Bergkristall

Bergkristall, Quelle Wikipedia, Bildautor Didier Descouens

Bergkristall, nach Wikipedia – Didier Descouens

 

Gliederung

Beschreibung/Herkunft | Nutzung | Bergbau | Artefakte

Beschreibung/Herkunft

Bergkristall ist farbloser, transparenter Quarz. Er besteht aus Siliziumdioxid, hat eine Moshärte von 7 und einen muscheligen Bruch.1 Bergkristall kommt weltweit vor, in Deutschland liegen die wichtigsten primären Vorkommen in den Alpen und im Fichtelgebirge.2 Bergkristall kann auch in den Rheinschottern auftreten, insofern ist bei Kristallartefakten nicht zwangsläufig ein Bezug zum alpinen Raum als Rohstoffquelle gegeben.

Bergkristall lässt sich gut an seiner Transparenz und Form erkennen. Bruchstücke ähneln farblosem Glas, sind aber härter und können, wie Diamanten, Glas ritzen.

Nutzung

Bergkristall war vermutlich auf Grund seiner Transparenz während der gesamten Steinzeit beliebt, sei es als Sammelobjekt oder Rohstoff für Werkzeuge. Die optischen Vorzüge überwogen wohl die schlechten Materialeigenschaften. Vermutlich führte diese Wertschätzung auch zu einem lokalen Tauschhandel, der sich in der Nähe der Vorkommen belegen lässt.

Früheste Nachweise der Nutzung von Bergkristall stammen aus dem Mittelpaläolithikum. Ein Beispiel ist ein Faustkeilblatt aus Bergkristall, Schicht 7a der Kulna-Höhle, Südmähren.3

Die Kulna- Höhle lieferte ebenfalls Nachweise für die Verwendung von Bergkristall für das Jung- und Spätpaläolithikum.4

Die von Hauser als Opferstätte bezeichnete Fundstelle Laugerie-Haute lieferte neben Schmuckanhängern, Stein- und Kochenwerkzeugen und Ockerstücken auch Bergkristalle.

Desweiteren tauchen immer wieder Artefakte aus dem Mesolithikum auf. Auch in dieser Zeit ist die Verwendung sporadisch, eine deutliche Ausnahme macht der Fundort Jochtal am Alpenhauptkamm. In unmittelbarer Nähe zu einem Vorkommen gelegen, macht dort Bergkristall über 50% des Inventars aus.5

Am Eingang zum Rofental befindet sich ein Fundplatz des Spätmesolithikums, an dem auch Bergkristall aus den Zillertaler Alpen verarbeitet wurde, weitere Fundplätze liegen am Südufer des Riefelsees im Pilztal.6

Bergbau

Untersuchungen zum prähistorischen Abbau von Bergkristall führten in die an Quarzklüften reiche Region der Tuxer- und Zillertaleralpen. Am Südfuß des Olperers öffnen sich im Bereich des Riepenkars in 2800 m SH mehrere große Quarzklüfte, die schon von den postglazialen Jägern prospektiert wurden. Form, Transparenz und der Glitzereffekt machen diese Kristalle zu begehrten Materialien. Dabei kommt dem Riepenkar hinsichtlich seiner geografischen Position zwischen dem Zillertal und dem Pfitscher- bzw. Eisacktal möglicherweise eine Schlüsselrolle zu. Aus diesen Tälern kennt man mehrere mittelsteinzeitliche Fundstellen, die Bergkristallartefakte liefern.7

Video: Urgeschichtlicher Silex- und Bergkristallbergbau in den Alpen

Die großen Abbaustellen befinden sich nördlich und südlich des Alpenbogens, jedoch konnte durch montanarchäologische Untersuchungen die Gewinnung dieser Rohstoffe auch in den inneralpinen Regionen Westösterreichs nachgewiesen werden.8

Artefakte

Mikrolithen aus Bergkristall, nach Wikipedia Commons Rama

Mikrolithen aus Bergkristall, nach Wikipedia Commons Rama

Kern aus Bergkristall, Steinzeit

Kern aus Bergkristall © Manfred Stolper jun.

Lateralretusche © Manfred Stolper jun.

Lateralretusche © Manfred Stolper jun.

 

  1. Wikipedia/Quarz
  2. Natur-Lexikon/Bergkristall
  3. Karel Valoch, Paläo­li­thi­sche Archäo­lo­gie in der ehe­ma­li­gen Tsche­cho­slo­wa­kei und ihr Bei­trag zur mit­tel­eu­ro­päi­schen For­schung, in Mit­tei­lun­gen der Gesell­schaft für Urge­schichte, 19/2010, PDF, S. 71 ff/84: Abbil­dung 6
  4. Karel Valoch, Josef Pelisek, Rudolf Musil, Jiri Kovanda, Emanuel Opravil, Die Erforschung der Kulna-Höhle bei Sloup im Mährischen Kast (Tschechoslowakei), PDF
  5. Kurzartikel Geräte aus Bergkristall – eine seltene Ausnahme
  6. Wikipedia/… Fundstellen in Tirol
  7. Walter Leitner, Spuren zum ältesten Abbau von Silex und Bergkristall in den Alpen, Internationales ÖGUF-Symposium Hallstatt 2008 – Exzerpte, PDF, S. 3
  8. Vortragsankündigung, Prof. Dr Walter Leitner, Prähistorische Feuerstein- und Bergkristallgewinnung in Tirol und Vorarlberg