Mittelneolithische Kerne

Sammlung Markus Leyens

© Markus Leyens

Die hier gezeigten Kerne stammen aus dem Rheinland und sind der Rössener Kultur zuzusprechen. Alle hier gezeigten Kerne sind Klingenkerne aus Rullen Feuerstein, die sekundär als Klopfstein verwendet wurden. Die Zahl der Grundformen und Werkzeuge aus Rullen Feuerstein ist im Verhältnis zur Anzahl der Kerne gering. Es stellt sich die Frage, ob die Kerne als abgearbeitete Restkerne in die Siedlungen gelangten, um als Klopfstein genutzt zu werden.

Im Folgenden werden einige Exemplare näher beschrieben:

Kern 1

Kern 1 Rullen

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Der Kern ist 69 mm lang, 50 mm breit und 38 mm stark; das Gewicht beträgt 152,3 Gramm. Der Kernfuß zeigt an den erhabenen Stellen deutliche Klopfspuren in Form von Zerrüttungen. Die Zerrüttungszonen sind relativ klein, das deutet auf eine nur kurzzeitige Nutzung als Klopfstein hin. Die Schlagfläche wurde nicht zum Klopfen genutzt.

Unten und oben

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Kern 2

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Dieser Kern ist 62 mm lang, 29 mm breit und 26 mm stark. Das Gewicht beträgt 50,8 Gramm. Schlagfläche und Kernfuß zeigen deutliche Zerrüttungen, der Kernfuß weist zusätzlich mehrere steckengebliebene Abhebungen auf. Oberflächlich betrachtet zeigt der Kern Merkmale eines ausgesplitterten Stückes; möglicherweise wurde er zeitweise auch tatsächlich so genutzt. Die feinen Zerrüttungen, die an der Spitze und seitlich davon zu erkennen sind, belegen die finale Nutzung als Klopfstein.

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Kern 3

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Dieser Kern ist 90 mm lang, 59 mm breit und 44 mm stark, sein Gewicht beträgt 277,4 Gramm. Auch hier zeigen Schlagfläche und Kernfuß Kolpfspuren. Der Kern weist zwei weitere interessante Merkmale auf.

In der Mehrseitenansicht ganz links ist eine Kernkante zu sehen. Es handelt sich dabei um eine „Reserve“ für den Fall, dass Störungen oder Schlagunfälle einen Wechsel der Abbaufläche nötig machen. In diesem Fall wurde sie nicht genutzt.

Ein weiteres, aufschlussreiches Detail ist ein steckengebliebenes Klingennegativ. Von der deutlichen Stufe aus ist ein weiteres Negativ abgetrennt worden. Ziel war die Entfernung der Kante, die einem weiteren Abbau an dieser Stelle im Wege stand. Dieser Abschlag konnte nur mit einem aufgesetzten Punch entfernt werden.

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Kern 4

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Dieser Kern ist 86 mm lang, 49 mm breit und 46 mm stark, sein Gewicht beträgt 218,5 Gramm. Auch hier ist eine ungenutzte Kernkante zu erkennen. Beide Pole sind sehr stark durch Zerrüttungszonen überprägt und regelrecht verrundet. Die Klopfspuren sind auffällig fein ausgeprägt und wirken wie überschliffen.

Sammlung Markus Leyens

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Diese Spuren können nicht beim Aufrauhen von Mahlsteinen entstehen, im diesem Fall wird es sich eher und quetschend-reibende Tätigkeiten gehandelt haben. Der Kern wurde dabei wie ein Mörserstößel genutzt, beispielsweise um Kräuter oder Früchte zu pürieren.

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