Segmente

Segmente, links Vorarbeit, Sammlung Robert Grüttner

Mesolithische Segmente, links Vorarbeit, Finder Robert Grüttner

 

Erste Segmente kommen laut Fiedler schon im afrikanischen Mittelpaläolithikum vor.1 Dabei scheint es sich zumindest teilweise um echte Mikrolithik zu handeln.2 Aus den Pinnacle-Point-Höhlen an der Südwestküste Südafrikas stammen etwa 70.000 Jahre alte segmentartig geformte Artefakte, die als Projektilbewehrung angesehen werden.3

Im europäischen Jung- und Spätpaläolithikum kommen neben Dreiecken vereinzelt auch bogenförmige Rückenmesser vor, deren Form den mesolithischen Segmenten ähnelt.4 Typisch sind Segmente für das Mesolithikum, genauer für das Frühmesolithikum, im Spätmesolithikum fehlen sie weitgehend.5

Segmente gehören zu den geometrischen Mikrolithen, diese Mikrolithen wurden überwiegend in → Kerbtechnik hergestellt.6 Sie haben eine meist gerade Schneide und eine gebogene Rückenretusche, gelegentlich kann die Schneide partiell oder komplett retuschiert sein, die Form kann langschmal bis kurzbreit sein, neben symmetrischen Stücken kommen auch asymmetrische Segmente vor.7

Extrem langgestreckte Segmente mit kaum gebogener Rückenretusche lassen sich teilweise nicht eindeutig von Lanzettspitzen abgrenzen.8 Gelegentlich kommen auch Formen vor, die Merkmale von Dreiecken und Segmenten besitzen.9 Dies können Mikrolithen sein, deren Rückenretusche zwar gebogen ist, aber einen deutlichen Knick aufweist. Gleiches gilt für Mikrolithen, die zwei gerade retuschierte Kanten besitzen, die an Stelle eines deutlichen Knicks  eine Rundung aufweisen. Die folgende Abbildung zeigt einen solchen Mikrolithen, der zwischen einem stark ungleichschenkligem Dreieck und einem asymmetrischen Segment einzuordnen ist.

Bisher fehlen eindeutige Hinweise zur Schäftung von Segmenten im europäischen Mesolithikum. In Südschweden wurden Reste eines Pfeiles mit seitlich aufgeklebten Mikrolithen gefunden. Ein in direkter Nähe liegendes Segment bildete höchstwahrscheinlich die Spitze des Pfeiles. Aus Ägypten stammt ein quergeschäftetes Segment, das als Pfeilschneide fungierte.10 Möglicherweise wurden kleinere Segmente wie Dreiecke als seitliche Widerhaken, mittelgroße als Querschneiden11 und große als Pfeilspitzen12 verwendet.

Fundbeschreibungen →  Vor­ar­beit Seg­ment | Segment/Dreieck | Seg­ment 1 | Seg­ment 2 | Seg­ment 3

  1. Lutz Fiedler/ G. und W. Rosendahl, Altsteinzeit von A bis Z, Publikationen der Reiss-Engelhorn-Museen, Band 44, WBG, Darmstadt, 2011, S. 341
  2. Wikipedia, Howiesons Poort/Technologie
  3. Daniela Zeibig, in Spektrum.de, Onlineartikel vom 07.11.2012, Fortschrittliche Waffen schon vor 71 000 Jahren; Wikipedia/Pinnacle-Point-Mensch
  4. Brigitte Kaulich, Das Paläolithikum des Kaufertsberges bei Lierheim (Gern. Appetshofen, Ldkr. Donau-Ries), in Quartär 33/34, 1983, S. 29–97, S. 78, PDF
  5. Martin Heinen, Mikrolithen, in Floss (Hrsg.) Steinartefakte vom Altpaläolithikum bis in die Neuzeit, Tübingen 2012, Kerns Verlag, S. 609
  6. Martin Heinen, 2012, S. 600
  7. Martin Heinen, 2012, S. 609
  8. Martin Heinen, 2012, S. 609
  9. Joachim Hahn, Erkennen und Bestimmen von Stein– und Knochenartefakten, Archaeologica Venatoria, Band 10, Tübingen, 1991, S. 211
  10. Martin Heinen, 2012, S. 610
  11. A. Tillmann, Boksee 1 A (Schleswig-Holstein) – Ein mesolithischer Fundplatz an der Wende Boreal/Atlantikum, in BAR Int. Ser 280, Oxford, 1986, S. 85
  12. vergleiche → Südschwedische Moorfunde