Amphibolit

Gliederung

Beschreibung / Herkunft | Fotos Rohstücke | Verwendung im Neolithikum | Bergbau / Vorkommen | Verwendung im Paläolithikum / Mesolithikum | Fotos typischer Artefakte

 

Beschreibung/Herkunft

Amphibolit, früher Grünschiefer, kurz AHS oder genauer Aktinolith-Hornblendeschiefer genannt, kommt in Mitteleuropa selten vor. Es handelt sich um ein zähes Felsgestein. Die Farbe von Amphibolit variiert mit dem Mineralbestand, häufig sind jedoch Töne von schwarz über grau bis dunkelgrün oder, bei hohem Plagioklasanteil, schwarz-weiß gemustert.1 Seit 2002 ist ein Vorkommen bei Jistebsko, Kataster Jablonec nad Nisou, Tschechien, bekannt.2 Weitere Untersuchungen des Gebietes ergaben Abbaubereiche mit einer Gesamtfläche von 160 Hektar.3 In Deutschland kommt Amphibolit im Sächsischen Erzgebirge, im Fichtelgebirge und im Schwarzwald vor.4 Dabei handelt es sich jedoch nicht um Lagerstätten, die in der Steinzeit genutzt wurden.5 Untersuchungen von 350 bandkeramischen Dechselklingen aus 10 deutschen Siedlungskammern ergaben ein eindeutiges Ergebnis. Zwar ähneln sich die Vorkommen im Fichtelgebirge und die von Jistebsko, dennoch gibt es Unterschiede. So konnten die untersuchten Stücke größtenteils nur aus Jistebsko stammen.6 Damit ist eine Verbreitung von bis zu 600 km Entfernung von der Lagerstätte nachgewiesen. In der Wetterau wurde vorwiegend lokaler Amphibolit aus dem Spessart verwendet.7

Fotos Rohstücke

Bruchfläche

Bruchfläche

Schlifffläche

Schlifffläche

Verwendung im Neolithikum

Amphibolit ist das klassische Material der alt- und mittelneolithischen Dechselklingen. „Nach Ausweis petrografischer und geochemischer Untersuchungen an Dechselklingen wurde das Rohmaterial bereits in der ältesten Linienbandkeramik verwendet und findet sich in bislang allen untersuchten bandkeramischen Siedlungsräumen wieder. Ebenso wurde auch im Mittelneolithikum eine Vielzahl der geschliffenen Steingeräte aus Aktinolith-Hornblende-Schiefer gearbeitet.“8

Bergbau/Vorkommen

Das einzig bekannte Abbaugebiet liegt, wie oben beschrieben bei Jistebsko. Grafik. Dort wurde im Pingenbau das Vorkommen ausgebeutet. Noch heute sind bis zu 4 Meter tiefe Pingen mit einem Durchmesser von bis zu 15 Metern zu erkennen.9 Es ist nicht auszuschließen, dass ausgewitterter Amphibolit abgesammelt wurde.10

Verwendung im Paläolithikum/Mesolithikum

Amphibolit wurde vorwiegend im Neolithikum genutzt.

Fotos typischer Artefakte

Breit-flache Dechselklinge

Breit-flache Dechselklinge

Schmal-hohe Dechselklinge

Schmal-hohe Dechselklinge

  1. Wikipedia/Amphibolit
  2. J. Prostrednik/B. Ramminger/P. Sida, Dechselklingen aus Jistebsko, in Archäologie in Deutschland, 4/2011, S. 54
  3. Universität Hamburg, Archäologische Untersuchungen am neolithischen Felsgesteinabbauplatz Jistebsko, Kataster Jablonec nad Nisou, Tschechische Republik und sein regionales Siedlungsumfeld im mittleren Isertal
  4. Wikipedia/Amphibolit
  5. Prof. U. Schüßler, Mineralogische und chemische Zusammensetzung neolithischer Steinwerkzeuge aus Amphibolit und Herkunft des Rohmaterials
  6. A.- M. Christensen, P. M. Holm, U. Schuessler, J. Petrasch: Indications of a major Neolithic trade route? An archaeometric geochemical and Sr, Pb isotope study onamphibolitic raw material from present day Europe, in Applied Geochemistry 21/2006, S. 1653, PDF
  7. U. Schüßler, Mineralogische und chemische Zusammensetzung neolithischer Steinwerkzeuge aus Amphibolit und Herkunft des Rohmaterials, Homepage
  8. Universität Hamburg, s.o.
  9. J. Prostrednik/B. Ramminger/P. Sida, 2011, S. 54
  10. J. Prostrednik/B. Ramminger/P. Sida, 2011, S. 54