Raubgrabungen

Eine Raubgrabung ist das Ausgraben von archäologisch bedeutsamen Gegenständen unter Missachtung der geltenden gesetzlichen Bestimmungen.1 Wegen des Fundaufkommens sind insbesondere Wallanlagen, Gräberfelder, Kultstätten, Schlachtfelder und Siedlungsplätze der Vor- und Frühgeschichte, des Mittelalters und der Neuzeit Ziele der Raubgräber.2

Raubgrabung

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Folgen

„Zahllose Raubgrabungen an archäologischen Stätten … in aller Welt bedrohen das gemeinsame kulturelle Erbe der Menschheit. Unwiederbringliche kulturelle Hinterlassenschaften, die allen Menschen gemeinsam gehören, werden aus ihrem Zusammenhang gerissen und der Kontext zerstört, um einige wenige kostbare Objekte daraus in Privatbesitz zu verbringen, die dann in unzugänglichen Sammlungen und Tresoren verschwinden, zur persönlichen Freude, Prunksucht und Eitelkeit weniger.“3

„Bei jeder professionellen Ausgrabung wird „der Befund” – also die Umgebung des Objekts und sein Zusammenhang mit dem Umfeld – sorgfältig beobachtet, fotografiert, gezeichnet und beschrieben. …  Daraus können Schlüsse über typische Fundensembles gezogen werden, die Frage von „älter, gleichzeitig oder jünger“ geklärt werden, Aussagen über funktionale Zusammenhänge von Objekten gemacht werden. Raubgräber reißen einzelne Stücke aus ihrem Zusammenhang, dokumentieren nicht und lassen eine Ruine zurück.“4

„Die Bodendenkmäler haben somit einen hohen Stellenwert: gerade für die schriftlose Zeit sind sie die einzigen Zeugnisse unserer Geschichte, so dass die Denkmäler zu bedeutsamen Bodenarchiven mit hohem wissenschaftlichen Wert werden. Nur ein einwandfrei dokumentierter Eingriff in ein solches Bodenarchiv garantiert dessen exakte Aufschlüsselung. Die Raubgräber sind in der Regel nicht Willens oder häufig nicht in der Lage, die zur Erkenntnis archäologischer Zusammenhänge wesentlichen Fundumstände zu ermitteln oder gar zu dokumentieren. … Ohne exakte Befund- bzw. ausreichende Fundaufnahme stellt das geborgene Kulturgut lediglich noch einen Einzel- oder Hortfund, nebst seinem kunsthistorisch-typologisch-antiquarischen Wert dar. Also trägt jeder Raubgräber mit seinem Eingriff in die Bodenbefunde eigenverantwortlich sehr zu der Zerstörung des Fensters bei, so wie ein Straftäter dem Kriminalisten durch Spurenbeseitigung/-verwischung die Aufklärung der Tat erschwert oder gar unmöglich macht.“5

„Die durch Raubgrabungen unterschlagenen Fundstücke wandern in private Sammlungen oder werden auf dem Kunstmarkt verkauft. Die Erkenntnisse, die aus den Funden selbst und aus den Fundzusammenhängen (Lage der Objekte zueinander, Bodenschichten etc.) gewonnen werden könnten, gehen der Wissenschaft und damit der Bevölkerung für immer verloren.“6

„Funde werden der Allgemeinheit entzogen; Funde werden unsachgemäß geborgen und unprofessionell konserviert und gelagert, dadurch sind sie oft schon wenige Jahre später schwer beschädigt oder zerstört; Funde werden aus ihrem Zusammenhang gerissen, dadurch ist es zum Teil unmöglich, ihre Bedeutung zu rekonstruieren; Fundorte und Zusammenhänge werden geschädigt, die Geschichte dadurch manchmal verfälscht.“7

„Der Raubgräber entwendet am Tatort nicht nur Gegenstände, er zerstört auch Spuren und Fundzusammenhänge, die zur historischen Einordnung unbedingt nötig sind. Für eine wissenschaftliche Auswertung sind sie somit weitgehend unbrauchbar. Außerdem bleiben die Funde der Allgemeinheit und dem Eigentümer des betroffenen Grundstückes vorenthalten. Raubgrabungen sind daher keine Kavaliersdelikte, sie stehen dem öffentlichen Interesse aller Mitbürgerinnen und Mitbürger entgegen.“8

