Landwirtschaft | Steinzeit & Co

Landwirtschaft

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Altneolithikum

Die Bandkeramiker führten die Getreidearten Einkorn und Emmer ein. Es handelte sich in beiden Fällen um Weizenarten. Anscheinend wurden beide Sorten in Mischkultur angebaut, da sie bis auf Einzelkörner immer zusammen gefunden werden. Typischer Begleiter ist eine Unkrautgesellschaft, Bromo lapsanetum praehistoricum genannt. Die Trespe ist eine Grasart. Ihre Samen erreichen in vielen Proben neben Einkorn und Emmer etwa ein Drittel der großkörnigen Grasfrüchte. Dies spricht dafür, dass die Trespe zu damaligen Zeiten nicht als Unkraut angesehen wurde. Anscheinend wurde die Trespe mit geerntet, verzehrt und wieder neu ausgesät. Anders ist ihr großer Anteil an den Getreidefunden nicht zu erklären. Demnach würde es sich um Mischkultur von Einkorn, Emmer und Trespe handeln.

Neben den kohlehydratreichen Getreiden brachten die Bandkeramiker auch eiweißreiches Saatgut mit: Erbse und Linse. Die Erbse wurde anscheinend der Linse vorgezogen. Der Anbau der Hülsenfrüchte wird in Nutzgärten in Hausnähe vermutet. Experimenteller Anbau von Hülsenfrüchten und Getreide in Mischkultur lieferte gute Ernteergebnisse, insofern müssen die Nutzgärten spekulativ bleiben, bis entsprechende Befunde Beweise liefern.

Zusätzlich zu den oben genannten Kulturpflanzen bauten die Bandkeramiker Lein an. Die Leinsamen dienten als Nahrungsmittel, dies ist durch Scherben mit Speiseresten aus Lamersdorf 2, Aldenhovener Platte, belegt. Tönerne Spinnwirtel aus Weissweiler 17, Aldenhovener Platte, belegen offenbar die Leinfasernutzung (Flachs), da zu dieser Zeit das Wollschaf vermutlich noch nicht gezüchtet wurde.

Mohn wurde ebenfalls angebaut, allerdings ist er in Fundkomplexen der ältesten Bandkeramik nicht vertreten. Er stammt auch nicht wie alle anderen Kulturpflanzen aus der Levante. Die Wildform des hier angebauten Mohns stammt aus dem westlichen Mittelmeergebiet. Offensichtlich ist er mit der La-Hoguette-Gruppe bis hierhin gelangt. Von hier aus verbreitete sich der Anbau weiter. Damit handelt es sich um die einzige Kulturpflanze, die nicht Bestandteil des neolithischen Paketes war.

Neben dem Kulturpflanzenanbau wurden offensichtlich die Waldrandgesellschaften gezielt gefördert, sie waren fester Nahrungsbestandteil. Die Waldrandgesellschaften sind die Gewächse, die sich in der Übergangszone vom Wald zur Rodungsfläche ansiedeln. Verkohlte Reste essbarer Früchte belegen häufig den Holzapfel, daneben sind Haselnuss, Schlehe, Hagebutte, Brombeere, Himbeere, Holunderbeere und Elsbeere nachweisbar.

Der Viehbestand umfasste Rind, Schaf und Ziege, sowie das Schwein. Dabei kam anscheinend dem Rind die größte, dem Schwein die geringste Bedeutung zu. Vermutlich stand beim Rind die Arbeitskraft im Vordergrund. Genutzt wurde anscheinend nur das Fleisch der Tiere, dies wird als primäre Nutzung bezeichnet. Ob die Milch von Muttertieren schon genutzt wurde, ist nicht sicher. Genetische Untersuchungen belegen, dass alle europäischen Hausrinder von etwa 80 wilden Auerochsen abstammen, die vor 10.500 Jahren im Nahen Osten domestiziert wurden.1

Mittelneolithikum

Das Mittelneolithikum führt neue Kulturpflanzen. Neben Einkorn, Emmer und Trespe treten nun die mehrzeilige Nacktgerste und Saatweizen auf. Teilweise dominiert die Gerste den Anbau. Hier kann auch ein separater Anbau der neuen, freidreschenden Getreidesorten angenommen werden, wobei die Gerste wohl als Sommergetreide angebaut wurde, die Einkorn- Emmer- Trespen-Mischkultur wurde vermutlich als Wintergetreide. Rössener Befunde belegen weiterhin die Erbse, die Linse hingegen fehlt. Für Bischheim ist die Linse gelegentlich nachweisbar. Lein fehlt bisher sowohl in Rössener als auch Bischheimer Befunden. Mohn ist für Bischheim belegt, für Rössen scheint eine Forschungslücke zu bestehen. Die Waldrandgesellschaften wurden anscheinend nicht mehr gefördert, lediglich die Haselnuss ist bei Rössen und Bischheim häufig nachgewiesen. Pollendiagramme legen den Schluss nahe, dass die Viehhaltung intensiviert wurde, eventuell spaltet sich hier die Landwirtschaft in Viehhaltung und Ackerbau. Gegen Ende des Mittelneolithikums erlangt der Weizen in Bischheimer Befunden eine größere Bedeutung. Der schon für Rössen nachgewiesene tetrapolide Weizen gewinnt an Bedeutung.

