Entstehung des Neolithikums

Verbreitung des Neolithikums

Aktuelle DNA- und Isotopenanalysen belegen ein nebeneinander von Mesolithikum und Neolithikum über 2000 Jahre hinweg. → Artikel: Mesolithische und neolithische Parallelgesellschaften

Das Neolithikum, auch Jungsteinzeit genannt, ist gekennzeichnet durch die Einführung der Landwirtschaft. Damit wandelt sich sowohl die Wirtschafts-  als auch die Lebensweise. Der Übergang vom Wildbeutertum zur produzierenden Lebensweise wird als ein bedeutender Einschnitt in der Kulturgeschichte der Menschheit angesehen, → PDF.

Levante

Bereits 11. und 10. Jahrtausend BC wurden die Menschen im Gebiet der heutigen Südosttürkei sesshaft.1 Im 9. Jahrtausend BC entstand im Nahen Osten mit Ackerbau und Viehzucht2 eine Vorstufe des Neolithikums. Etwa ab dem 7. Jahrtausend BC hatte sich im südlichen Zentralanatolischen Hochland die Keramik, → PDF, etabliert, sie ist seitdem ständiger Begleiter der planmäßigen Landwirtschaft, fortan gehörte sie neben Getreide und Vieh zur neuen Lebensweise.3 Damit beginnt das klassische Neolithikum.

Verbreitung

Um 6500 Jahre BC wurde die Westtürkei und der angrenzende ägäische Raum vom Neolithikum erreicht, 500 Jahre später der Balkan, erst um 5500 Jahre BC taucht das Neolithikum in Mitteleuropa auf.4 Neben archäologischen Befunden wird diese Verbreitung auch durch die Auswertung von Genanalysen gestützt.56

Der Grund für die Umstellung auf die produzierende Lebensweise wird kontrovers diskutiert. Möglicherweise führten die günstigen Klimabedingungen zu einer guten Versorgungslage und zu einem starken Bevölkerungszuwachs. Dadurch kann es zu Engpässen in der Versorgung gekommen sein. Dies könnte eine Umstellung nötig gemacht haben. Statt Pflanzen nur zu sammeln, begann der Mensch bestimmte Pflanzen anzubauen, dies ist durch Veränderungen an Getreidepflanzen sehr früh nachweisbar. Durch gezielte Auslese wurden positive Eigenschaften vermehrt, insbesondere die Korngröße nahm zu.7 Diese frühe Züchtung durch Auslese ist durch Untersuchung verkohlter Getreidekörner belegt.8

Die frühen Neolithiker lebten jedoch nicht nur von pflanzlicher Kost – der Getreideanbau nahm erst allmählich an Bedeutung zu – Sammeln und Jagen war lange weiterhin fester und wichtiger Bestandteil des Nahrungsspektrums in diesem frühen Stadium des Neolithikums. Durch die intensivere Bejagung nahmen die Wildpopulationen jedoch stark ab, dies ist insbesondere für die Antilopen belegt. Vermutlich als Alternative zur Jagd wurden nun Wildtiere, Schaf und Ziege als Fleischlieferant gefangen und gehalten, also domestiziert.

Die Domestikation von Wildtieren ist anhand von typischen Knochenveränderungen schon für die Mitte des 9. Jahrtausends BC nachweisbar,9 da die Knochen der Haustiere  größer als die der Wildformen sind, zugleich nimmt die Knochendichte ab. Aufgrund der unterschiedlichen Generationsdauer ist die Merkmalsveränderung bei Tieren deutlich langsamer als bei den einjährigen Nutzpflanzen. Insofern wird die Viehhaltung im frühen Neolithikum schon deutlich früher stattgefunden haben, als bisher nachgewiesen wurde.

Leider fehlen in diesem Zusammenhang entsprechende Untersuchungen bezüglich der Merkmalsausprägung durch Zuchtauslese, die belegen können, ob Viehhaltung und Getreideanbau gleichzeitig oder zeitlich versetzt stattfanden. Die veränderte Lebensweise führte erstmalig zu einer deutlichen Veränderung der Umwelt. Die Schaffung von Anbau- und Weideflächen bzw die Waldweidewirtschaft führte zu einer Abnahme der Bewaldung. Diese großräumigen Landschaftsveränderungen durch die produzierende Lebensweise können im Neolithikum durch Pollendiagramme nachgewiesen werden, denn die Baumpollen nehmen ab.10 Damit handelt es sich bei dem Neolithikum um den ersten Abschnitt in der Menschheitsgeschichte, in dem durch menschliches Handeln die Natur grundlegend beeinflusst und gestaltet wurde.

Verbreitung des Neolithikums

  1. Clemens Lichter, Vor 12000 Jahren in Anatolien, in AiD, 2007, Heft 1, S. 60
  2. vgl hierzu Hans-Peter Uerpmann, Von Wildbeutern zu Ackerbauern – Die Neolithische Revolution der menschlichen Subsistenz, in Mitteilungen der Gesellschaft für Urgeschichte 16, PDF, 2007
  3. W. Traute, Neolithikum, in Eiszeithöhlen im Lonetal, 2. Aufl, Stuttgart, 1985, S 159f; Clemens Lichter, 2007, S. 61
  4. Clemens Lichter, 2007, S. 61
  5. Uni Mainz/AB, Ex oriente agricolae, Archäologie Online, Artikel vom 10.11.2010
  6. W.Haak et al, Ancient DNA from European Early Neolithic Farmers Reveals Their Near Eastern Affinities, Onlineartikel
  7. Zimmermann, Meurers-Balke, Kalis, Das Neolithikum, in Urgeschichte im Rheinland, Köln, 2006, S. 159
  8. Angela Kreuz, Bandkeramische Landwirtschaft-Tradition und Innovation, in AiD, 2006, Heft 3, S. 26f
  9. Detlef Gronenborn, Letzte Jäger-erste Bauern, in AiD, 2006, Heft 3, S. 18f
  10. Martina Barth, Die Silexartefakte von Baaz-Eine epipaläolithische und neolithische Fundstelle in der Damaskus Provinz, Syrien, PDF, S. 30