Nadeln

Abb. 1 Knochennadeln

↑ Abb. 1 Knochennadeln

Erste Nadeln stammen aus dem frühen Jungpaläolithikum, Aurignacien, besitzen allerdings noch kein Öhr.1 Eine dekorierte Knochennadel stammt vom Abri Lartet, sie wird auf etwa 32.000 Jahre BC datiert.2Foto. Auch im Gravettien treten Nadeln ohne Öhr aus Elfenbein und Knochen auf.3

Erst im französischen Solutréen besitzen die Nadeln ein Öhr.4 In Deutschland stammen die ältesten Nähnadeln aus dem Magdalénien, ihre Verbreitung reicht bis nach Sibirien.5 Abb. 1.1

Knochennadeln wurden bevorzugt aus der Metatarsus, Mittelfußknochen, vom Rentier und der Tibia, Unterschenkelknochen, vom Hasen hergestellt, da diese Knochen besonders stabil und elastisch sind.6 Im Magdalénien ist der Schneehase sehr häufig als Knochenlieferant belegt.7

Die Mittelfußknochen wurden aufgespalten und dienten als Ausgangsmaterial für eine Reihe von Spänen, aus denen die Nadeln hergestellt wurden. Die Späne wurden durch parallel eingetiefte Rillen in Spantechnik gewonnen.8 Abb. 1.5;6

Abb. 2 Elfenbein mit eingeschnittenen Rillen

↑ Abb. 2 Elfenbein mit eingeschnittenen Rillen

Die Nadeln wurden in Form geschnitzt, möglicherweise zusätzlich geschliffen. Ob sie tatsächlich geschliffen wurden, ist fraglich, die Polituren an Fundstücken können durch den Gebrauch entstanden sein. Aus dem Hohle Fels stammt ein Schleifstein, der zumindest der Größe nach dazu gedient haben könnte.9

Knochennadeln des Magdalénien sind meist zwischen 30 und 100 mm lang, da sie leicht brechen und dementsprechend nachgearbeitet wurden, sind die Längenunterschiede wohl auf die Nutzungsdauer zurückzuführen.10 Das Öhr kann durch beidseitiges Einschneiden, Bohren11 oder eine Kombination beider Techniken entstehen. Abb. 1.2;3;4

Abb. 2 Öhr

↑ Abb. 3 Öhr 1 gebohrt, Grotte de Gourdan, Magdalénien 2 eingeschnitten, Replik

Prähistorische Nadeln wurden aus Geweih, Knochen oder Elfenbein hergestellt, hölzerne Nadeln sind ebenfalls denkbar, jedoch fehlen dementsprechende Belege. Knochennadeln kommen noch bis in die Neuzeit vor.

Abbildungsnachweise: Abb. 1.1 J. Jelinek, Das große Bilderlexikon des Menschen der Vorzeit, Prag, 1972, Abb. 317; Abb.1.4 ders. Abb. 319; Abb. 1.5 verändert nach Jelinek Abb. 315; Abb. 1.6 verändert nach Jelinek Abb. 316; Abb. 1.2; 3 und Abb. 3.1 verändert nach Didier Descouens; Abb. 3.2 verändert nach Manfred Pfeifer, Abb. 2 verändert nach G.A. Khlopatchev, Mammoth tusk processing using the knapping technique in the Upper Paleolithic of the Central Russian Plain, in The World of Elephants – International Congress, Rome 2001, PDF, S. 445, Fig 1

  1. Jungpaläolithikum/Aurignacien
  2. Wikipedia/Knochennadel vom Abri Lartet
  3. B. Klima, Übersicht über die jüngsten paläolithischen Forschungen in Mähren, in Quartär 1957/04, S. 120
  4. Lutz Fiedler/ G. und W. Rosendahl, Altsteinzeit von A bis Z, Publikationen der Reiss-Engelhorn-Museen, Band 44, WBG, Darmstadt, 2011, S. 266
  5. Joachim Hahn, Erkennen und Bestimmen von Stein– und Knochenartefakten, Archaeologica Venatoria, Band 10, Tübingen, 1991, S. 289
  6. Joachim Hahn, 1991, S. 249
  7. Jörg Schibler, Knochen, Zahn, Geweih und Horn: Werkstoffe der prähistorischen und historischen Epochen, in Nova Acta Leopoldina NF 94, Nr. 348, 2007, S. 51
  8. Joachim Hahn, 1991, S. 288
  9. Joachim Hahn, 1991, S. 288f
  10. Joachim Hahn, 1991, S. 289
  11. Joachim Hahn, 1991, S. 289