Grand Pressigny Feuerstein

neolithikum

Gliederung

Beschreibung/Herkunft | Fotos Rohstücke | Verwendung Neolithikum | Bergbau/Vorkommen | Verwendung Paläolithikum/Mesolithikum | Fotos typischer Artefakte

Beschreibung/Herkunft

Der Feuerstein von Grand Pressigny, franz. silex de grand pressigny, entstammt dem Turonium, einer älteren Schicht der Oberkreide. → Karte. Er steht in relativ dicken Bänken an. Die einzelnen Knollen können bei einer Stärke von etwa 30 cm eine Länge von über einem Meter haben. Er ist meist von brauner Farbe, das Spektrum geht von sehr hellbeige bis zu braungrauen Farbtönen. Parallel zur Rinde können Zonen von bläulicher Färbung auftreten. Diese weisen oft rote bis violette Punkte oder Schlieren auf.  Eine Besonderheit sind zahlreiche eingelagerte Quarzkörner, die besonders bei frisch angeschlagenem Material als „Zuckerglanz“ sichtbar werden.

Fotos Rohstücke

Rindenpartie

Rindenpartie

Typische Färbung

Typische Färbung

Farbvarianten

Farbvarianten

Verwendung im Neolithikum

In Deutschland tritt der Grand Pressigny Feuerstein erst gegen Ende des Neolithikums als Importware auf. Von besonders präparierten Kernsteinen wurden lange Klingen gewonnen. Die an französische Butterformen erinnernden Livres de Beurres wurden durch seitliche Abschläge aufwendig in Form gebracht. Anschließend wurde an der Schlagfläche der Schlagpunkt freipräpariert.  Dieser wurde für jede Klinge erneut freigestellt. Durch diese spezielle Technik konnten sehr gleichmäßige Klingen gewonnen werden. Diese wurden zu Spandolchen, mit und ohne Schliff weiterverarbeitet. Die Spandolche sind typisch für die Glockenbecher Kultur. → Artikel: Livres de Beurre

In der Gegend von Grand Pressigny wurden mehrfach große Klingendepots gefunden. In „Les Ayez“ wurde ein Hort mit 122 Klingen gefunden, in „La Creusette“ 133 Klingen zusammen mit zwei Kernen, einem Beil und einem Livre de Beurre.1

Bergbau

Der Feuerstein steht leicht erreichbar im Kalk an. Dennoch wurde er nicht aus primären Lagerstätten gewonnen. Statt dessen wurden Residuallagerstätten im Pingenbau ausgebeutet. Auffallend ist, dass ausschließlich auf ebenen Hochflächen und nur sanft abfallenden Hängen Pingen angelegt wurden. Nur so konnte erstklassiges Material gefördert werden, das kaum verlagert und dadurch nicht erosionsgeschädigt war.

Verwendung im Paläolithikum/Mesolithikum

In Frankreich wurde bereits im Mittelpaläolithikum Grand Pressigny Feuerstein intensiv genutzt.  Zahlreiche Schaber von der Abri-Fundstelle in → Reignoux à Abilly im Dept. Indre-et-Loire belegen dies.

steinzeit

Schaber, Mittelpaläolithikum

Fotos typischer Artefakte

Livre de Beurre (Klingenkern)

Livre de Beurre (Klingenkern)

Livre de Beurre, Abbaufläche

Livre de Beurre, Abbaufläche

neolithikum

neolithikum

→Livre de Beure I Fundbeschreibung

→Livres de Beurre Abbauschema

→Linksammlung zu Grand Pressingy Feuerstein (Texte französisch)

 

  1. M. Geslin/G. Bastien/N. Mallet, Das Klingendepot von La Creusette, Gem. Barrou, Dép. Indre & Loire, in 5000 Jahre Feuersteinbergbau, Die Suche nach dem Stahl der Steinzeit, Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum, Nr 22, Bochum, 1980, S. 289