Jungneolithikum

Die archäobotanischen Befunde des Jungneolithikums sind sehr selten und oft wenig aussagekräftig. Das erschwert Aussagen über die landwirtschaftliche Nutzung der Landschaft. Die wichtigsten Michelsberger Kulturpflanzen sind weiterhin Einkorn und Emmer. Der tetrapolide Weizen, auch Hartweizen genannt, gewinnt an Bedeutung. Es handelt sich dabei um ein Getreide, dass aufgrund seines geringen Kleberanteils für Brote ungeeignet ist. Vermutlich wurde aus ihm Brei gekocht. Wegen der spärlichen Befunde kann kaum eine Aussage über die neolithische Unkrautgesellschaft getroffen werden, lediglich das Fehlen der Trespe deutet auf einen Wechsel im Anbau hin.

In Tschechien wurden die bisher ältesten Pflugspuren entdeckt, sie werden auf 3.500 bis 3.800 Jahre BC datiert. → Foto. → Artikel. Der bisher älteste deutsche Pflug ist lediglich etwa 4000 Jahre alt.2 → PDF.

Die rheinischen Pollenspektren deuten Änderungen in der Viehhaltung an. Entgegen der Erwartungen steigen die Pollenwerte der Linde; die dichten Lindenwälder sind aber viehwirtschaftlich kaum nutzbar. Anscheinend verloren Waldweide und Laubfütterung ihre Bedeutung. Wie das Vieh gehalten wurde, ist unklar, damit klafft eine Wissenslücke bezüglich der Bedeutung und Art der Viehhaltung. Relativ wahrscheinlich ist neben der primären Nutzung des Viehs auch die sekundäre, sprich Nutzung von Wolle und Milch.

Spät- und Endneolithikum

Obwohl die rheinischen Lössbörden im Spätneolithikum anscheinend kaum besiedelt waren, zeigen die Pollendiagramme etwa ab 3400 Jahre BC starke Einflussnahme des Menschen auf den Wald. Die Eiche nimmt deutlich zu. Auch Gräser-  und Kräuterpollen werden vielfältiger und häufiger. Die Zunahme der Gräser- und Kräuterpollen deutet normalerweise auf größere offene Flächen hin. Es wird jedoch vermutet, dass durch den Einsatz des Pfluges die Anbauflächen größer wurden, was den Pollenflug begünstigt. Demnach wären nur die Ackerflächen größer als früher, nicht aber die Gesamtfläche waldfreier Gebiete.  Ob die Eiche gezielt durch Brandrodung gefördert wurde, muss offen bleiben.

Im Endneolithikum gewann die Eiche eine noch größere Bedeutung, sie war nun der beherrschende Baum. Hohe Haselwerte sind ein Beleg für einen sehr lichten Wald, hier ist Brandrodung als recht gesichert anzusehen.3 Die weitgreifende Umgestaltung des Waldes in eine bewaldete offene Landschaft weist auf große Viehherden hin. Anscheinend wurden sie gehütet und waren nicht eingepfercht. Damit scheint ein deutlicher Wandel in der Landwirtschaft eingetreten zu sein. Der Ackerbau verliert an Bedeutung, die Viehwirtschaft schafft die Nahrungsgrundlage.

Quelle: Zimmermann/Meurers-Balke/Kalis, Das Neolithikum, in Urgeschichte im Rheinland, Köln, 2006, S. 159ff

Anmerkung zu den jung-, spät- und endneolithischen Siedlungsnachweisen: Dr Renate Gerlach geht davon aus, dass diese Bodenhorizonte bisher nicht erkannt wurden und meist als alt- oder mittelneolithisch angesehen wurden. (Tagung Archäologie im Rheinland – Ausgrabungen, Forschungen und Funde 2010, LVR-Landesmuseum Bonn, 31.01. bis 01.02.2011)

  1. Uni Mainz/CS, Der Ursprung der Hausrinder, Archäologie Online, Artikel vom 30.03.2012
  2. Wikipedia/Pflug von Walle
  3. E. Eckmeier, Detecting Prehistoric Fire-based Farming Using Biogeochemical Markers, Dissertation