„In absehbarer Zeit wird nur noch in sehr begrenztem Umfang ungestörtes archäologisches Material vorhanden sein. Es steht daher zu befürchten, dass der gegenwärtige Zeitabschnitt von unseren Nachfahren einmal als Zeitalter des archäologischen Vandalismus bezeichnet wird.“9

Strafbarkeit

Raubgräber verstoßen gegen gesetzliche Bestimmungen aus dem Zivilrecht, Strafrecht und Denkmalschutzrecht. Zivilrechtlich wird der Grundstückseigentümer Miteigentümer der Funde nach § 984 BGB. Wird der Grundstückseigentümer nicht durch Fundteilung oder eine entsprechende Entschädigung befriedigt, handelt es sich um eine Unterschlagung nach § 246 StGB. In den meisten Bundesländern existieren sogenannte Schatzregale; diese sprechen das Eigentum an Funden dem entsprechenden Bundesland zu. Hier greift § 246 BGB ebenfalls, darüberhinaus können die Tatbestände des § 242 StGB Diebstahl und des § 304 StGB Gemeinschädliche Sachbeschädigung erfüllt sein. Nach den Bodendenkmalschutzgesetzen der Länder ist das Graben im ungestörten Boden entweder per se verboten oder muss im Falle von zufälligen Funden sofort eingestellt werden. Raubgräber verstoßen bei ihren Grabungen also auch gegen das Bodendenkmalschutzgesetz. Verstöße können mit Geldstrafen bis zu 250.000 Euro geahndet werden.10

Beispiel

Die Raubgrabung Abri I am Schulerloch ist ein Paradebeispiel für die Plünderung einer bis dato unberührten Fundstelle des Mittelpaläolithikums und verdeutlicht die hohe kriminelle Energie dieser Tat.

Links

Roland Berger, Kriminalkommissar: Raubgräber – Diebe mit Schaufel und Metalldetektor, Ein Phänomen, das mehr Aufmerksamkeit verdient, Denkmalpflege Informationen des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege Juli 2010, S. 11-13, PDF

DGUF, AK Kulturgutschutz, Raubgräber, Schatzsucher und illegale Sondengänger – Die leichtfertige Vernichtung unserer Vergangenheit, August 2012, PDF

Faltblatt Raubgrabungen- kein Kavaliersdelikt, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Archäologie und Paläontologie, 2005, PDF

Eckhard Laufer, Raubgräberei – ein Kavaliersdelikt ? –  Usingen-Merzhausen,  Juli 2000, Onlineartikel Archäologie Krefeld, PDF

Prof. Dr. Jürgen Kunow, Leiter des Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland, Tatort …: Vom illegalen Umgang mit archäologischem Kulturgut, in Thema Raubgrabungen, AiD 6/2007, S. 18-21, PDF

  1. Roland Berger, Kriminalkommissar: Raubgräber – Diebe mit Schaufel und Metalldetektor – Ein Phänomen, das mehr Aufmerksamkeit verdient, Denkmalpflege Informationen des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege Juli 2010, S. 11, PDF, ähnlich Eckhard Laufer, Raubgräberei – ein Kavaliersdelikt ? – Usingen-Merzhausen, Juli 2000, Onlineartikel Archäologie Krefeld, S. 1, PDF
  2. Eckhard Laufer, 2000, S. 4
  3. DGUF, Der Arbeitskreis „Kulturgüterschutz“, Onlineartikel
  4. DGUF, AK Kulturgutschutz, Raubgräber, Schatzsucher und illegale Sondengänger – Die leichtfertige Vernichtung unserer Vergangenheit, August 2012, PDF, S. 2
  5. Eckhard Laufer, 2000, S. 6f
  6. Roland Berger 2010, S.11
  7. DGUF, AK Kulturgutschutz, 2012, S. 1
  8. Faltblatt Raubgrabungen- kein Kavaliersdelikt, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Archäologie und Paläontologie, 2005, S. 2, PDF
  9. Frank Fechner, anlässlich einer Podiumsdiskussion der 23. Mitgliederversammlung des Deutschen Archäologischen Verbandes 1993 in Münster/Westfalen
  10. Beispiele: Denkmalschutzgesetz NRW, § 41 Abs. 2; Denkmalschutzgesetz Bayern Art. 23 Abs. 2