Hausbau im Neolithikum

neolithikum

Mit­tel­neo­li­thi­sches Haus, er­baut von Sepp Albrecht

 

Anmer­kung: Die nach­fol­genden Textaus­zü­ge sind ent­nom­men aus: Sepp Al­brecht, Neue Erkennt­nisse zum früh­neo­li­thi­schen Haus­bau in Mit­tel­eu­ropa, Manu­skript, 2003. On­line un­ter http://albrechts-archäologie.de/ nach­zu­le­sen.

Der Au­tor beschäf­tigt sich mit der Maß­fin­dung im Haus­bau. Zu­nächst wer­den un­ter­schied­li­che Be­funde band­ke­ra­mi­scher Häu­ser ana­ly­siert. Da­bei zeigt sich, dass die Pfos­ten­lö­cher in ei­nem re­gel­mä­ßi­gen Rhyth­mus an­ge­legt sind. Ein durch den Er­bauer ei­nes Hau­ses frei fest­ge­leg­tes Grund­maß er­gibt durch Ver­viel­fäl­ti­gung alle Ab­stände der Pfos­ten zu­ein­an­der. Die­ses Grund­maß wird kon­struk­ti­ves Grund­maß ge­nannt und als kG ab­ge­kürzt. Der Au­tor legt zu­nächst dar, dass alle für den Haus­bau not­wen­di­gen Län­gen­maße auf ein Viel­fa­ches die­ses Grund­ma­ßes zurück­ge­hen. In ei­nem zwei­ten Schritt wird das kon­struk­tive Grund­maß auf die Kon­struk­ti­ons­hö­hen an­ge­wen­det. Hier zeigt sich, dass durch ein­fa­ches An­wen­den des­sel­ben Ma­ßes alle Hö­hen ohne kom­pli­zierte Be­rech­nun­gen er­mit­teln las­sen. Plau­si­bel wird dar­ge­legt, wie zu dama­li­gen Zei­ten ein Haus kon­stru­iert wurde.

Dar­über­hin­aus hat der Au­tor un­ter Ver­wen­dung des Kon­struk­ti­ven Grund­ma­ßes und sei­ner Viel­fa­chen ein Haus der Rös­se­ner Kul­tur er­baut. Er stützte sich da­bei al­lein auf die im Fol­gen­den dar­ge­legte Maß­fin­dung. Lei­der wurde das Ex­pe­ri­ment nach der Fer­tig­stel­lung Op­fer ei­ner Brand­stif­tung. Den­noch gli­chen die nach dem Brand ent­stan­de­nen Be­funde de­nen er­gra­be­ner Haus­grund­risse, ohne ei­nen sol­chen als Grund­lage ge­habt zu haben.

Das Ex­pe­ri­ment im neo­li­thi­schen Hausbau

von Sepp Albrecht

Vor­aus­set­zun­gen

Bei dem Ver­such neo­li­thi­sche Haus­bau­ten in der drit­ten Di­men­sion dar­zu­stel­len, sollte dar­auf ver­zich­tet wer­den ei­nen vor­han­de­nen Be­fund aus­zu­wäh­len, um un­ter An­wen­dung von „ar­chäo­lo­gisch be­grün­de­ten Er­fah­rungs­wer­ten” eine Re­kon­struk­tion, in was für ei­ner Form auch im­mer zu rea­li­sie­ren.“
Zu den „ar­chäo­lo­gisch be­grün­de­ten Er­fah­rungs­wer­ten” die teil­weise wie un­um­stöß­li­che Dog­men in der Fach­li­te­ra­tur er­schei­nen, ist nur so­viel zu sa­gen, dass von al­len Aus­sa­gen die dem Ver­fas­ser aus der Li­te­ra­tur dar­über be­kannt ge­wor­den sind, keine da­bei ist die ei­ner tie­fer ge­hen­den bau­tech­ni­schen Über­prü­fung stand­hält.
Was bis­lang in zum Teil auf­wen­di­gen Un­ter­su­chun­gen (Dis­ser­ta­tio­nen), sei es zeich­ne­risch im Mo­dell oder im Maß­stab 1:1 als „Re­kon­struk­tio­nen” vor­ge­stellt wurde, sind weil de­ren drei­di­men­sio­na­ler Auf­bau aus „se­pa­rier­ten Be­fund­spu­ren” ab­ge­lei­tet wur­den,  keine Re­kon­struk­tio­nen im Sinne der ex­pe­ri­men­tel­len Ar­chäo­lo­gie, son­dern der Wirk­lich­keit nach­emp­fun­dene Nach­bau­ten. Die Er­geb­nisse sind we­der bau­tech­nisch noch kon­struk­tiv auf an­dere Haus­bau­ten die­ser Zeit­stel­lung zu über­tra­gen. Was eine zen­trale For­de­rung der ex­pe­ri­men­tel­len Ar­chäo­lo­gie beinhaltet.

Im Grund­satz ge­hen die Ar­chäo­lo­gen, im Ver­such die Häu­ser re­kon­struk­tiv in al­len Di­men­sio­nen dar­zu­stel­len, von der fal­schen Fra­ge­stel­lung aus.  So ist es zu­nächst von un­ter­ge­ord­ne­ter Be­deu­tung her­aus­zu­fin­den, wie durch das Aus­mes­sen von Pfos­ten­stel­lun­gen im Be­fund, das zu­ge­hö­rige Haus ober­halb des Be­ge­hungs­hori­zon­tes aus­ge­se­hen ha­ben „könnte.” Grö­ßere Auf­merk­sam­keit da­ge­gen sollte auf die Frage ge­rich­tet wer­den, wie die in ganz Eu­ropa auf­tre­ten­den sys­tem­glei­chen Spu­ren von Pfos­ten­set­zun­gen,  ei­gent­lich ent­stan­den sind. Um dazu Aus­sa­gen ma­chen zu kön­nen, kann dies nur aus Sicht der neo­li­thi­schen Bau­leute, so­wie  der Zeit­stel­lung ge­mä­ßen hand­werk­li­chen Mög­lich­kei­ten er­klärt werden.

Häu­ser der frü­hen bis mitt­le­ren Phase der Bandkeramik.

