Aldenhovener Platte

Die Siedlungsarchäologie liefert ein umfassendes Bild der bandkeramischen Siedlungsgeschichte. Beispielhaft hier die Besiedlung des Merzbachtales: Im Merzbachtal bestanden ursprünglich 6 Siedlungen mit 2-4 Haushalten. Im Laufe von 100 Jahren entwickelten sich 4 davon zu großen Orten mit etwa 10 gleichzeitig bestehenden Häusern (LW 8, WW 17, LN 3, LM 2). Die beiden anderen (AL 3, Altdorf D) beherbergten maximal 3-4 Familien. Die Pioniere hatten besondere Rechte, die Nebensiedlungen waren abhängig und niederrangiger, das lässt sich besonders gut an der hierarchisch gestaffelten Feuersteinversorgung der Orte belegen. Damit ist eine gesellschaftliche Differenzierung nachgewiesen. LW 8 war mit 4 Gebäuden die erste Siedlung der Aldenhover Platte. Innerhalb von 50 Jahren bildeten sich um diese Siedlung Einzelhöfe, teilweise emanzipierten sie sich zu kleinen Weilern mit einer gewissen Unabhängigkeit. Etwa 50 Jahre später wurde die Siedlung in Kückhoven gegründet, ein Beleg für die Ausbreitung von Süden nach Norden.1 Altdorf D scheint sich rückentwickelt zu haben (Grafik auf Seite 3). Die Rohmaterialversorgung wurde schlechter, ein Hinweis auf abnehmende Qualität der gesellschaftlichen Stellung. Die Gründung von Altdorf B scheint kein Zeichen der Expansion zu sein. Vielmehr bedeutet der Spitzgraben auf eine erhöhte Verteidigungsbereitschaft. Üblicherweise wurden bandkeramische Siedlungen mit einem Graben umgeben, es handelt sich dabei um Eingrenzungen, keine Verteidigungswerke. Insofern steht der Spitzgraben für die Zunahme von gesellschaftlichen Konflikten und erhebliche Störungen des sozialen Netzwerks. Ausführlich zur Siedlungsarchäologie des Rheinlandes.

  1. Zimmermann, Meurers-Balke, Kalis, S. 167f