Zusammenpassungen jungpaläolithischer Grundformen

Zusammenpassung 1 gif

Zusammenpassung 1

Einleitung | Übersicht | Zusammenpassung 1 | Zusammenpassung 2 | Zusammenpassung 3 | Zusammenpassung 4 | Zusammenpassung 5 | Fazit

Einleitung

Die hier an- und aufeinander gepassten Klingen und Abschläge sind durch ihre für das Rheinland typische Patina als jungpaläolithisch zu datieren. Anhaftungen an einigen Stücken belegen, dass die Artefakte ursprünglich in eine Sandlössschicht eingebettet waren.  Alle Artefakte entstammen einer relativ kleinen Konzentration und bestehen aus Maasschotterfeuerstein. Die kleinräumige Fundverteilung sowie mehrere Zusammenpassungen deuten an, dass es sich um Zerlegungsprodukte einer einzigen großen Knolle handeln könnte. Die kräftigen Klingen erreichen eine Länge von bis zu 132 mm. Bisher liegen keine Werkzeuge vor. Das deutet auf einen nur kurzzeitig genutzten Schlagplatz hin.

„Der Befund spiegelt ein typisches Verhaltensmuster steinzeitlicher Jäger während der Jagd wider. Der Höhenrücken diente als Ansitz bzw. als Beobachtungsposten, von dem aus in den Tälern nach Wild Ausschau gehalten wurde. Während die Jäger hier oben saßen und die Umgebung beobachteten, nutzten sie die Zeit zur Verarbeitung von Feuerstein. Hergestellt wurden vornehmlich Klingen, aus denen man erst später an anderer Stelle Werkzeuge herstellte. Dieses Verhalten lässt sich auch für andere, in vergleichbarer topographischer Situation gelegene paläolithische Fundplätze nachweisen …“1

Übersicht

Übersicht

Übersicht der an- und aufeinanderpassenden Grundformen. Die Fundstelle liefert weitere kleinere Grundformfragmente, diese sind hier nicht abgebildet, da keine Zusammenpassungen gelungen sind.

Zusammenpassung 1

Zusammenpassung 1

1 (S 48/7) Länge 70 mm, Breite 109 mm, Dicke 20 mm, Gewicht 91,4 Gramm, SFR Rinde

2 (S 68/8) Länge 79 mm, Breite 42 mm, Dicke 15 mm, Gewicht 42,9 Gramm, SFR ∅

3 (S 55/12) Länge 29 mm, Breite 33mm, Dicke 8 mm, Gewicht 8,7 Gramm, SFR ∅

+ (S 66/24) Länge 53 mm, Breite 36 mm, Dicke 8 mm, Gewicht 12,3 Gramm, Bruch

zusammen Länge 82 mm, Breite 36 mm, Dicke 8 mm, Gewicht 21 Gramm

4 (S 56/13) Länge 113 mm, Breite 37 mm, Dicke 10 mm, Gewicht 39 Gramm, SFR facettiert

Zusammenpassung 1

Zusammensetzung 1 ergibt ein Gesamtmaß von 182 mm an 74 mm, das Gesamtgewicht beträgt 194,3 Gramm.

Zusammenpassung 2

Zusammenpassung 2

1 (S 58/6(16) Länge 133 mm, Breite 40 mm, Dicke 15 mm, Gewicht 67,5 Gramm, SFR facettiert

2  (S 54/11) Länge 51 mm, Breite 33 mm, Dicke 15 mm, Gewicht 23,2 Gramm, SFR ∅

+ (S 57/14) Länge 42 mm, Breite 29 mm, Dicke 8 mm, Gewicht 8,3 Gramm, Bruch

Zusammenpassung 2 ergibt eine Gesamtlänge von 151 mm und ein Gesamtgewicht von 98,6 Gramm.

Zusammenpassung 3

Zusammenpassung 3

1 (S 55/15) Länge 89 mm, Breite 42 mm, Dicke 11 mm, Gewicht 39,5 Gramm, SFR facettiert

2 (S 67/41) Länge 61 mm, Breite 35 mm, Dicke 8 mm, Gewicht 17,4 Gramm, SFR facettiert

Zusammenpassung 4

Zusammen4

1 (S 51/27) Länge 35 mm, Breite 49 mm, Dicke 10 mm, Gewicht 13,6 Gramm, SFR ∅

2 (S 63/11) Länge 41 mm, Breite 61 mm, Dicke 16 mm, Gewicht 35,8 Gramm, SFR facettiert

3 (S 55/15) Länge 61 mm, Breite 73 mm, Dicke 15 mm, Gewicht 51,0 Gramm, SFR facettiert

zus 4

Zusammenpassung 4 ergibt eine Breite von 76 mm bei einem Gesamtgewicht von 100,4 Gramm.

Zusammenpassung 5

Weitere Versuche ergaben, dass Zusammenpassung 1 und 2 ebenfalls aufeinander passen. Dadurch ergibt sich die aus 8 Teilen bestehende Zusammenpassung 5. Die Länge der Zusammenpassung 5 beträgt 273 mm, bei einem Gesamtgewicht von 292,5 Gramm.

Merkmale

Kernform

Fazit

1.) Die teilweise recht stark voneinander abweichende Patina bewegt sich bei allen Stücken im Spektrum typisch jungpaläolithischer Patina. Die Zusammenpassungen zeigen, dass es trotz kleinräumiger Artefaktkonzentration zu erheblichen Abweichungen im Patinierungsgrad zeitgleicher Stücke kommen kann. Unterschiedliche Bodenverhältnisse scheinen hier nicht primär die Ursache zu sein, wahrscheinlich ist eine unterschiedlich schnelle und tiefe Einbettung im Sediment ursächlich.

2.) Bis auf wenige Ausnahmen passt ein Großteil der gefundenen Artefakte an- und/oder aufeinander. Viele der restlichen Grundformen weisen sehr ähnliche Zeichnungen auf, es scheinen nur wenige Abschläge dazwischen zu fehlen. Die Zugehörigkeit zu einem einzigen Kern ist recht sicher. So weist Zusammenpassung 3 große Ähnlichkeit mit Merkmalen von Zusammenpassung 5 (=1+2) auf.

3.) Die bisherigen Zusammenpassungen scheinen den bipolaren Abbau von nur einer Kernfläche zu belegen. Möglicherweise dienten  die Abschläge primär der Präparation eines Vollkerns und nicht der Klingenproduktion. Der Kern könnte nach den Umrissen von Zusammenpasung 5 zu urteilen bootsförmig sein, allerdings fehlen bisher eindeutige Hinweise auf die Bearbeitung weiterer Kernflächen.

An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Dr. Martin Heinen, der die Artefakte für die Zusammenpassungen zur Verfügung stellte.

  1. Martin Heinen, Wegberg-Berg, Kreis Heinsberg – eine späteiszeitliche Jagdstation auf dem Feltenberg, in H. G. Horn (Hrsg.) Neandertaler & Co. Eiszeitjägern auf der Spur – Streifzüge durch die Urgeschichte Nordrhein-Westfalens, Mainz, 2006, S. 230f