Eine erste ein­deu­tig zu iden­ti­fi­zie­rende Struk­tur im kon­struk­ti­ven Auf­bau der Häu­ser,  ist ab der frü­hen bis mitt­le­ren Phase die­ser Kul­tu­re­po­che zu er­ken­nen. Hier sind fünf dach­tra­gende Pfos­ten­rei­hen zur Auf­lage von Pfet­ten par­al­lel zu­ein­an­der an­ge­ord­net wor­den. Es ist also auf eine Pfet­ten­dach­kon­struk­tion zu schlie­ßen, de­ren par­al­lel ver­lau­fende Pfos­ten­rei­hen Hin­weise dar­auf ge­ben, dass die Häu­ser vom Erd­bo­den ab­ge­ho­bene, gleich­för­mig ge­neigte Dach­flä­chen hatten.

We­gen der sys­tem– aber nicht maß­glei­chen par­al­le­len An­ord­nung der Pfos­ten, die in vie­len frei­ge­leg­ten Sied­lun­gen vor­ge­fun­den wur­den, sind  trotz Än­de­run­gen der in­ne­ren Struk­tu­ren im Be­fund, diese Häu­ser nach den glei­chen kon­struk­ti­ven Kri­te­rien zu beurteilen.

Häu­ser der aus­ge­hen­den Bandkeramik.

Hier sind erst­mals durch das rund­lich bzw. tra­pe­zar­tige Aus­ein­an­der­stre­ben der Au­ßen­wand­pfos­ten aus der Mit­tel­flucht,  haus­for­mende Ver­än­de­run­gen zu be­rück­sich­ti­gen. Durch den rund­li­chen bzw. tra­pe­zar­ti­gen Ver­lauf der Au­ßen­wand­pfos­ten, ent­ste­hen im Ver­hält­nis zu gleich­mä­ßig ge­neig­ten Dach­flä­chen, un­ter­schied­li­che Trauf­hö­hen (Pfos­ten­hö­hen in der Au­ßen­wand). Beim tra­pez­för­mi­gen Weg­stre­ben der Au­ßen­wand ent­ste­hen “fal­lende Trau­fen” und beim rund­li­chen Weg­stre­ben, eine zu­nächst “fal­lende und dann wie­der an­stei­gende Traufe” (Pfos­ten­höhe  in der Außenwand).

Es gilt:

Je wei­ter ein Pfos­ten aus der Mit­tel­flucht ab­weicht, um so nied­ri­ger ist bei glei­cher Dach­nei­gung, die Traufhöhe.”

Das ent­spricht den Vor­ga­ben die durch „Ge­setz­mä­ßig­kei­ten am Bau,” die zu al­len Zei­ten ihre Gül­tig­keit ha­ben, vor­ge­ge­ben sind. Die Ver­bin­dung der Au­ßen­wand mit dem Dach­auf­bau wird durch längs ver­lau­fende, der Traufe an­ge­passte „Bin­de­höl­zer” her­ge­stellt. Im Bau­ab­lauf ist dies in der Weise von Be­deu­tung, dass erst nach dem die Spar­ren auf die tra­gende In­nen­kon­struk­tion auf­ge­legt wa­ren, die Au­ßen­wand­pfos­ten in der Höhe, den über­ste­hen­den Ro­fen (Spar­ren) an­ge­passt wur­den. Es ist des­halb  bei die­sem Haus­typ, wie z.T. in der Fach­li­te­ra­tur be­schrie­ben, von kei­nem pfet­ten­ge­stütz­ten au­ßen­wand­las­ti­gen Dach­auf­bau auszugehen.

Häu­ser im Mit­tel­neo­li­thi­kum, Rös­sen, Stichbandkeramik

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Rös­sen, Bau­typ I, Ham­bach 260, Bau 1

Ver­lie­fen bis­lang nur die Au­ßen­wände tra­pez­för­mig bzw. rund­lich aus der Mit­tel­flucht weg, so ist bei die­sen Bau­ty­pen fest­zu­hal­ten, dass auch die „tra­gende In­nen­kon­struk­tion” tra­pez­för­mig an­ge­ord­net wurde. Die sta­tisch re­le­van­ten Bau­teile sind in ih­rem kon­struk­ti­ven Auf­bau mit ei­nem heu­ti­gen Spar­ren­dach zu ver­glei­chen. Ein Spar­ren­dach hat im Ge­gen­satz zu ei­ner Pfet­ten­dach­kon­struk­tion keine Mit­tel­pfette.
Der sta­ti­sche Zu­sam­men­halt ent­spricht ei­ner Drei­ecks­kon­struk­tion.  Die First­pfette bil­det mit der  in der ge­sam­ten Ge­bäu­delänge in “glei­cher Höhe” ver­lau­fen­den Fuß­pfette des In­nen­ge­rüs­tes, das Grund­ge­rüst. Nach dem Auf­le­gen der Ro­fen (Spar­ren) ent­steht eine Drei­ecks­ver­bin­dung, die zur sta­ti­schen Aus­stei­fung keine Mit­tel­pfette, wie sie im band­ke­ra­mi­schen Haus­bau üb­li­cher­weise ein­ge­baut wurde, be­nö­tigt.
Die Au­ßen­wände wur­den erst dann ein­ge­baut, wenn die dach­tra­gende Kon­struk­tion auf­ge­rich­tet und fer­tig­ge­stellt war. Durch die tra­pez­för­mi­gen, bzw. rund­li­chen An­ord­nun­gen der Au­ßen­wände ent­ste­hen wie im Haus­bau der jün­ge­ren Phase der Band­ke­ra­mik auch, “fal­lende und stei­gende Traufhöhen”.

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Kon­struk­ti­ons­vor­schlag

Wie im Haus­bau der Band­ke­ra­mik, sind die Häu­ser die­ser Kul­tu­re­po­che in zwei Ge­bäu­de­ty­pen ein­zu­tei­len. Kurz­bau­ten mit ei­nem Bau­ab­schnitt (BA I) und Lang­bau­ten mit zwei Bau­ab­schnit­ten (BAII). Bei Kurz­bau­ten ver­läuft die tra­gende In­nen­kon­struk­tion über die ge­samte Ge­bäu­delänge, im Maß­ver­hält­nis 2 : 3 tra­pez­för­mig. Gie­bel­sei­tig kön­nen so­wohl Walmd­ä­cher, wie über­ste­hend gleich­mä­ßig ge­neigte Dach­flä­chen aus­ge­führt wer­den. Die Art der Gie­bel­form er­gibt sich aus der An­ord­nung der Pfos­ten im Ein­gangs­be­reich so­wie der Pfos­ten­a­n­ord­nung an der schmals­ten Stelle im Nord­wes­ten. Bei den Lang­bau­ten mit zwei Bau­ab­schnit­ten ver­läuft die Grund­kon­struk­tion zu­nächst wie im ers­ten Bau­ab­schnitt be­schrie­ben, im Maß­ver­hält­nis 2 : 3 tra­pez­för­mig. Nach Er­rei­chen der größ­ten Kon­struk­tiv­breite des In­nen­ge­rüs­tes (3 Grund­maße), ver­läuft die­ses par­al­lel zur First­li­nie. Die Au­ßen­wände kön­nen wie ge­habt rund­lich bis leicht oval aus der Mit­tel­flucht abweichen.

Da bei den meis­ten Rös­se­ner Bau­ten keine bau­be­glei­ten­den Gru­ben vor­han­den sind, kann we­gen dem ge­rin­gen Ab­stand der Au­ßen­wand­pfos­ten zur tra­gen­den Kon­struk­tion, von ei­nem bo­den­bün­di­gen Auf­bau des Da­ches aus­ge­gan­gen wer­den (nied­rige Trauf­höhe der raum­ab­schlie­ßen­den Au­ßen­wand). Das er­höht we­gen der von NW nach SE grö­ßer wer­den­den tra­pez­för­mi­gen Dach­flä­chen, die Stand­si­cher­heit der Ge­bäude. Wand­pfos­ten die bei die­sen Ge­bäu­de­ty­pen tief ein­ge­gra­ben wur­den, sind aus sta­ti­scher Sicht nicht zur Auf­nahme von Dach­las­ten ge­eig­net. Sie bie­ten we­gen ih­rer fes­ten Grün­dung im Bo­den, so­wie ei­ner ten­den­zi­ell nied­rig wer­den­den Ein­bau­höhe der Pfos­ten oder Boh­len, die seit­li­che Sta­bi­li­tät der Ge­bäude. (Wind­druck, Windsog).

Son­der­for­men im Haus­bau der Stichbandkeramiker:

Hier ver­lau­fen die Au­ßen­wände z.T.extrem aus der Mit­tel­front weg. Um da­durch be­dingt eine Ver­bin­dung der In­nen­kon­struk­tion mit der weit au­ßer­halb ste­hen­den Au­ßen­wand her­stel­len zu kön­nen, muss auf die quer lie­gen­den Zan­gen des Grund­ge­rüs­tes,  eine „Hilfs­pfette” auf­ge­legt wer­den. Diese Hilfs­pfette ver­än­dert den Dach­nei­gungs­win­kel in der Weise, dass die Ver­bin­dung der Ro­fen mit den Au­ßen­wand­pfos­ten her­ge­stellt wer­den kann. Die äu­ßere Form des Hau­ses wird we­gen der Tra­pez­form des In­nen­ge­rüs­tes, durch ab­wei­chende Dach­nei­gungs­win­kel be­stimmt (Karp­fen­form). (Ur­ge­schicht­li­cher Haus­bau in Mit­tel­eu­ropa, Band 7 H.Luley Abb.54,214)

Vom Be­fund zur Konstruktion:

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Kon­struk­ti­ons­zeich­nun­gen zum ex­pe­ri­men­tel­len Nachbau

Alle neo­li­thi­schen Kul­tur­grup­pen hat­ten beim Haus­bau im Prin­zip das glei­che Pro­blem zu lö­sen: „Sie muss­ten, um sich vor den in Mit­tel­eu­ropa herr­schen­den Wit­te­rungs­ein­flüs­sen zu schüt­zen, ei­nen Raum schaf­fen, des­sen kon­struk­tive Aus­füh­rung so­wohl die Stand­si­cher­heit des Ge­bäu­des ge­währ­leis­tete und gleich­zei­tig ein be­que­mes Be­wirt­schaf­ten (Be­ge­hen) der Häu­ser mög­lich machte” (Bau­zweck). Das Dach war so zu ge­ne­rie­ren, da­mit Re­gen­was­ser und Schnee ohne Stau­nässe zu bil­den ab­flie­ßen konnte. Das hatte Aus­wir­kun­gen bei der Fest­le­gung von Ein­bau­hö­hen von tra­gen­den Pfos­ten (Wän­den), im Ver­hält­nis zu gleich­mä­ßig ge­neig­ten Dachflächen.

Dazu war es not­wen­dig ein Mess­sys­tem zu ken­nen, das schon beim Ge­win­nen der ge­eig­ne­ten Bau­teile beim Holz­ein­schlag im Wald ein­ge­setzt wer­den konnte. Es wur­den also nicht zu­erst die Pfos­ten­lö­cher aus­ge­ho­ben, son­dern der ei­gent­li­che Be­ginn der Bau­maß­nahme war im Wald beim Holz­ein­schlag. Alle Ab­mes­sun­gen wur­den hier schon festgelegt.

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Gie­bel­va­ri­an­ten

Es gilt den  Grund­satz zu beachten:

Maß­li­che Fest­le­gun­gen zum Be­stim­men des kon­struk­ti­ven Auf­baues kön­nen nicht durch Aus­mes­sen von Pfos­ten­set­zun­gen im Be­fund, son­dern nur ent­spre­chend der kon­struk­ti­ven Be­ur­tei­lung des vor­ge­fun­de­nen Be­fun­des er­mit­telt wer­den. Bau­li­che Ver­än­de­run­gen die an den ge­än­der­ten Be­fund­struk­tu­ren zu er­ken­nen sind, än­dern nichts an der Vor­ge­hens­weise beim Auf­bau. Wei­tere bau­li­che Ei­gen­hei­ten, wie das Er­rei­chen gleich­mä­ßig ge­neig­ter Dach­flä­chen, sind nicht ab­hän­gig von even­tu­el­len Kennt­nis­sen über vor­ge­ge­bene Win­kel, son­dern ent­ste­hen durch die An­wen­dung glei­cher Grund­maße in der Ge­bäu­de­höhe von selbst.

Der in Fach­krei­sen be­kannte Ber­li­ner Ar­chi­tekt Prof. Dr. Ernst Neu­fert, hat in sei­ner Bau­ent­wurfs­lehre Aus­gabe 1984, 22, zur kon­struk­ti­ven Maß­fest­le­gung von Ge­bäu­den, ei­nen ein­präg­sa­men Satz for­mu­liert: „Dinge wer­den vom Men­schen ge­schaf­fen um ihm zu die­nen, men­schen­ge­recht sind da­her Form und Maß die­ser Dinge”

In al­len neo­li­thi­schen Ge­bäu­den ist da­von aus­zu­ge­hen, dass in­di­vi­du­elle an den Kör­per­ma­ßen ei­nes Men­schen ab­ge­lei­tete, bzw. am Nut­zungs­zweck aus­ge­rich­tete Kri­te­rien, be­darfs­ge­rechte Maß­fest­le­gun­gen ge­trof­fen wur­den. Dazu ist es nicht not­wen­dig ein wie auch im­mer be­nann­tes Maß­sys­tem im Sinne von Me­ter oder Zen­ti­me­ter zu ken­nen. Es ge­nügt dazu ei­nen Stock, ent­spre­chend den  maß­li­chen Vor­stel­lun­gen des “neo­li­thi­schen Häus­le­bau­ers”  ab­zu­län­gen. Der Ver­fas­ser be­zeich­net diese frei be­stimmte Länge als kon­struk­ti­ves Grund­maß (kG). Das kG als Ver­gleichs­länge  in al­len Di­men­sio­nen an­ge­wen­det, er­gibt un­ab­hän­gig ei­ner be­stim­men­den Maß­fest­le­gung, eine auf das Qua­drat be­zo­gene Kon­struk­tiv­struk­tur in al­len Dimensionen.

Un­ter An­wen­dung des  kG als Ver­gleichs­länge kann jetzt so­wohl beim Holz­ein­schlag im Wald beim Ge­win­nen der ein­zel­nen Bau­teile, wie beim Ein­bau der Bau­teile zum Auf­rich­ten des Grund­ge­rüs­tes,  die glei­che maß­li­che Spra­che ge­spro­chen wer­den. Es gibt  im ge­sam­ten neo­li­thi­schen Haus­bau, spe­zi­ell in der Fest­le­gung von Ein­bau­hö­hen der Pfos­ten im Ver­hält­nis zu gleich­mä­ßig ge­neig­ten Dach­flä­chen keine Zwi­schen­hö­hen, die von den “neo­li­thi­schen Bau­leu­ten” we­der rech­ne­risch, noch mess­tech­nisch, auf die Pfos­ten und Pfet­ten über­tra­gen wer­den konnte.

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Kon­stru­iert und er­baut von Sepp Albrecht

Re­sü­mee:

Sys­tem­glei­che Be­fund­spu­ren ent­ste­hen durch die glei­che, auf das kG be­zo­gene  Maß­struk­tur in al­len Di­men­sio­nen von selbst. Die kon­struk­ti­ven Ab­mes­sun­gen sind nicht iden­tisch mit den Ab­mes­sun­gen die durch das Aus­mes­sen von Pfos­ten­ab­stän­den im Be­fund er­mit­telt wer­den. Als tra­di­tio­nell an­ge­wen­de­tes Ele­ment, ist das kG  kul­turüber­grei­fend in al­len neo­li­thi­schen Kul­tur­stu­fen beim Haus­bau an­ge­wen­det wor­den. Neo­li­thi­sche Bau­leute kann­ten kein, wie auch im­mer be­nann­tes Mes­sys­tem im Sinne von Me­ter und Zen­ti­me­ter. Sie hat­ten auch  keine Kennt­nisse über Win­kel­funk­tio­nen, die das Ver­hält­nis zwi­schen der Ein­bau­höhe von Pfos­ten und ei­nem vor­her­be­stimm­ten Nei­gungs­win­kel der Dach­flä­chen festlegt.

Haus­bau der Bandkeramik

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Be­trach­tet man die Be­fund­bil­der der Haus­grund­risse die­ser Kul­tur­pe­riode, so ist fest­zu­hal­ten, dass in ganz Mit­tel­eu­ropa auf­grund der Sys­tem­gleich­heit der Pfos­ten­set­zun­gen im Be­fund, es eine ein­heit­li­che, auf Tra­di­tion be­ru­hende Vor­ge­hens­weise beim Auf­bau der Häu­ser ge­ge­ben hat. Eine Tra­di­tion setzt über­lie­fer­tes Wis­sen vor­aus, das schon wäh­rend der Ein­wan­de­rung ers­ter Bau­ern nach Mit­tel­eu­ropa, von ei­ner Ge­ne­ra­tion zur Nächs­ten wei­ter­ge­ge­ben wor­den ist. Es ist des­halb et­was ver­wun­der­lich, dass in den zahl­rei­chen Re­kon­struk­tio­nen, und Be­schrei­bun­gen bis­lang nur der Ver­such  un­ter­nom­men wurde, an­hand aus­ge­wähl­ter Be­funde, das drei­di­men­sio­nale Bild die­ser Häu­ser ober­halb des Be­fund­ho­ri­zon­tes darzustellen.

Da­bei wurde die ei­gent­lich Frage aus­ge­klam­mert, was für eine Me­thode beim Auf­bau der Häu­ser da­für ver­ant­wort­lich ist, wa­rum über­all da, wo die Haus­grund­risse die­ser Kul­tur­stufe frei­ge­legt wur­den, die kon­struk­tiv si­gni­fi­kan­ten Be­fund­spu­ren vor­ge­fun­den wur­den. We­gen der über die Zeit­spanne der band­ke­ra­mi­schen Kul­tur nach­ge­wie­se­nen Ver­än­de­run­gen im Zu­sam­men­le­ben der Men­schen, (Ent­wick­lung zu Lo­ka­len Grup­pen) ha­ben sich be­glei­tend dazu die Be­fund­struk­tu­ren verändert.

P.J. Mod­der­man hat 1955 die­ses als ers­ter er­kannt und hat die von „ihm“ frei­ge­leg­ten Be­funde in eine Zeit­ab­folge ein­ge­bun­den. Diese Ein­tei­lung wurde von den Ar­chäo­lo­gen die sich mit den Bau­struk­tu­ren band­ke­ra­mi­scher Häu­ser be­schäf­tigt ha­ben, irr­tüm­lich auch als bau­tech­ni­sche Grund­lage in den drei­di­men­sio­na­len  Auf­bau über­nom­men. Da­bei ha­ben sie über­se­hen, dass sich Mod­der­man nur nach Merk­ma­len der in­ne­ren Struk­tu­ren, Größe, so­wie bau­tech­ni­schen Fest­le­gung der Au­ßen­wände ori­en­tierte und kei­ner­lei Aus­sa­gen über die Kon­struk­tion selbst ge­macht hat.

Be­trach­tet man nun die An­ord­nung der Pfos­ten­set­zun­gen nach kon­struk­ti­ven Kri­te­rien, so ist fest­zu­hal­ten, dass alle von Mod­der­man be­zeich­ne­ten  „Bau­ty­pen“ nach den sel­ben Kon­struk­ti­ons­prin­zip er­rich­tet wor­den sind. So kön­nen die Häu­ser we­der in Kon­struk­tion, Auf­bau noch im äu­ße­ren Er­schei­nungs­bild un­ter­schie­den werden.

Auch die ex­pli­zit ge­nannte „Y-Pfostenstellung,“ die als Gau­ben­kon­struk­tion bzw. Ein­gangs­über­da­chung zu be­trach­ten ist, hat kei­nen Ein­fluss auf die ei­gent­li­che Kon­struk­tion. Es han­delt sich bei al­len von Mod­der­man als Bau­ty­pen be­zeich­ne­ten Häu­ser, um Pfet­ten­dach­kon­struk­tio­nen mit gleich­mä­ßig ge­neig­ten Dach­flä­chen de­ren Nei­gungs­win­kel von 45° durch die Vor­ge­hens­weise beim Auf­bau der Häu­ser von selbst entsteht.

Erst in der End­phase der Band­ke­ra­mik tre­ten  Än­de­run­gen in der Be­fund­struk­tur auf, die un­mit­tel­ba­ren Ein­fluss auf die Kon­struk­tion und äu­ßere Form der Häu­ser ha­ben. Diese Häu­ser kön­nen we­gen den Än­de­run­gen im kon­struk­ti­ven Auf­bau so­wie der da­durch be­ding­ten Än­de­run­gen in der Dach­kon­struk­tion, nun­mehr als ei­gen­stän­dige  Bau­ty­pen be­zeich­net wer­den. Die hier er­kenn­ba­ren kon­struk­ti­ven  Ver­än­de­run­gen,  mar­kie­ren den Zei­ten­wan­del in­ner­halb der Kul­tur­grup­pen, die der band­ke­ra­mi­schen Kul­tur nach­fol­gen (Großgartach-Rössen). So sind die band­ke­ra­mi­schen Häu­ser, ent­spre­chend un­ter­scheid­ba­rer Be­funde, in le­dig­lich zwei  Bau­ty­pen aufzuteilen.

Bau­typ I

Er ist daran zu er­ken­nen, dass ge­mäß ei­ner  vier­schif­fi­gen Bau­weise fünf kon­struk­tiv tra­gende Pfos­ten­rei­hen, par­al­lel zu­ein­an­der an­ge­ord­net wur­den. Aus die­ser Be­fun­dan­ord­nung, ist auf eine vom Be­ge­hungs­hori­zont ab­ge­ho­bene Pfet­ten­dach­kon­struk­tion zu schließen…

Eine we­sent­li­che Rolle spielt da­bei, we­gen der ab­ge­ho­be­nen Bau­weise, die Hö­hen­lage der tra­gen­den Pfet­ten, bzw. die Höhe der ein­ge­bau­ten Pfos­ten ei­ner Pfos­ten­reihe, im Ver­hält­nis zu den gleich­mä­ßig ge­neig­ten Dach­flä­chen. Vor­aus­set­zung da­für wie­derum ist ein Mess­sys­tem, das eine glei­che Hö­hen­fest­le­gung der Pfet­ten ober­halb des Be­ge­hungs­hori­zon­tes ermöglichte.

Bau­typ II

Ihm ge­hö­ren die Grund­riss­ty­pen an, in der nur die in­ne­ren tra­gen­den Pfos­ten­rei­hen par­al­lel ver­lau­fen. Die Au­ßen­wände hin­ge­gen, tra­pez­för­mig, bzw. rund­lich aus der Mit­tel­flucht ab­wei­chen. Es ge­hört zu den un­um­stöß­li­chen „Ge­set­zen am Bau,“ die zu al­len Zei­ten gül­tig sind, dass un­ter Ein­hal­tung ei­ner glei­chen Dach­nei­gung, Pfos­ten die seit­lich aus ei­ner ge­ra­den Ge­bäu­de­flucht ab­wei­chen, un­ter­schied­li­che Ein­bau­hö­hen im Ver­hält­nis zu gleich ge­neig­ten Dach­flä­chen ha­ben. Je wei­ter ein Pfos­ten aus der Mit­tel­flucht ab­weicht, um so nied­ri­ger ist des­sen Ein­bau­höhe über dem Begehungshorizont.

So ent­ste­hen so beim tra­pez­för­mi­gen Ab­wei­chen der Au­ßen­wand­pfos­ten eine fal­lende und beim rund­li­chen Aus­ein­an­der­stre­ben, eine zu­nächst fal­lende und ab etwa der Ge­bäu­de­mitte in Längs­rich­tung, eine wie­der an­stei­gende Trauf­höhe (Pfos­ten­höhe). Das hat Aus­wir­kun­gen so­wohl auf die Dach­form, die Art der sta­ti­schen Kon­zep­tion, so­wie auf den ge­sam­ten Bauablauf.

So gibt es bei die­sem Bau­typ keine Fuß­pfette, die auf die Au­ßen­wand auf­ge­legt wer­den konnte. Die Ver­bin­dung der Au­ßen­wand mit der Dach­kon­struk­tion, wird durch längs ver­lau­fende Bin­de­höl­zer her­ge­stellt, wo­bei die Pfos­ten in ih­rer Ein­bau­höhe den über­ste­hen­den Ro­fen (Spar­ren) an­ge­passt wer­den. Ihr Ein­bau konnte im Ge­gen­satz zum Bau­typ I, des­halb erst dann er­fol­gen, nach­dem die in­nere Grund­kon­struk­tion er­rich­tet, und die Spar­ren auf­ge­legt waren.

