Sicheln

Flächenretuschierte Feuersteinsichel – Fladehugget Flintsegl

 Von Jürgen Wiedwald

neolithikum

Fund­ort: Insel Møn, Dänemark

 

neolithikum

Zeichnung Sichel

Das Neolithikum erreichte den Norden erst relativ spät, etwa um 3900 BC und endete dort gegen 1700 BC. Dieser Zeitabschnitt wird in Dänemark „Bauern-Steinzeit“ – „Bonde-Stenalderen“ genannt. Die mesolithischen Jäger der Ertebölle-Kultur in Dänemark hatten schon lange Kontakt zu den Menschen in Mitteleuropa, die bereits sesshaft waren und Ackerbau und Viehzucht betrieben. Dennoch begannen die Menschen im Norden erst um 3900 v. Chr. ihr Land urbar zu machen, um sich damit eine zuverlässige Bezugsquelle der Versorgung mit Nahrung zu erschließen. In den Küstengebieten kamen als wichtiger Bestandteil der Nahrung Meeresfrüchte wie Fisch, Seeigel und Krebse hinzu, im Inland die Süßwasserfischerei.

Zum Ende der nordischen Jungsteinzeit, im Übergang zur Bronzezeit, erreichte die Flintbearbeitung ihren Höhepunkt. In diese Zeit, etwa 2000  bis 1800 BC ist diese meisterlich bearbeitete Kornsichel aus Feuerstein ist zu datieren. Bei einer ursprünglichen Länge von 12 cm beträgt die maximale Dicke nur 8 mm. Es handelt sich um ein herausragend gearbeitetes Stück, das deutlich über die rein funktionale Formgebung hinaus, handwerklich formvollendet, auch ästhetischen Aspekten gerecht wird.

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Schrägansicht

 

Die vorgestellte Feuersteinsichel weist ausgeprägten Sichelglanz auf. Dieser Glanz, allgemein auch Lackglanz genannt, entsteht durch intensiven Gebrauch. Beim Schneiden von kieselsäurehaltigen Pflanzen, hierzu gehören Gräser wie Getreide oder Schilf, entsteht durch die Kieselsäure eine Politur, die zu starken Glanz führen kann. Damit ist belegt, dass es sich bei dieser Sichel um ein tatsächlich benutztes Arbeitsgerät handelt.

Ein weiteres Exemplar, Einzelfund, