Aurignacien

bilder steinzeit

Flöte Vogelherd, Landesmuseum Bonn

Das Aurignacien begann in einer kalten Phase der letzten Eiszeit, um 40.000 Jahre BC, und endete nach dem Denekamp-Interstadial in einer erneuten Kälteperiode, 28.000 Jahre BC. Es ist der älteste Abschnitt des Jungpaläolithikums. Eine Momentaufnahme der Tierwelt vor etwa 35000 Jahren liefern die → Artikel: Trittsiegel von Bottrop.

Verbreitung

Verbreitung Aurignacian, nach Sémhur / Furfur / Wikimedia Commons / CC-BY 3.0

Verbreitung Aurignacien, nach Sémhur/Furfur / Wikimedia Commons / CC-BY 3.0

Artefakte

Im Aurignacien wurde ein Großteil der Werkzeuge aus Klingen gefertigt. Zudem traten neue Werkzeugtypen auf, die im Mittelpaläolithikum nicht vertreten waren. Klingen und Lamellen herrschen vor;1 Klingenkratzer übernahmen zusammen mit kantenretuschierten Klingen die schneidend-schabende Funktion der Schaber. Bogenstichel, ausgesplitterte Stücke  und Lamellen ergänzten zusammen mit beinernen Geschossspitzen den Werkzeugbestand.2  Aus diesem Zeitabschnitt sind zunehmend Knochen- und Geweihartefakte gefunden worden. Auch intensive Elfenbeinnutzung ist nachgewiesen → PDF. Es ist jedoch fraglich, ob das auf eine zunehmende Bedeutung dieser Materialien als Werkstoff hinweist oder ob die Erhaltungsbedingungen nur besser waren. In diesen Zeitabschnitt fallen auch die ersten Flöten → PDF.

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Lommersum

Der Fundplatz Lommersum ist ein Jagdlager. Zur Zeit der Besiedlung(en) erstreckte sich nördlich der Eifel eine Grassteppe, durchbrochen von lichten Wäldern an den Flüssen aus Fichte, Weide und Wachholder. Das lässt sich durch Holzkohlen am Siedlungsplatz nachweisen. Gejagt wurden dort im Frühjahr 36 Rentiere und 10 Pferde, sowie je ein Murmeltier, Eisfuchs, Wolf, Höhlenlöwe und Vielfraß. Das entspricht einer Fleischmenge von mehr als 5 Tonnen, daher ist eine mehrmalige Belegung wahrscheinlich. Die Langknochen wurden alle zerschlagen, um das Mark zu entnehmen. Dieses wurde vermutlich in mit Haut oder Fellen ausgelegten Gruben gekocht. Dazu erhitzte man Wasser mit heißen Steinen. Nach dem Erkalten setzte sich das Mark an der Oberfläche ab. Inuit und Praerieindianer mischten Dörrfleisch und Trockenobst hinzu, dieses Pemikan war sehr nahrhaft, haltbar und damit ein hervorragender Reiseproviant. Eine ähnliche Verwendung ist auch für das Aurignacien denkbar. Zumindest wurden auf vielen jungpaläolithischen Fundstellen solche Gruben entdeckt. 3 Im Rheinland sind Fundplätze rar.4

Links

The Early Aurignacian in central Europe and its place in a European perspective

The cultural context of the Aurignacian of the Swabian Jura

The Swabian Aurignacian and its place in European Prehistory

Langmannersdorf/Österreich
Aquitanien
Sesselfelsgrotte
Schwäbische Alb

  1. Leif Steguweit, Retuschierte Lamellen im Inventar der Aurignacien-Station Alberndorf (Niederösterreich), in Acta Archaeologica Carpathica, 2007-2008, S. 7ff, PDF
  2. Jürgen Thissen, Paläolithische und mesolithische Fundplätze im Kreis Neuss, in Fund und Deutung, Neuss, 1994, S. 22
  3. Joachim Hahn, Eine jungpaläolithische Feuerstelle aus Lommersum, Kreis Euskirchen, in Beiträge zum Paläolithikum im Rheinland, Rheinische Ausgrabungen, Band 11, Bonn, 1972, S 56 ff
  4. Martin Heinen, Paläolithische Fundplätze und Funde im ehemaligen Kreis Erkelenz, in Archäologie im Kreis Heinsberg II, Geilenkirchen, 1995, S. 43