Der re­kon­struk­tive Aufbau

Der ei­gent­li­che Auf­bau ei­nes Hau­ses be­ginnt im­mer mit der Fun­da­men­tie­rung. Ein­mal wird da­durch eine sta­bile Grün­dung ge­währ­leis­tet und zum an­de­ren, eine ebene Flä­che ge­stal­tet um ober­halb da­von, glei­che Kon­struk­tiv­hö­hen ein­hal­ten zu kön­nen. (Mo­derne Bau­weise). Bei der im Neo­li­thi­kum aus­ge­führ­ten Holz­stän­der­bau­weise ist in der Maß­fin­dung der Pfos­ten ober­halb des Be­fund­ho­ri­zon­tes, von glei­chen Vor­aus­set­zun­gen aus­zu­ge­hen. Nur wurde hier keine ebene Flä­che ge­stal­tet, son­dern die Pfos­ten wur­den ober­halb des Be­fund­ho­ri­zon­tes, mit­tels ei­ner Ver­gleichs­länge (Maß­stock) ins Erd­reich ein­ge­gra­ben. Es ent­ste­hen so glei­che Ein­bau­hö­hen für die auf­ge­leg­ten Pfetten

Der Hö­hen­aus­gleich un­ter­schied­lich ab­ge­läng­ter Pfos­ten, wird beim Ein­gra­ben der Pfos­ten aus­ge­gli­chen. (Un­ter­schied­li­che Ein­grab­tie­fen der Pfos­ten­lö­cher ge­mes­sen im Be­fund). So ist zu­nächst fest­zu­hal­ten, dass es zwei Maß­fest­le­gun­gen gab die von den Er­bau­ern der Häu­ser be­ach­tet wur­den. Ein­mal ein ein­zu­hal­ten­des Maß  ober­halb des Be­fund­ho­ri­zon­tes, zum an­de­ren eine frei be­stimmte Zu­satz­länge am Pfos­ten die die Tiefe des aus­zu­he­ben­den Pfos­ten­lochs bestimmt.

Ab­mes­sung und Maßbestimmung

Auch für den band­ke­ra­mi­schen Haus­bau gilt der Satz, des Ar­chi­tek­ten Prof. Ernst Neu­fert die er zur Maß­fest­le­gung von Ge­bäu­den an sich, den er in sei­ner Bau­ent­wurfs­lehre for­mu­liert hat (Prof. Ernst Neu­fert Bau­ent­wurfs­lehre, 1984, 22): „Dinge wer­den ge­schaf­fen vom Men­schen um ihm zu die­nen, men­schen­ge­recht sind da­her Form und Maß die­ser Dinge.“

Die kon­struk­ti­ven Ab­mes­sun­gen ei­nes Hau­ses wur­den ent­we­der durch ei­nen per­sön­li­chen Be­zug (Kopf­stoß­höhe), oder dem zu­ge­dach­ten Nut­zungs­zweck ent­spre­chend, durch den Er­bauer ei­nes Hau­ses frei fest­ge­legt. Der Ver­fas­ser be­zeich­net die­ses Maß, als kon­struk­ti­ves Grund­maß (kG), das in al­len Di­men­sio­nen ein­ge­setzt, eine auf das Qua­drat be­zo­gene Maß­struk­tur ergibt.

Zur Vor­aus­wahl für die zum Auf­bau not­wen­di­gen Pfos­ten und Pfet­ten, ist das kG auch bei der Be­ur­tei­lung der zu fäl­len­den Bäume hilf­reich. Der ei­gent­li­che Auf­bau der Häu­ser be­gann nicht mit dem Aus­he­ben von Pfos­ten­lö­cher, de­ren Loch­tiefe und kon­struk­ti­ver Ab­stand, bis da­hin gar nicht be­kannt ge­we­sen sein kann, son­dern mit dem Ge­win­nen ge­eig­ne­ter Bau­teile, wie  Pfos­ten und Pfet­ten, beim Holz­ein­schlag  im Wald.

Zwei Ab­mes­sun­gen sind da­bei von Interesse:

Ein­mal eine glei­che im Ras­ter des kG be­find­li­che Maß­fest­le­gung ober­halb des Be­ge­hungs­hori­zon­tes, so­wie ei­ner Län­gen­zu­gabe die die Ein­grab­tiefe der  Pfos­ten­lö­cher beim ein­gra­ben der Pfos­ten be­stimmt. Wer­den die Pfos­ten so ein­ge­gra­ben, hat­ten alle Pfos­ten ei­ner Pfos­ten­reihe ober­halb des Be­ge­hungs­hori­zon­tes, die glei­che  Höhe. Die Pfos­ten­lö­cher selbst kön­nen je nach Län­gen­zu­gabe un­ter­schied­lich sein. das be­legt, dass der Hö­hen­aus­gleich un­ter­schied­lich ab­ge­läng­ter Pfos­ten im Erd­reich erfolgte.

neolithikum

C. J.Kind, Band­ke­ra­mi­sche Sied­lung Ulm-Eggingen, Die Aus­gra­bun­gen 1989, 40,Haus 6 mit Ein­zeich­nung der qua­dra­ti­schen Struk­tur, er­mit­telt durch das kG durch den Verfasser

 

Als Bei­spiel zum kon­struk­ti­ven Aus­mes­sen hat der Ver­fas­ser das Haus Nr 6 in Ulm-Eggingen aus­ge­wählt. Die kon­struk­tive Ge­samt­breite, knapp au­ßer­halb des Be­fun­des ge­mes­sen be­trägt 6, 30 m. Aus der Vier­tel­tei­lung der Ge­samt­breite von 6,30 m  er­gibt sich das kG von 1,55 m. Die Ge­samt­länge des Ge­bäu­des von 20, 63 m ist das 17-fache des KG. Dar­aus er­ge­ben sich die Wandhöhen:

Au­ßen­wände                        1 kG    =  1,55 m
Mit­tel­pfet­ten                       2 kG   =   3,10 m
First­höhe                              3 kG    =   4,65 m

Be­fund­ab­mes­sun­gen be­fin­den sich in der Re­gel nicht im glei­chen, auf ein kG be­zo­ge­nem Ras­ter, son­dern wei­chen maß­lich da­von ab. Da­durch ent­ste­hen zwi­schen dem Be­fund und der kon­struk­tiv rich­ti­gen Lage der Pfet­ten Dif­fe­ren­zen in der Maßfestlegung.

