Jungpaläolithische Dreiecke

Erste Dreiecke treten schon im mittleren Jungpaläolithikum auf, die Kerbtechnik ist dabei ab dem Magdalénien belegt.1 Höck beschreibt für das Magdalénien 6 Typen. Typ 1 ist der häufigste und besitzt eine unmodifizierte Schneide, wie die überwiegende Zahl der mesolithischen Dreiecke. Bei den anderen Typen ist die Schneide im Spitzenbereich retuschiert oder auf ganzer Länge, daneben kommen gekerbte bzw gezähnte Schneiden vor. Neben gleichschenkligen Dreiecken kommen ungleichschenklige Dreiecke vor, in den meisten Inventaren überwiegen letztere, innnerhalb dieser Gruppe dominieren stark ungleichschenklige Dreiecke.2

Hypothetische Schäftungstypen

Hypothetische Schäftungsvarianten

A: Harpune mit eingeklebten Dreiecken

B: Harpune mit zusätzlicher Bindung

C: Dreiecke in Birkenpech eingeklebt

D: Dreiecke zusätzlich eingenutet

E: Dreiecke eingeklebt mit Bindung

Bislang ist die Verwendung der Dreiecke im Jungpaläolithikum nicht belegt, da entsprechende Fundzusammenhänge fehlen. Somit kann nur vermutet werden, dass die Dreiecke in die seitlichen Nuten der Geweih- und Knochenspitzen eingeklebt wurden, Typ A. Beinerne Geschossspitzen mit eingeklebten Dreiecken und Rückenmessern wurden bei Grabungen in Olenij Ostrow, Russland, dokumentiert, das Gräberfeld wird als frühneolithisch angesprochen.3

Im skandinavischen Raum sind verschiedene Ausführungen von Harpunenspitzen aus Geweih und Knochen gut belegt. Meist handelt es sich um eingeklebte Rückenmesser oder Einfache Spitzen. Die Schäftungen entsprechen teiweise Typ A. →  Har­pu­nen mit Mikrolithen

Eine zusätzliche Bindung würde die gekerbten bzw gezähnten Schneiden von Dreiecken erklären, Typ B. Einige Geweihharpunen des Magdalénien zeigen Verzierungen, die als angedeutete Bindung interpretiert werden könnten.4

Geschossspitzen ohne Nut könnten auch nur in Birkenpech gebettete Dreiecke als Spitze besessen haben, Typ C. Diese Schäftungsweise ist bei den San, afrikanische Buschmänner, bis zum letzten Viertel des 19. Jahrhunderts belegt, paarweise wurden Dreiecken ähnelnde Mikrolithen in eine Kittmasse eingeklebt, ohne den Schaft zu berühren.5

Denkbar wären auch Kombinationen der Typen untereinander und Kombinationen mit Rückenmessern.

  1. Christiane Höck, Dreiecke des Magdalénien, in Floss (Hrsg.) Steinartefakte vom Altpaläolithikum bis in die Neuzeit, Tübingen 2012, Kerns Verlag, S. 499
  2. Christiane Höck, 2012, S. 500ff
  3. Maquard Lund, Schäftungsweisen und Wirkung von Stein-Projektilspitzen: Archäologische Befunde, ethnographische Beobachtung und Experiment, 1993, S. 112ff
  4. Christiane Höck, 2012, S. 504
  5. Maquard Lund, 1993, S. 28f