Magdalénien

 

Schwimmende Rentiere, nach Wikimedia Discott

Schwimmende Rentiere, nach Wikimedia Discott

Das Magdalénien wird auf etwa 18.000-12.000 Jahre BC datiert. Es ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung des mittleren Jungpaläolithikums. Dies zeigt sich nicht nur an den Stein-, Knochen- und Geweihartefakten, auch der Kunststil entwickelte sich weiter.

Verbreitung

Ver­brei­tung Magdalénien

Ver­brei­tung Magdalénien, nach Sémhur/Furfur / Wi­ki­me­dia Com­mons / CC-BY 3.0

Werkzeuge

Die Steingeräte des Magdalénien wurden meist aus der Grundform Klinge gefertigt. Rückenmesser, auch Kerbspitzen, sind typisch. Kurze Kratzer, Klingenkratzer, Sti­chelZin­ken und Feinbohrer  sowie ausgesplitterte Stücke dienten vornehmlich der Knochen-, Geweih- und Elfenbeinbearbeitung.1 Alfred Rust fand bei seinen Grabungen in → Poggenwisch und Meiendorf sogenannte „Riemenschneider“. Es handelt sich um Rengeweihstücke mit einem durchgehenden Schlitz, in den Kerbspitzen oder Klingen eingesetzt wurden. Mit der Spitze der Einsätze wurde vermutlich Leder in Form geschnitten. Daher die von Rust gewählte Ansprache.2 Auch → Harpunen aus Rengeweih fanden sich bei den Grabungen.

Während Rust eine Wangenschäftung der Kerbspitzen annimmt, führt Lund gute Argumente für Schäftungen bestimmter Kerbspitzen in eine seitliche Nut an,3 dadurch werden auch die gelegentlich auftretenden Hohlkerben gegenüber der Kerbe erklärt.4

Kerbspitze, Schäftungsvarianten

Kerbspitze, Schäftungsvarianten5

Jagdwaffen

Sowohl die → Speerschleuder als auch Pfeil und Bogen sind im Magdalénien (bisher) erstmalig nachgewiesen. Hier ist aber davon auszugehen, dass beide Erfindungen länger bekannt waren, als bisher belegt. Hinweise darauf geben zum einen die aufwendig verzierten Speerschleuderstäbe. Es handelt sich nicht um einfache Prototypen, sondern um eine technisch ausgereifte und sehr wertgeschätzte Waffen, was sich aus den aufwendigen Schnitzereien ableiten lässt. Daraus kann eine längere Laufzeit dieser Waffe zumindest vermutet werden. Dementsprechend werden die älteren Gravettspitzen oft als Indiz, nicht als Beweis angeführt. Insofern könnten sie schon ins Gravettien datieren.

Bei den Grabungen in Meiendorf, Hamburger Kultur, fand Rust Tierknochen mit Schusslöchern. Ein Großteil dieser Einschüsse war auf steinerne Pfeilspitzen zurückzuführen.6 Dies ist der erste sichere Nachweis von Pfeil und Bogen, bei den Kerbspitzen handelte es sich um Pfeilspitzen. Die zahlreichen jungpaläolithischen Knochenspitzen, insbesondere die mit gespaltener Basis, dürften ebenfalls als Pfeilspitzen fungiert haben.

Ein weiterer indirekter Beleg sind die technisch ausgereiften spätpaläolithischen Pfeile der Ahrensburger Kultur. Sie müssen einfachere Vorläufer gehabt haben. Die Pfeile bestanden aus Hauptschaft und Vorschaft, beide durch eine vermutlich umwickelte Steckverbindung zu einem Pfeil zusammengesetzt.7 In der holzarmen Zeit war der 80 cm lange  Hauptschaft ein wertvolles Gut, flüchtete das angeschossene Wild, so löste er sich und ging nicht verloren. Wahrscheinlich stellen die Pfeile von Stellmoor eine Weiterentwicklung einfacher, einteiliger Pfeile dar. Ein weiteres Indiz für eine längere Laufzeit von Pfeilen ist deren unterschiedliche Ausformung. So wurden in der Kulturschicht sowohl Pfeile mit einer Pfeilspitze aus Feuerstein, als auch lediglich angespitzte ohne Bewehrung gefunden.8 Damit wäre eine längere Laufzeit der Bogenwaffe durchaus wahrscheinlich, auch wenn bisher organische Funde aus dem Jungpaläolithikum fehlen. Zu Pfeil und Bogen sowie Pfeilschleudern ein Link aus der Experimentellen Archäologie.

Steckschäftung Stielspitze, nach Rust

Steckschäftung Stielspitze, nach Rust9

Links

Gön­ners­dorf | Tierdarstellungen Gönnersdorf PDF
Büt­ten­loch
Fund­platz Gön­ners­dorf
Schicht V Ander­nach Text und Abbil­dun­gen
Magdalénien des Abri Gandil

  1. Jürgen Thissen, Paläolithische und mesolithische Fundplätze im Kreis Neuss, in Fund und Deutung, Neuss, 1994, S. 25
  2. Alfred Rust, Vor 20.000 Jahren, Rentierjäger der Eiszeit, 2. Aufl., Neumünster, 1962, S. 124f
  3. Marquardt Lund, Schäftungsweisen und Wirkung von Stein-Projektilspitzen: Archäologische Befunde, ethnographische Beobachtung und Experiment, Magisterarbeit, Hamburg 1993, S. 60ff,  PDF
  4. Lund, Marquardt: Vorschäfte für Kerbspitzen der Hamburger Kultur. – Archäologisches Korrespondenzblatt 23, 1993, p. 405-411, Abb. 3, PDF
  5. links nach Rust, rechts nach Lund, S.62
  6. Alfred Rust, 1962, S. 126ff
  7. Alfred Rust, 1962, S. 190
  8. Alfred Rust, 1962, S. 190
  9. Rust, 1962, S. 189