Diese  wer­den da­durch aus­ge­gli­chen, dass die Pfet­ten, nicht wie in der Re­gel dar­ge­stellt, mit­tig über den Pfos­ten son­dern, in seit­lich aus­trei­bende Ast­ga­beln ein­ge­legt wur­den. Nur dann wenn die Pfos­ten, was sel­ten der Fall ist, eben­falls im Ras­ter des kG ein­ge­gra­ben wur­den, kön­nen Pfet­ten auch mit­tig über den Pfos­ten in sym­me­tri­sche Ast­ga­beln ein­ge­legt und be­fes­tigt werden.

neolithikum

Pfet­ten mit­tig aufgelegt

Es kann also nicht sein, dass durch das Aus­mes­sen von Pfos­ten­set­zun­gen im Be­fund, das Kon­struk­tiv­maß er­mit­telt wer­den kann. Dies ist nur mög­lich durch  das Aus­mes­sen der par­al­lel ver­lau­fen­den Pfet­ten, im Ras­ter des kG.

neolithikum

Pfet­ten in Astgabeln

Der Auf­bau:

Nach­dem die im Wald beim Holz­ein­schlag im Ras­ter­maß des kG ab­ge­läng­ten Bau­teile an den vor­be­rei­te­ten Bau­platz ver­bracht wur­den, be­gann der ei­gent­li­che Auf­bau. Ei­nem ver­nünf­ti­gen Bau­ab­lauf ent­spre­chend, wur­den zu­nächst die Pfet­ten am Bo­den im Ras­ter des kG par­al­lel zu­ein­an­der ausgelegt.

neolithikum

Maß­be­stim­mung der Pfos­ten beim Holz­ein­schlag im Wald

Da­nach wur­den die Pfos­ten­lö­cher ent­spre­chend der Län­gen­zu­gabe ein­ge­gra­ben. Die Pfos­ten­höhe über dem Be­ge­hungs­hori­zont ist für alle Pfos­ten ei­ner Pfos­ten­reihe gleich. Erst als alle Pfos­ten ei­ner Pfos­ten­reihe auf­ge­rich­tet wa­ren, konn­ten die Pfet­ten­teile auf­ge­legt wer­den. Die Länge die­ser Pfet­ten­teile be­stimm­ten den Rhyt­mus der Jochab­stände im Be­fund. Es ent­stand so ein Grund­ge­rüst, das das an­schlie­ßende Auf­le­gen der Spar­ren (Ro­fen) ermöglichte.

neolithikum

Sys­tem­bild der Grund­kon­struk­tion und der Pfos­ten­set­zung beim seit­li­chen Ab­wei­chen der Stän­der­pfos­ten aus der Konstruktivlinie

Ent­spre­chend ei­ner auf das Qua­drat be­zo­ge­nen Kon­struk­tiv­struk­tur ent­steht  ein Nei­gungs­win­kel der Dach­flä­chen von 45°.

neolithikum

Auf­richt­me­thode nach Bauabschnitten

Die­ser Win­kel musste dem­nach nicht vor Bau­be­ginn be­stimmt wer­den, son­dern ent­stand durch die me­tho­di­sche Vor­ge­hens­weise beim Auf­bau im Ras­ter des kG von selbst.

Kon­struk­tive Ma­ßer­mitt­lung am Befund

Bau­typ I

An­hand ei­nes Be­fun­des wird die kon­struk­tiv be­stim­mende Ab­mes­sung des kG da­durch be­stimmt, dass nicht mit­tig über den Be­fund der Au­ßen­wände, son­dern knapp au­ßer­halb da­von,  die „kon­struk­tive Ge­samt­breite“ des Hau­ses er­mit­telt wird.

Grund für diese Vor­ge­hens­weise ist, dass die Pfet­ten in seit­lich nach au­ßen ge­drehte Ast­ga­beln ein­ge­legt wur­den. Ge­mäß der  par­al­le­len An­ord­nung der Pfet­ten im Ras­ter des kG, ist das kon­struk­tive Grund­maß  bei die­sem Bau­typ, durch die Vier­tel­tei­lung der kon­struk­ti­ven Ge­samt­breite zu er­mit­teln. Die­ses ge­vier­telte Maß ent­spricht dann der Ab­mes­sung, die von dem Er­bauer die­ses Hau­ses schon vor Bau­be­ginn frei fest­ge­legt wor­den ist. Kon­struk­tive Grund­maße sind In­di­vi­dual­maße ohne dass zu de­ren Fest­le­gung ein wie auch im­mer be­nann­tes Mess­sys­tem be­kannt ge­we­sen sein muss.

Sta­tik und Bauabfolge.

Die ei­gent­li­che Sta­bi­li­tät der Ge­bäu­de­struk­tur wird im Ge­gen­satz zu den An­nah­men in der re­kon­struk­ti­ven Ar­chäo­lo­gie, nicht durch die Ein­grab­tie­fen der Pfos­ten, son­dern durch die Art des kon­struk­ti­ven Auf­baues ober­halb des Be­fund­ho­ri­zon­tes be­stimmt. Ho­ri­zon­tal ein­ge­baute Zwi­schen­de­cken und zur Struk­tur­aus­stei­fung ein­ge­baute Zan­gen­bal­ken er­fül­len im We­sent­li­chen diese Funk­tion. Sie er­mög­lich­ten auch das Ein­le­gen der Pfet­ten „seit­lich ne­ben den Pfos­ten“, wenn de­ren Ein­bau­höhe ober­halb der kör­per­li­chen Er­reich­bar­keit der Men­schen lag.

