Grab Sungir 1

Sungir 1, nach Bahder 1967

Sungir 1, verändert nach Bahder 1967

Literatur: O. N. Badhder, Eine ungewöhnliche paläolithische Bestattung in Mittelrußland, in Quartär 1967/13, S. 191ff, PDF

1955 wurde gut 60 cm unter einem schlecht erhaltenen Frauengrab das ungewöhnlich reich ausgestattete Grab eines etwa 60 Jahre alten Mannes entdeckt. C-14-Analysen ergaben ein Alter von etwa 23.000 Jahre BC, Gravettien.1 Der Tote lag auf dem Rücken mit dem Kopf in nordöstlicher Richtung auf einem 50 cm starken Bett aus Feinsand.  Die Grabgrube war mit Kohle und rotem Ocker, Anm. Hämatit, bestreut worden.  Eine weitere, gut 3 cm dicke Ockerschicht bedeckte das Grab vollflächig. Vermutlich steht das darüberliegende Frauengrab im Zusammenhang mit der Bestattung und ist nicht zufällig an gleicher Stelle errichtet worden, evtl ist auch die Blickrichtung der Frau, zum Boden bzw zum darunterliegenden Grab, nicht willkürlich gewählt.

Schmuck

Der Tote war mit sehr reich verzierter Kleidung bestattet worden. Ein durchbohrter Anhänger aus Stein befand sich im Bereich des Brustbeins, um den Kopf zogen sich drei Perlenbänder aus Mammutelfenbein. Brust, Arme und Beine waren ebenfalls mit Perlen aus Mammutelfenbein bedeckt. Die gute Erhaltung zeigt, dass die Perlen kettenförmig aufgenäht bzw als Kette befestigt waren. Insgesamt wurden über 3000 Perlen gezählt. An den Handgelenken und im Bereich der Oberarme trug er insgesamt 20 Armreifen aus Mammutelfenbein.

Hände, verändert nach Bahder 1967

Hände mit Armreifen, verändert nach Bahder 1967

Kleidung

Aus der Verteilung und Lage der Elfenbeinketten kann die Kleidung rekonstruiert werden. Die Perlen im Kopfbereich waren vermutlich auf eine Mütze aufgenäht. Die Verteilung der Perlen am Oberkörper lässt auf eine geschlossene Oberbekleidung schließen, vergleichbar mit den traditionellen Fellparkas der Eskimos. Die Perlenverteilung an den Beinen lässt auf Hosen mit angenähten Schuhen schließen.

Rekonstruktion nach Müller-Beck, Urgeschichte in Baden-Würtemberg, 1983

Rekonstruktion nach Müller-Beck, Urgeschichte in Baden-Würtemberg, 1983

  1. Wikipedia/Sungir