Hämatit

Diverse Farbsteine

Diverse Farbsteine

Beschreibung

Hämatit ist chemisch gesehen eine natürlich vorkommende Modifikation von  Eisen(III)oxid.1 Es kann als trigonaler Kristall oder massiges, traubiges und radialstrahliges Aggregat von grauer, schwarzer oder rotbrauner Farbe vorkommen. Hämatit ist normalerweise undurchsichtig und nur in sehr dünnen Blättchen rötlich durchscheinend. Nach einiger Zeit läuft er buntfarbig an und wird durch Verwitterung rot. Die Strichfarbe ist meist ein charakteristisches Blutrot – von ihr und vom blutrot gefärbten Schleifwasser beim Bearbeiten leitet sich der Name Blutstein ab.2 Andere Namen sind Rötel, Roteisenerz, Eisenmennige, Rotocker und viele andere.3

Detail

Detail

Vorkommen

Hämatit kommt weltweit häufig vor, sogar auf dem Mars. Er kann in sedimentären Lagerstätten und als Gangmineral auftreten.4 Wie auch Pyrit ist Hämatit u.a. ein Begleiter der Braunkohleablagerungen der Rheinischen Bucht. Auch aus der Eifel wurde Hämatit durch Flüsse wie die Rur in die Randzone der Niederrheinischen Bucht transportiert. Im Bereich nördlich von Nideggen kann er oberflächlich abgesammelt werden.

Oberflächenaufsammlung

Oberflächenaufsammlung

Nutzung

Die älteste nachgewiesene Nutzung fällt in das Mittelpaläolithikum. Hämatit wurde neben anderen Farbsteinen als Farblieferant genutzt. Überliefert sind „Schminkstifte“ und ein „Malkasten„, allerdings sind keine bemalten Gegenstände bekannt geworden, deshalb wird Körperbemalung angenommen. Aus dem niederländischen Maastricht-Belvédère ist Hämatitpulver belegt, welches auf 250.000 Jahre datiert wird.5 Anscheinend wurde es zu einer flüssigen Farbe angerührt.6 Grabbeigaben in Form von Hämatitstücken in Bestattungen der Neandertaler sind umstritten, diesbezügliche Angaben können selten überprüft werden, da es sich um alte, schlecht dokumentierte Grabungen handelt.7 Aus der Blomboshöhle, Südafrika, stammen zwei Hämatitstücke mit Ritzungen, sie werden auf etwa 75.000 Jahre BC datiert, → Foto.

Im Mittelpaläolithikum wurde das Farbpulver überwiegend durch Abschaben gewonnen, seit dem Jungpaläolithikum meist durch Abschleifen.8 Als Reibplatten dienten flache, rauhe Gesteine, im Neolithikum oft Mahlsteinbruchstücke.

Rötel wurde schon vor 40.000 Jahren in Südafrika bergmännisch abgebaut, in Europa vor 20.000 Jahren.9

Ab dem Jungpaläolithikum wurden Hämatitbrocken oder pulverisierter Hämatit häufig als Farbe genutzt, die Höhlenmalereien wurden u.a. mit Hämatit gefertigt.10 Der magdalénienzeitliche Fundplatz Andernach ergab bei Konzentration IV 127 Hämatitstücke mit einem Gesamtgewicht von 440 Gramm, Reste von Bodenverfärbungen belegen den intensiven Gebrauch; die Konzentration III von Gönnersdorf erbrachte 345 Gramm Hämatit.11 Neben einer symbolischen Bedeutung wird auch ein praktischer Nutzen angenommen, beispielsweise Körperbemalung, Schleifmittel bei der Fellbearbeitung, Gerbstoff, Insektenschutz, Konservierungsmittel, Magerung von Klebemitteln, evtl Wundheilmittel.12Weiterhin sind Hämatitbrocken oder pulverisierter Hämatit in Gräbern sicher und häufig nachgewiesen. 13

Rot= Hämatit brocken und -pulver, nach Klima

Rot= Hämatitbrocken und -pulver

↑ nach Klima14

Jungpaläolithische Kleinkunst weist gelegentlich ebenfalls Farbreste auf, beispielsweise die Venus von Willendorf.15 In Predmost fanden sich hunderte von Mammutstoßzähnen und Knochen, die teilweise mit Hämatit eingefärbt waren. Die Venusfigur von Ostrava Petrkovice besteht ganz aus Hämatit.16