Tief ein­ge­gra­bene Pfos­ten sind kein In­diz da­für, dass große Dach­las­ten auf­ge­nom­men wer­den, son­dern wir­ken den seit­li­chen Kräf­ten ent­ge­gen die durch Wind­druck und Wind­sog, auf die Dach­flä­chen ent­ste­hen. Die wei­te­ren Aus­bau­ar­bei­ten für die­sen Bau­typ sind be­kannt und in der Li­te­ra­tur gut be­schrie­ben und müs­sen des­halb hier nicht wie­der­holt werden.

Bau­typ II

Kon­struk­tiv sind die Häu­ser daran zu er­ken­nen, dass nur die drei mitt­le­ren Pfos­ten­rei­hen par­al­lel ver­lau­fen. Die äu­ße­ren Wand­pfos­ten stre­ben ent­we­der rund­lich oder tra­pez­för­mig aus der Mit­tel­flucht weg. Diese Pfos­ten­rei­hen wer­den ver­mehrt auch als Dop­pel­pfos­ten aus­ge­bil­det ein­ge­gra­ben. Die Au­ßen­wände ha­ben dem­nach keine tra­gende Funk­tion son­dern sind im kon­struk­ti­ven Sinne als Wind­stüt­zen, die seit­li­che Las­ten auf­neh­men zu be­trach­ten (Wind­druck, Windsog).

Prof. C. J. Kind schreibt zu die­sem Haus­typ, ab­ge­lei­tet aus ei­nem Be­fund des Hau­ses 24, in der band­ke­ra­mi­schen Sied­lung Ulm-Eggingen sinn­ge­mäß: „Al­ler­dings fällt auch hier die die stark tra­pe­zo­ide Form des Grund­ris­ses auf.”

Dem tra­pe­zo­iden Aus­ein­an­der­stre­ben der Grund­form, wurde durch eine sta­ti­sche Maß­nahme da­durch Rech­nung ge­tra­gen, dass am süd­öst­li­chen Ende des Ge­bäu­des auf bei­den Sei­ten die Pfos­ten ver­dop­pelt wur­den. Es sollte wohl, durch diese sta­ti­sche Maß­nahme das an die­ser Stelle am wei­tes­ten her­aus­ra­gende Dach ge­stützt wer­den. Diese Ein­schät­zung ist rich­tig, be­schreibt aber nicht die dar­aus re­sul­tie­rende ver­än­derte Dach­form die­ses Gebäudes.

Es gilt der Grund­satz: „Je wei­ter ein Pfos­ten aus der Mit­tel­flucht ab­weicht, um so nied­ri­ger wird bei ei­ner glei­chen Dach­nei­gung die Höhe der Pfos­ten in der Au­ßen­wand“. Das kG wird bei die­sem Bau­typ aus dem kon­struk­ti­ven Ab­stand der drei Mit­tel­pfos­ten­rei­hen festgelegt.

Die Au­ßen­wände sind im Ab­stand maß­lich von un­ter­ge­ord­ne­ter Be­deu­tung, da sich de­ren Ein­bau­hö­hen nicht nach dem Maß­ras­ter des kG, son­dern nach der Höhe über dem Be­zugs­hori­zont zur Ober­flä­che der über­ste­hen­den Ro­fen rich­tet (Trauf­höhe). Durch das glei­che auf das Qua­drat be­zo­gene Ras­ter der In­nen­kon­struk­tion ent­steht wie­der die glei­che Dach­nei­gung von 45° wie beim Bau­typ I.

Re­sü­mee:

Häu­ser der frü­hen und mitt­le­ren Phase der Band­ke­ra­mik un­ter­schei­den sich nicht in der kon­struk­ti­ven Vor­ge­hens­weise beim Auf­bau, son­dern nur in der Art ih­rer Nut­zung. Häu­ser die­ser Kul­tur­stufe be­zeu­gen al­ler­dings ei­nen fort­schrei­ten­den Wan­del in den kon­struk­ti­ven Zim­me­rei­tech­ni­ken. In­nere Ein­bau­ten, die an Hand von Be­fund­spu­ren zu er­ken­nen sind, kön­nen nur funk­tio­nell er­klärt wer­den und ha­ben auf die Grund­kon­struk­tion ins­ge­samt kei­nen Einfluss.

Die Art der ge­än­der­ten kon­struk­ti­ven Aus­füh­rung, wie er im Bau­typ II zu er­ken­nen ist, mar­kiert im Ver­lauf der band­ke­ra­mi­schen Bau­tra­di­tion den Über­gang zu neuen kon­struk­ti­ven Über­le­gun­gen, wie sie dann in der der Groß­gar­t­a­cher — Rös­se­ner Kul­tur­stufe kon­se­quent um­ge­setzt wur­den. Durch die An­wen­dung des kG und der be­schrie­be­nen Ast­ga­bel­tech­nik ist das Ent­ste­hen sys­tem­glei­cher Be­funde in­ner­halb die­ser Kul­tu­re­po­che zu erklären.

Zeich­nun­gen Sepp Albrecht

Ver­wen­dete Literatur:

Sepp Al­brecht, un­ver­öf­fent­lich­ter Auf­satz: „Neue Er­kennt­nisse zum neo­li­thi­schen Haus­bau in Mit­tel­eu­ropa 2003.

Sepp Al­brecht in „Ex­pe­ri­men­telle Ar­chäo­lo­gie in Eu­ropa, Bi­lanz 2003, Heft 2, Hrsg. Prof. Dr. Mao­mut Fansa Ol­den­burg, Is­sen­see Ver­lag Ol­den­burg 31–42″

Wi­ki­pe­dia: Be­nut­zer Ca­tou, Haus­bau im Neo­li­thi­kum. de

C. J. Kind, „Band­ke­ra­mi­sche Sied­lung Ulm-Eggingen“.

Be­zug:

Re­kon­struk­tion ei­nes mit­tel­neo­li­thi­schen Mehr­zweck­baues der Rös­se­ner Kul­tur im Maß­stab 1 : 1 in Bad Kro­zin­gen durch den Ver­fas­ser. (Abbildung)

Dra­gos­lav Sre­jo­vic, 1987, Le­pen­ski Vir.

Hel­mut Lu­ley, Ur­ge­schicht­li­cher Haus­bau in Mit­tel­eu­ropa, 1992, Band 7, Ab­schnitt 9 der Uni­ver­si­täts­for­schun­gen zur prä­his­to­ri­schen Ar­chäo­lo­gie der Uni­ver­si­tät Köln.