Mesolithische und neolithische Parallelgesellschaften

Aktuelle paläoanthropologische mtDNA-Analysen mesolithischer und neolithischer Bestattungen aus der Blätterhöhle in Hagen belegen, eine über 2000 Jahre dauernde Koexistenz von mesolithischen Jägern und neolithischen Ackerbauern in Nordrhein-Westfalen.1

Bislang wurde angenommen, dass die mesolithischen Jäger und Sammler zu Trägern der bandkeramischen Kultur wurden oder nach Norden in unbewohnte Gebiete abwanderten. Nach Dr. Ruth Bollongino behielten die Nachfahren der mittelsteinzeitlichen Menschen ihre Lebensweise als Jäger und Sammler noch mindestens 2.000 Jahre lang bei und lebten parallel zu den eingewanderten Bauern; erst nach 5.000 Jahren vor heute endete diese Lebensweise.2

Frühere populationsgenetische Studien konnten nachweisen, dass die ersten Ackerbauern Mitteleuropas nicht die Nachfahren der Jäger und Sammler, sondern Einwanderer waren. Es konnte nachgewiesen werden, dass mesolithische Frauen in neolithische Gesellschaften einheirateten, während sich keine genetischen Linien der neolithischen Frauen in mesolithischen Gruppen fanden. Die neuen Isotopenanalysen belegen, dass sich die Wildbeuter in unmittelbarer Nähe zu Ackerbauern aufhielten und über Jahrtausende Kontakt mit ihnen hatten; dabei behielten sie ihre Ernährungsgewohnheiten bei.3

Die heutigen Europäer tragen in ihrer mtDNA genetische Merkmale beider Gruppen.4

  1. Archäologie Online/Steinzeitliche Parallelgesellschaften, Onlineartikel vom 11.10.2013, Uni Mainz/AB
  2. Ruth Bollongino et al.;  2000 Years of Parallel Societies in Stone Age Central Europe, in Scienceexpress, 10. Oktober 2013, PDF
  3. Jens Stubbe, DNA der Hagener Knochenfunde für Studie untersucht, WAZ Lokales Hagen, Onlineartikel vom 10.10.2013
  4. Pressemitteilung Johannes Gutenberg Universität Mainz, Jäger-Sammler und eingewanderte Ackerbauern lebten 2.000 Jahre lang gemeinsam in Mitteleuropa, vom 10. Oktober 2013