Keramik

Gebrauchskeramik ist selten verziert und wenig sorgfältig gearbeitet. Dementsprechend sind Scherben dieser Gefäße wenig aussagekräftig und können nur durch Beifunde einer neolithischen Kultur zugeordnet werden. Anders verhält es sich bei den verzierten Formen. Diese sind durch die verwendeten Verzierungsstile gut zu typisieren und zu datieren.

Altneolithikum

Bandkeramik

Das Altneolithikum ist durch die älteste Bandkeramik (rechtsrheinisch) vertreten. Typisch sind zunächst flachbodige Schalen und Kümpfe sowie Flaschen mit engem Hals. Es besteht eine große Ähnlichkeit zu der Keramik der ungarischen Starcevo-Kultur. Während die Schalen vermutlich zur Nahrungszubereitung und als Essgeschirr verwendet wurden, wurden die Kümpfe wohl als Kochtöpfe genutzt. Die Flaschen dienten offenbar als Transport- und Aufbewahrungsgefäße für Wasser und Getreide.1

W. Müller-Arendt

Entwickung der Verzierungen nach W. Müller-Arendt2

Die Gefäße der ältesten Bandkeramik waren dickwandig und stark organisch gemagert. Typisch für alle Stufen der Bandkeramik sind die namengebenden Parallelbänder mit Ritzverzierungen. Die Sekundärmuster zwischen den Bändern werden Zwickelmuster genannt. Es handelt sich hierbei offensichtlich um familienspezifische Zeichen.3 Teilweise sind Reste von meist weißen Inkrustationen erhalten geblieben. Es ist davon auszugehen, dass viele der eingestochenen oder eingeritzten Verzierungen weiß oder farbig gefüllt waren.4 Wie bereits erwähnt, scheint die La Hoguette-Kultur die Bandkeramik beeinflusst zu haben, es entstand der Flomborn-Stil. Dieser setzt zwar die Tradition im Großen und Ganzen fort, jedoch werden die Gefäße dünner, die Verzierungen feiner und die Böden rund.

Inkrustation, jüngere Bandkeramik

Inkrustation, jüngere Bandkeramik

Mittelneolithikum

Mit dem Ende der Bandkeramik endet auch das einheitliche Erscheinungsbild der Keramik, es bilden sich lokale Gruppen mit eigenen Verzierungsstilen. Im Rheinland schließen sich an die Bandkeramik die Kulturen Großgartach, Rössen und Bischheim an. Weiter südlich folgt auf die Bandkeramik die Stichkeramik. Die Gefäße der Hinkelstein Kultur ähneln noch stark der Bandkeramik. Die umlaufenden Winkelbänder sind jedoch intensiver verziert. Die Gefäßformen bleiben in etwa gleich. Großgartach weist eine fast flächendeckende Stichverzierung auf. Die Gefäßformen wandeln sich in Knickwandtopf und Zipfelschale.

Rössen hingegen zeigt kleinere verzierte Flächen. Die unverzierten Ränder weisen steiler nach oben, dadurch verliert sich allmählich der für Großgartach typische Knick in der Wandung. Auch weicht die früher zu beobachtende Einheitlichkeit lokal ausgeprägten Verzierungsstilen.5 Im Gegensatz zu reich verzierten, oft mit weißlicher, teils farbiger, → Inkrustation versehenen Gefäßen aus Gräbern ist die Gebrauchskeramik selten verziert.6

Rössen

Jungneolithikum

Die Michelsberger Keramik hat ihre Ursprünge zwar im Mittelneolithikum, steht aber unter Einfluss des französischen Chasséen. Die meisten Gefäße sind unverziert; Oberflächenpolituren sind häufig anzutreffen. Neben Tulpenbechern treten erstmalig Teller auf, neu sind auch keramische Schöpfer.7

Michelsberg

Spätneolithikum

Das Spätneolithikum ist im Rheinland von der Trichterbecherkultur berührt worden, die sich in eine Nord- und Westgruppe aufteilt. Berührt deshalb, weil kaum Nachweise einer Besiedlung erbracht werden konnten. Dennoch spricht die Feuersteingewinnung vom Lousberg für eine zumindest sporadische Besiedlung.

 Endneolithikum

Das Endneolithikum ist wieder deutlicher zu fassen, wenn auch größtenteils nur durch Gräber. Sie erlauben einen ausschnitthaften Einblick. Da nahezu sämtliche Keramikfunde aus Gräbern stammen, können lediglich die typischen Becher beschrieben werden. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass auch andere Gefäßformen existierten. Die schnurkeramischen Becher sind anfangs nur im oberen Teil flächendeckend verziert, jüngere auch im unteren Bereich. Die Glockenbecher sind mit umlaufenden Verzierungen versehen, die mit unverzierten Bereichen wechseln.

Schnurkeramik

 

Literatur: Zimmermann/Meurers-Balke/Kalis, Das Neolithikum, in Urgeschichte im Rheinland, Köln, 2006, S. 159ff

  1. Zimmermann/Meurers-Balke/Kalis, Das Neolithikum, in Urgeschichte im Rheinland, Köln, 2006, S. 173
  2. W. Müller-Arendt, Die Steinzeit in Köln, 2. Aufl. 1979, S. 17
  3. Carsten Mischka, Vortrag in der Zitadelle Jülich, 2010
  4. W. Meier-Arendt, Die Steinzeit in Köln, 2. Aufl., Köln 1979, S. 64
  5. Zimmermann u. a., S 184
  6. Martin Heinen/Willy Schol, Die urgeschichtliche Besiedlung des Mönchengladbacher Raumes, in Loca Desiderata – Mönchengladbacher Stadtgeschichte, Band 1, Köln 1994, S. 174
  7. Martin Heinen/Willy Schol, S. 179