Südschwedische Moorfunde

Der Nordteil des südschwedischen → Ringsjön Sees ist heute ein Moor, in dem Torf abgebaut wird. Dieser seichte Teil des Gewässers verlandete unregelmäßig, dabei bildeten sich zahlreiche Inseln, die im Mesolithikum immer wieder aufgesucht und besiedelt wurden. In dem heutigen Moor sind organische Funde hervorragend erhalten. Auch die Siedlungsstellen, Lagerplätze und andere Aktivitätszonen sind, durch den Torf geschützt, in situ erhalten. Im Bereich des ehemaligen Sees finden sich Streufunde. Dabei handelt es sich um Abfälle, Verluste oder absichtliche Deponierungen. Sie finden sich im Bereich der Inseln und am Grund des Sees.

Streufunde

Im Bereich des Seegrundes fanden sich auch mehrere Steine, die als Netzsenker fungierten. Größere Steine mit bis zu 20 – 50 cm Länge werden als Ankersteine gedeutet.

Knochenwerkzeuge sind u.a. Knochenspitzen, teilweise mit Kleberresten, Harpunenspitzen der Maglemose Kultur, Holzschäfte unbekannter Funktion und Schlitzdolche. Schlitzdolche sind Knochenwerkzeuge in Dolchform, die an den Lateralkanten geschlitzt sind, um kleine Feuersteinklingen aufzunehmen. Diese werden als durchgehende Schneide eingeklebt. → Foto

Neun Schneckenhäuser einer marinen Schneckenart, Nassarius reticulatus, besaßen ein eingepicktes Loch, sodass sie als Schmuck getragen werden konnten. Sie müssen von der Küste stammen, sind also ortsfremd. Sie wurden zur Zeit des Boreals eingelagert.

Klingendeponierungen

Ein Klingendepot von 13 Klingen, die zu einem Kern gehörten, wurde in den späten 1940iger Jahren gefunden. Drei weitere Klingendepots bestanden aus 10, 13 und 31 Klingen. Sie lassen sich jeweils einem Kern zuweisen. Die Lage der Klingen ist durch den Torfabbau nicht mehr zu ermitteln, sicher ist nur eine Datierung späte Maglemose/frühe Kongemose Kultur. Ob die Klingen an Land oder im Wasser deponiert wurden, ist unklar.

In die Mitte der Kongemose Kultur datiert eine Deponierung von 108 Klingen. Sie belegen eine hervorragende Klingentechnik, die längste Klinge ist 18 cm lang.

Klingendepot in Fundlage

Klingendepot in Fundlage

Die Klingen wurden horizontal lagernd angetroffen. Die Hauptausrichtung war mit dem Proximalende nach Norden, die Ventralseite nach oben. Sie lassen sich 7 Kernen zuordnen. Innerhalb des Depots lagen die Klingen der einzelnen Kerne geordnet, also bewusst arrangiert. Die Fundstelle selbst, Rönneholm 8, gibt keinen Hinweis auf eine Produktion der Klingen vor Ort.

Aufgrund der Fundumstände wird von einer rituellen/kultischen Niederlegung ausgegangen, da alle Klingen zur Werkzeugproduktion geeignet waren, aber nicht genutzt wurden und in besonderer Weise niedergelegt wurden. Zusammensetzungen haben gezeigt, dass einige der symmetrischsten Klingen fehlen. Das führt zu der Deutung, dass die besten Klingen ebenfalls zu rituellen/kultischen Zwecken genutzt wurden. Vermutlich verbot dieser Hintergrund die Verwendung der restlichen Klingen als profanes Werkzeug.

Fackeln

Bei archäologischen Untersuchungen fielen Hunderte von einseitig angebrannten Hölzern auf.  Sie haben unterschiedliche Längen und sind gespalten worden, sodass sich ein quadratischer oder dreieckiger Querschnitt ergab. Als Holzart wurde Kiefer festgestellt. Sie werden als Fackeln gedeutet. Aus der Tatsache, dass sich viele Fackeln im Bereich der ehemaligen Wasserfläche fanden, wird nächtliches Fischen mit Licht vermutet. Einige fanden sich auch auf den Inseln, im Bereich der Siedlungsstellen, meist liegend, aber auch senkrecht in der Erde steckend, teils mit dem verbrannten Ende nach oben, teils nach unten. Die ältesten datieren ins Präboreal.

Kleine Fundkonzentrationen

Mehr als 100 kleine Fundkonzentrationen wurden im Bereich des Sees gefunden. Ihre Maße bewegen sich zwischen 0,5 und 3 Quadratmetern. Es handelt sich um Feuersteinwerkzeuge, Haselnussschalen, Steine, Knochen, Kieferfackeln und Holzkohle. Meist finden sich im Zentrum der Konzentration Hinweise auf eine Feuerstelle in Form von Holzkohle, verbranntem Feuerstein und verkohlten Haselnussschalen. Oft wurde die Feuerstelle auf einer aufgeschütteten Sand- und Kiesfläche errichtet. Streufunde außerhalb der Konzentrationen sind selten. Diese Plätze müssen in eine Zeit mit Niedrigwasser datiert werden und lagen vermutlich an der damaligen Uferlinie, es sind weitere Funde solcher Plätze zu erwarten. Sie werden der späten Maglemose Kultur zugeschrieben.