Frauenstatuette aus Hämatit, nach B. Klima

Frauenstatuette aus Hämatit, nach B. Klima

Auch im Spätpaläolithikum und Mesolithikum wurde Hämatit bei Bestattungen eingesetzt. Ein berühmtes Beispiel ist das Doppelgrab von Oberkassel.17 Aus dem Mesolithikum stammt ein besonders reich ausgestattetes Grab. Eine Frau wurde zusammen mit einem Kleinkind mit reichhaltigen Beigaben bestattet. Die Grube war 30 cm hoch mit Rötel (Hämatit) gefüllt.18

In der Bandkeramik wurde Hämatit neben anderen Farbsteinen als Grabbeigabe verwendet.19, auch wurden Grabgruben teilweise mit Hämatitpulver eingefärbt.20 Wahrscheinlich wurden Farbsteine auch zur Körperbemalung genutzt.21 Nach Almut Bick färbten sich die Frauen die Haare mit Hämatit.22 Hämatitpulver wurde auch zur Magerung von Keramik,23 sowie zur Bemalung von Tongefäßen genutzt, eine Scherbe als „Malpalette“ gibt einen Einblick in die Maltechnik.

Auch im Mittelneolithikum sind Farbsteine weiterhin ein wichtiges Gut.24 Aus der bulgarischen Warna-Kultur25 etwa 4400-4100 Jahre BC, sind Gräber mit Ockerschichten belegt.26

Grab 43 mit Ockerschicht und 990 Goldobjekten, nach Yelkrokoyade

Grab 43 mit Ockerschicht und 990 Goldobjekten, nach Yelkrokoyade

Auch andere Kulturen nutzten den Farbstoff zur Bemalung von Gegenständen. Weitere Nachweise:  Mauern auf den Orkney-Inseln; Lengyelkeramik (Niederösterreich), PDF.

Neolithischer Hämatitbergbau

G. Goldenberg/H. Sleuer, Montanarchäologische Forschungen im Südschwarzwald

  1. PDF Hematite (engl)
  2. Wikipedia/Hämatit
  3. A. Siegel/H. Wunderlich, Das Rot der ersten Siedler
  4. Wikipedia/Hämatit/Bildung und Fundorte
  5. Neandertaler nutzten rote Farbe schon vor 250.000 Jahren – Gemahlene Mineralreste belegen gezielten Import von Farbstoff
  6. M. Stang,  Blutsteine der Neandertaler
  7. M. Bolus/R. W. Schmitz, Der Nean­der­ta­ler, Ost­fil­dern, 2006, S. 135
  8. Lutz Fiedler/ G. und W. Rosendahl, Altsteinzeit von A bis Z, Publikationen der Reiss-Engelhorn-Museen, Band 44, WBG, Darmstadt, 2011, S. 147f
  9. Gerd Weissgerber, Aus religiösen Motiven wurde der Mensch zum Bergmann, in Bergknappe 106, 1/2005, PDF, S. 2
  10. Wikipedia/Frankokantabrische Höhlenkunst, PDF: Anorganische Pigmente
  11. Holz­käm­per, Jörg (2006) Die Kon­zen­tra­tion IV des Mag­dalé­nien von Andernach-Martinsberg, Gra­bung 1994–1996. Dis­ser­ta­tion, Uni­ver­si­tät zu Köln, S. 89f, PDF
  12. Jörg Holzkämper, 2006, S. 86f, mit weiteren Nachweisen
  13. M. Bolus/R. W. Schmitz, Der Nean­der­ta­ler, Ost­fil­dern, 2006, S. 135
  14. Das jungpaläolithische Massengrab von Dolni Vestonice, in Quartär, 1987/02
  15. Wikipedia/Venus von Willendorf
  16. Kurztext
  17. M. Street, Ein Wiedersehen mit dem Hund von Oberkassel,  in Bonner zoologische Beiträge, Band 50, 2002, S. 271, PDF
  18. Mittelsteinzeit
  19. G. Schwitalla, Die Vorgeschichte der Wetterau, PDF, S. 7
  20. Eric Biermann, Alt- und Mittelneolithikum in Mitteleuropa – Untersuchungen zur Verbreitung verschiedener Artefakt- und Materialgruppen und zu Hinweisen auf regionale Tradierungen, 2003, PDF, S. 248
  21. L. Fiedler, Jungsteinzeit – Bandkeramische Kultur in Hessen, PDF, Biermann, 2003, S. 248
  22. A. Bick, Die Steinzeit-EU, Bild der Wissenschaft
  23. Biermann, 2003, S. 248
  24. Biermann, 2003, S. 248
  25. Wikipedia/Warna-Kultur
  26. Wikipedia/ Gräberfeld von Warna