau/Vorkommen | Paläolithikum/Mesolithikum | Fotos typischer Artefakte

Beschreibung/Herkunft

Unter den Begriff Maasschotterfeuerstein, auch Maasfeuerstein oder Schotterfeuerstein, fallen die Feuersteine, die in den Schottern der urzeitlichen Ostmaas enthalten sind. Nur die Urmaas enthält Schotterfeuerstein, sie bildet zusammen mit dem Rhein die ältere Hauptterrasse. Aus Richtung Aachen kommend, erstreckt sich das Bett der Urmaas unter  dem Gebiet von Mönchengladbach entlang Richtung Neuss – Krefeld. Dort ist die Vermischung mit den feuersteinfreien Rheinschottern schon so stark, dass der relative Feuersteingehalt rapide absinkt.. Ausführlicher → Geologie und Klima. Im Schotter ist ein Konvolut von Feuersteinen all jener Vorkommen enthalten, die vom Strom oder seinen Nebenflüssen erodiert wurden. Dabei können auch Feuersteine aus Lagen vorkommen, die heute nicht mehr primär anstehen.

Die Schotterfeuersteine können meist nur über ihre verrollte Rinde sicher als Schotter angesprochen werden.  Oft findet sich direkt unter der Rinde ein durch Metalleinlagerungen braun oder schwarz gefärbter Bereich, der in der Regel zwischen 1 und 3 mm breit ist. Fehlt die Rinde, sind sie nicht immer eindeutig von Feuersteinen aus primärer Lagerstätte zu unterscheiden. Durch den Flusstransport wurde die weiche Kreiderinde häufig stark verrundet oder komplett abgetragen. Ecken und Kanten der Feuersteine sind oft besonders stark bestoßen. Die Bestoßungen beim Flusstransport führen auch häufig zu Sprungflächen im Gestein, die patiniert sein können. Diese patinierten natürlichen Spaltflächen sind typisch für  Schotterfeuersteine.

Neben der mechanischen Aufarbeitung wirken auch andere Einflüsse auf den Feuerstein ein. Maasschotterfeuerstein kommt in verschiedenen Farbtönen vor. Typisch sind hellgrau bis gelblich-braune Farbtöne, die durch chemische Einflüsse entstanden sind, daneben kommen auch schwarz bis schwarzgraue Feuersteine vor.1

Zu den Maasablagerungen → D. Edelman, De Maas, PDF, 2007

Fotos Rohstücke

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Maasschotter aus Kiesgrube

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Rindenreste und Zerrüttungen

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In Vertiefung erhaltene Kalkrindenreste

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Glänzende, patinierte Schotterrinde

Verwendung im Neolithikum

Im gesamten Neolithikum wurde Maasschotterflint am linken Niederrhein verwendet. Im Spät- und Endneolithikum war die Versorgung mit bergmännisch gewonnenem Feuerstein schlechter, dementsprechend wurde der Schotterfeuerstein stärker genutzt.

Bergbau/Vorkommen

Anders als Maaseier ist Maasschotterfeuerstein in der jüngeren Hauptterrasse nicht enthalten. Diese bedeckt jedoch in einer Mächtigkeit von etwa 12 bis 18 Metern die Maasschotter. Somit war der Maasschotterfeuerstein für die Menschen der Steinzeit nicht generell verfügbar. Lediglich besondere geologische Situationen gaben den Feuerstein frei.

Maasschotterfeuerstein ist an verschiedenen Aufschlüssen verfügbar. Überall dort, wo durch tektonische Brüche und die damit verbundene Kippung der Schollen die ältere Hauptterrasse der Maas nicht von der jüngeren Hauptterrasse überlagert ist, konnte der Feuerstein gesammelt werden. Paradebeispiel für eine solche Situation ist die Rurrandverwerfung zwischen Baal und Jülich. Auch das tief eingeschnittene Wurmtal reicht bis auf die ältere Hauptterrasse hinunter, sodass dort die Schotterfeuersteine zu Tage treten.

Verwendung im Paläolithikum/Mesolithikum

Die von Willy Schol bei Rurich, Kreis Heinsberg entdeckten Fundstellen lieferten zahlreiche Artefakte des Mittelpaläolithikums, auch eine jungpaläolithische Fundstelle findet sich in dem Bereich, wo die Maasschotter zu Tage treten. Sowohl im Paläolithikum als auch im Mesolithikum waren die Maasschotterfeuersteine am Niederrhein die wichtigste Rohmaterialquelle. Die Magdalenien Fundstelle Gadenstedt bei Peine ist der bisher nordöstlichste Nachweis von Maasschotterfeuerstein.2

Fotos typischer Artefakte

Große Spitze aus Schotterfeuerstein

Große Spitze aus Schotterfeuerstein

  1. Jür­gen Wei­ner, Die Maas­schot­ter der Nie­der­rhei­ni­schen Bucht als Feu­er­stein­lie­fe­rant für die Band­ke­ra­mi­schen Sied­lungs­plätze Lang­wei­ler 8 und Lang­wei­ler 9, in: Stu­dien zur neo­li­thi­schen Besied­lung der Alden­ho­fe­ner Platte und ihrer Umge­bung, Rhei­ni­sche Aus­gra­bun­gen, Band 43, Köln, 1997, S. 611
  2. Stefan Veil, Das Rohmaterial der Steinwerkzeuge aus urgeschichtlicher Zeit in Niedersachsen – Lagerstätten und Import, in Floss (Hrsg.) Steinartefakte vom Altpaläolithikum bis in die Neuzeit, Tübingen 2012, Kerns Verlag, S. 38