Spitz ausgezogener Napoleonshut

Fotomontage mit Läufer

Fotomontage mit Läufer

Epoche

Eisenzeit – Spätlaténezeit

Ansichten

Napoleonshut, Finder Friedrich Reinecke

Napoleonshut, Finder Friedrich Reinecke

Maße, Gewicht, Material

Höhe 38 cm, erhaltene Länge 23 cm, Breite 14,5 cm, Gewicht 8 Kilogramm, Mayener Basaltlava

Beschreibung

Aufgrund der Umrissform werden diese eisenzeitlichen Unterlieger als Napoleonshüte bezeichnet. Es handelt sich um einen Mahlstein, ein Bestandteil einer Schiebemühle zum Mahlen von Korn. Die Napoleonshüte wurden in den Boden eingelassen, damit sie beim Mahlvorgang nicht verrutschten.

Rekonstruktion, eisenzeitlicher Hof, LVR Außenstelle Titz

Rekonstruktion, eisenzeitlicher Hof, LVR Außenstelle Titz

Napoleonshüte mit extrem konkav einschwingenden Seiten wurden ausschließlich im Mayen-Kottenheimer Basaltlavagebiet gefertigt.1 Die Länge der Mahlfläche lag zwischen 40 und 60 cm,2 der hier beschriebene Napoleonshut ist also schon deutlich abgearbeitet; durch die verjüngte Form verkleinerte sich die Mahlfläche durch den Abrieb stärker als bei Unterliegern mit senkrechten Seiten.

Wie schon durch die Datierung angedeutet, handelt es sich um einen Typ, der gegen Ende der Eisenzeit aufkam, Typ 5 nach Hörter, siehe Grafik.

Getreidereiben und Mühlsteine aus der Eifel

Nach Fridolin Hörter, Getreidereiben und Mühlsteine aus der Eifel – Ein Beitrag zur Steinbruch- und Mühlengeschichte, Mayen 1994, S. 15

Fundgeschichte

von Friedrich Reinecke

Zwischen Braunsrath, nahe Heinsberg im Rheinland, und Kirchhoven, ebenso da, radelte im Jahre 1991 eine Familie mit dem Fahrrad über windumtoste Höhen (ca 60m ü. NN). Vorneweg das körperlich stärkste Glied – der Alphamensch der Familie. Dahinter eine fluchende Ehefrau und zwei meckernde Kinder. Kaum war der höchste Punkt des Weges überschritten (oder überfahren), stach ein Objekt am Wegesrand in die Augen des Chefs. Irgendwie passten die Umrisse in ein bekanntes Raster und das Gehirn befahl, eine Vollbremsung einzuleiten. Die Überraschung im hinteren Glied der Reihe war groß und um ein Haar hätte sich ein Drama in Form eines Auffahrunfalls abgespielt.

Nachdem sich die Aufregung gelegt hatte, wurde das Teil begutachtet. Es handelte sich um einen anständigen Brocken Stein mit einer gehörigen Portion Erde verschmiert. Ein Landmann mochte ihn scheinbar nicht auf seinem Acker und hatte ihn entfernt. Aber diese Form……

Also bekam die Ehefrau den Brocken als Zuladung auf ihr Fahrrad. Schlecht, wenn man als einziger einen Korb montiert hat. Unter Gemecker und Beschwerden ging es nun nach Hause. Dort wurde gleich der Schlauch herausgeholt und dann „Wasser marsch“.

Ja, dann hat sich bestätigt, was das Auge gemeldet hatte. Nix Beton oder so, sondern ein allerfeinstes Stück Handwerkzeug aus alten Zeiten. Etwas verbraucht und auch angeschlagen, aber es hat die Zeit weitgehend unbeschadet überstanden.

  1. Fridolin Hörter, Getreidereiben und Mühlsteine aus der Eifel – Ein Beitrag zur Steinbruch- und Mühlengeschichte, Mayen, 1994, S. 20
  2. Nicole Kegler-Graiewski, Mahl- und Schleifsteine, in Floss (Hrsg.) Steinartefakte vom Altpaläolithikum bis in die Neuzeit, Tübingen 2012, Kerns Verlag, S. 783