„Speerspitze“

Epoche

Endneolithikum bis Bronzezeit

Ansichten

Speerspitze, Dolch

Maße, Gewicht, Material

Länge 77 mm, Breite 23  mm, Dicke 7 mm, Gewicht 12,75 Gramm, Nordischer Feuerstein

Beschreibung

Dieses Artefakt wurde vom Museum Randers, Dänemark, als „Speerspitze“ bestimmt. Ausschließlich in Norddeutschland bis Dänemark sind solche Stücke verbreitet. Sie werden in die Dolchzeit, Endneolithikum bis beginnende Bronzezeit datiert. Die Ansprache als „Speerspitze“ ist jedoch mehr als fraglich. Bisher fehlen Befunde mit erhaltener Schäftung, daher ist es spekulativ, von einer Stangenwaffe auszugehen. Genauso gut ist eine Schäftung als Dolch in einem Feder- oder Lappengriff denkbar.

Die geringe Stärke dieser Artefakte spricht gegen eine Verwendung als Wurfgeschoss, die Bruchgefahr wäre extrem hoch. Es erscheint mehr als fraglich, ob der hohe Herstellungsaufwand betrieben wurde, um ein möglicherweise nur einmal nutzbares Kompositwerkzeug zu fertigen. – Gleiches gilt auch für die wiederholt als Speerbewehrung angesprochenen Blattspitzen des Jungpaläolithikums. – Zudem scheinen steinerne Bewehrungen von Speeren nur im Mittelpaläolithikum wahrscheinlich. Abgesehen von Speerspitzen aus Geweih und Knochen sind die frühesten gesicherten Speerspitzen aus Bronze und damit nicht mehr steinzeitlich.

Die Schäftung als Dolch erscheint plausibel, die „Speerspitzen“ entsprechen den üblichen Maßen der Dolchblätter von Kerndolchen. Die Frage, ob es sich um eigenständige Typen handelt, ist nicht per se zu beantworten, es sind nur relativ wenige Exemplare bekannt, auch dieser Umstand spricht gegen die Artefaktkategorie „Speerspitze“, die auch in keiner Typenliste auftaucht. Möglicherweise handelt es sich um Exemplare, die bei der Herstellung oder Nutzung gebrochen sind. War das Blatt noch ausreichend groß, musste nur die Basis nachgearbeitet werden, um einen Holz- Geweih- oder Knochengriff anzufügen.

Aus oben genannten Gründen wird das vorgestellte Artefakt hier als vermutliches Dolchblatt angesprochen.

Fundgebiet

Sandiger Hügel in Zentral-Mecklenburg.

Beifunde

Endneolithische Steinartefakte und Trichterbecher-Keramik.