Plätze mit organischen und lithischen Funden oder mit Feuerstellen werden als Lagerplätze gedeutet. Ihre Größe variiert von 2,0 x 1,5 Meter großen Stellen bis zu kleinen, mit nur 0,2 Meter Durchmesser. Die Feuerstellen werden nicht als Röststellen gedeutet, es wird vermutet, dass der Rauch die Mücken fernhalten sollte.

Andere Stellen werden als Fackelstellen betitelt. Sie erreichen eine Größe bis etwa 1 Meter im Durchmesser. Die Fackeln haben quadratische oder dreieckige Querschnitte und eine Länge zwischen 5 und 20 cm. Steine und Kies kommen auch vor. Sind auch Feuersteinartefakte vorhanden, so sind sie nicht verbrannt. Es handelt sich bei diesen Stellen sicher nicht um Feuerstellen im herkömmlichen Sinn.

Produktionsstellen sind Stellen der Feuersteinverarbeitung. Sie dienten der Herstellung und Reparatur von Werkzeugen. Hinweise auf Feuerstellen und Behausungen oder Schutzdächer fehlen. Die Größe der Stellen beträgt etwa 2 Meter im Durchmesser. Es handelt sich um kuzfristige Aufenthalte.

Siedlungsstellen

Die größten Siedlungsstellen gehören der Kongemose Kultur an. Sie befinden sich überwiegend auf Inseln, mehr als 500 Meter vom Seeufer entfernt. Die Fundumstände sind außergewöhnlich gut, da die Fundstellen durch das Moor geschützt sind. So befinden sich nahezu alle Funde in situ, geringfügige Verlagerungen durch an ansteigenden Wasserspiegel sind zu vernachlässigen.

So konnten Schlagplätze, Hüttengrundrisse, Feuerstellen und Abfallstellen exakt überliefert werden. Die Siedlungsstellen haben meist nur einige Meter Abstand zueinander, Überlappungen kommen vor. Die Stellen sind meist oval mit einer Ausdehnung von etwa 7 x 12 Metern.

Zahlreiche Pfosten wurden aufrecht im Boden steckend aufgefunden. Es handelt sich um Haselnußschösslinge mit einem Durchmesser zwischen 3 und 4 cm. Das Im Boden steckende Ende wurde einseitig angespitzt. Die Ausgräber vermuten in einigen Fällen kuppelartige Hütten, deren Karkassen aus aufeinander zu gebogenen Schößlingen bestanden. Zelt- oder tipiartige Konstruktionen hätten keine senkrechten Pfosten. Rönneholm 6 ist der eindeutigste Hüttengrundriss und wird in einen späten Abschnitt der Konglemose Kultur datiert. Auf 4 an 7 Metern fanden sich 12.564 Feuersteinartefakte, zusammen 18,4 kg. Im Zentrum der Feuersteinkonzentration fand sich ein ovaler Hüttengrundriss von 3,5 an 4 Metern, ein zentraler Pfosten stützte vermutlich das Dach. Der Boden war in der Mitte leicht erhöht, in Wandnähe wurden größere Feuersteine gefunden, die offenbar als Rohmateriallager dienten. Im zentralen Bereich der Hütte befand sich eine Feuerstelle, etwa 70 cm Durchmesser, gekennzeichnet durch verbrannte Feuersteine und Haselnussschalen. Sitz- und Schlafbereiche zeichneten sich in der feuersteinbedeckten Fläche ab. Außerhalb der Hütte befanden sich zwei Abfallhaufen.

Geschäftete Mikrolithen

Die Fundstelle Rönneholm Mosse lieferte einen Beleg zur Schäftung von Mikrolithen, → Foto. Dicht beieinanderliegend wurden Bruchstücke eines Pfeils gefunden. Teilweise klebten die Mikrolithen noch am Holz, teilweise lagen sie mit Kleberresten in unmittelbarer Nähe. So konnte ein 10,2 cm langes Teilstück des Pfeils mit 4 eingeklebten Mikrolithen lückenlos rekonstruiert bzw aneinandergepasst werden. Eine V-förmige Nut diente der Aufnahme der Mikrolithen. Der Pfeil wurde aus einem einjährigen Haselnussschößling hergestellt. Die Dreiecksmikrolithen sind zwischen 18 und 24 mm lang und 5 bis 6 mm breit.

Skizze Fundlage

Skizze Fundlage

Ein fünfter, in direkter Nähe gefundener, Mikrolith ist vermutlich ebenfalls ein Bestandteil des Pfeils und bildete wohl die Spitze.

Skizze zusammengepasster Pfeil

Skizze zusammengepasster Pfeil

Alle Informationen aus:

Lars Larsson, Arne Sjöström: Bog sites and wetland settlement during the Mesolithic: Research from a bog in Central Scania, Southern Sweden, in Archäologisches Korrespondenzblatt, Mainz, 4/2011, S. 457ff

Eine Kurzfassung der Fundstellenbeschreibung findet sich hier.

Vergleiche auch Sjöström, Arne. 1997. Ringsjöholm. A Boreal–Early Atlantic Settlement in Central Scania, Sweden. Lund Archaeological Review 3/1997, S. 5ff, PDF

und Lars Larsson/Arne Sjöström, Mesolithic research in the bog Rönneholms mosse, southern Sweden, in: Mesolithic Miscellany, September 2010, Volume 21, Number 1, Page 2-9, PDF