Breitschneidige Beilplanke

Von Jürgen Wiedwald

Fundort Insel Møn, Dänemark

Fundort Insel Møn, Dänemark, Finder Jürgen Wiedwald

 

Diese Planke, eine Vorarbeit für ein Feuersteinbeil, ist in die dänische Dolchzeit zwischen 2.400 bis 1.800 BC zu datieren. Diese endneolithische Periode der nordischen Steinzeit, die als Dolchzeit, Dolktid, bezeichnet wird, erstreckt sich über Südskandinavien, insbesondere Dänemark, und in Norddeutschland über Schleswig-Holstein, Teile Niedersachsens und Mecklenburgs. Gebietsweise endet die Dolchzeit erst 1600 BC. Gegen Ende dieser Periode machen sich schon erste Anzeichen der im Anschluss einsetzenden Bronzezeit bemerkbar.

Länge 106 mm, Breite 55 mm, Dicke 23 mm, Gewicht 144 Gramm

Länge 106 mm, Breite 55 mm, Dicke 23 mm, Gewicht 144 Gramm

 

Bei einer Planke handelt es sich um eine  Vorarbeit zu einem Beil. Zunächst wurde eine  Feuersteinknolle mit einem Schlagstein grob in Form geschlagen. In weiteren Arbeitsgängen entstand die Planke, die bereits sehr deutlich die Form der fertigen Beilklinge erkennen lässt.

Dergestalt zugerichtete Planken kamen als Tauschgut in Umlauf. Da bei dieser Vorarbeit der Schliff gänzlich fehlt, kann davon ausgegangen werden, dass sie ein Handelsgut war. Der Schliff erfolgte üblicherweise erst durch den Endabnehmer.

Der Typ dieser breitschneidigen Flintbeilklinge der Dolchzeit wird als Dicknackenbeil beschrieben, der Längsschnitt weist die Form eines v-förmigen Keils auf. Die breiten Schmalseiten sind gleichmäßig konkav  eingezogen, die Ecken ragen deutlich aus. In diesem Zeitabschnitt der Dolchzeit weisen die Beile diesen Typs oft nur geringen Schliff auf den Flächen, und fast nie an den Schmalseiten auf. Das unterscheidet diese Beilklingen von den mittel- und süddeutschen Beilklingen, die in der Regel vollständig überschliffen waren. Grundsätzlich wird angenommen, dass der vollständige Schliff die Lebensdauer einer Beilklinge erhöht, da die Schlagenergie gleichmäßiger abgeleitet werden kann.

Die hier vorgestellte Planke vereint die Merkmale zweier eigenständiger Beiltypen.

Schematische Abbildung Jürgen Wiedwald, nach Lykke Johansen, Flint fra Danmarks oldtid, Abbildung 170/171

Schematische Abbildung Jürgen Wiedwald, nach Lykke Johansen, Flint fra Danmarks oldtid, Abbildung 170/171

 

Die Planke besitzt die typische Keilform der Abbildung 170 und  die deutlich herausragenden Schneidenecken der Abbildung 171. Obwohl die Merkmale zweier Beiltypen hier vereint sind, handelt es sich wohl nicht um einen eigenständigen Typ.

Die ausschweifenden Ecken imitieren die ersten vereinzelt auftretenden Bronzebeile. Diese ersten Bronzebeile waren selten und kostbar, es kann davon ausgegangen werden, dass es sich um Statussymbole handelte. Ein solches Bronzebeil versuchte der Steinschmied nachzubilden. Insofern handelt es sich wohl um mehr als eine einfache Beilplanke.

Vergleich mit einer Bronzebeilklinge, nicht maßstabsgetreu

Vergleich mit einer Bronzebeilklinge, nicht maßstabsgetreu

 

Hinweise auf die Schäftung sind naturgemäß bei einer Vorarbeit nicht vorhanden.

Zeichnung Lykke Johansen

Zeichnung Lykke Johansen

Erst Polituren im Nackenbereich können eine Schäftung nachweisen. Mikropolituren der Schneide lassen durch ihre Ausrichtung Rückschlüsse auf die Nutzung als Querbeil oder Parallelbeil zu. Querbeile werden als Dechseln bezeichnet. Bei diesem Beil hätte es sich wohl um ein Parallelbeil gehandelt, wäre es fertig gestellt worden.

 

Danksagung

Einen herzlichen Dank an Steen Agersø, der mir bei vielen Fragen rund um die nordische Steinzeit immer wieder hilfreich zur Seite steht, insbesondere bei Übersetzungen der dänischen Fachbegriffe ist er mir eine unverzichtbare Hilfe.

Nicht zuletzt möchte ich mich bei Lykke Johansen für ihre großzügige Zusage zur Verwendung ihrer Zeichnungen bedanken und bei Peter Vang Petersen für die Vermittlung des Kontaktes.

Schrägansicht, Finder Jürgen Wiedwald

Schrägansicht, Finder Jürgen Wiedwald

 

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