Prunkbeilklinge Hiddenhausen

Die Prunkbeilklinge von Hiddenhausen-Bermbeck, Kreis Herford

Prunkbeilklinge von Klaus Kasubke

Prunkbeilklinge von Klaus Kasubke

Die Beilklinge ist in 3m Tiefe in der Nähe des Flusses Werre  entdeckt  worden.  Es  handelt sich um eine 33,3 cm lange, 2 cm dicke Beilklinge aus grünem, grobkristallinem Jadeit , deren obere Hälfte gelb-bräunlich patiniert ist. Daraus kann geschlossen werden, dass die Prunkbeilklinge halb aus dem Boden ragte.

Die gelb-bräunliche Patinierung  nennt sich Redox-Patina, auch Feuchtboden- oder Sumpfpatina. Im feuchten Milieu, hier wohl gegeben durch Flussnähe, lagern sich Eisenoxyde an der Steinoberfläche an und dringen in das Gestein ein. Dadurch entsteht eine Verfärbung. Die Verfärbung befindet sich im Nackenbereich, also muss der Beilnacken in der Erde gesteckt haben, die Schneide war nach oben gerichtet.

Wäre die Beilklinge so wie bei Klassen et al beschrieben deponiert worden, so wäre logischerweise der Nacken grün und die Schneide gelb-braun.

Die Deponierung mit der Schneide nach oben ist auch die übliche, für nahezu alle in situ gefundenen Prunkbeilklingen geltende Regel.

Da die genauen Fundumstände nicht überliefert sind, kann letztlich kein Beweis geführt werden, jedoch ist die Deponierung wie üblich, mit der Schneide nach oben, wohl auch hier gegeben.

Untersuchungen des Gesteins ergaben eine Herkunft aus den Norditalienischen Westalpen, Monte Viso. Die Abbaugebiete in Oncino liegen in 1800 bis 2400 Meter Höhe.

Unter den etwa 1700 europäischen Prunkbeilklingen besitzen nur sehr wenige ausschweifende Schneidenenden. Diese ausschweifenden Schneidenenden imitieren frühe Kupferbeilklingen. Bei diesen kam es durch Hämmern bei der Fertigung zu solchen Ausbuchtungen der Schneide.1

Prunkbeilklingen finden sich erwartungsgemäß gehäuft in relativer Nähe zu den Gewinnungsplätzen. Darüber hinaus ist eine Häufung im Gebiet um Carnac, Morbihan an der Südküste der Bretagne festzustellen. Die alpinen Beilklingen wurden dort in aufwendiger Arbeit umgeschliffen. Aus dem Typ Rarogne wurde so der Typ Carnac. Die hier beschriebene Prunkbeilklinge wird Typ St. Michel genannt. In großen Grabhügeln, die in die Zeit zwischen 4600 bis 4400 BC datieren, wurden sie als Grabbeigaben dargebracht.

 Die hier beschriebene Prunkbeilklinge gelangte also nach ihrer Fertigstellung  in Norditalien über die Alpen bis in die Bretagne, 900 km Luftlinie, über Land sicher mindestens die 1,5fache Entfernung. Nach der Umarbeitung waren es wiederum 1000 km Luftlinie bis zum Auffindungsort.

Vermutlich gelangte die Prunkbeilklinge in Etappen über einige hundert Jahre hinweg dort hin. Es wird vermutet, dass die Beilklinge im späten 5. Jahrtausend BC dort ankam.

Aus  der gleichen Rohmaterialquelle stammen wohl sechs weitere Prunkbeilklingen. Die Fundorte sind Carnac, Bretagne, Burgund, England und Haibach und Soest, beides Deutschland. Lediglich das Haibacher Stück hat keine Beziehung zu Morbihan, die anderen sind wahrscheinlich ebenfalls dort umgeschliffen worden.

Aus: Lutz Klassen,  Pierre Pétrequin,  Michel Errera, Ein herausragendes neolithisches Jadebeil aus Hiddenhausen-Bermbeck, Kreis Herford, Regierungsbezirk Detmold, in Archäologie in Westfalen-Lippe, 2009, S. 177ff

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Wei­tere Fund­be­schrei­bun­gen von Beilklingen

Arti­kel­samm­lung zu Beile, Äxte & Co

  1. Albert Schmitz, Typologische, chronologische und paläometallurgische Untersuchungen zu den frühkupferzeitlichen Kupferflachbeilen und Kupfermeißeln in Alteuropa,2004, PDF, S. 538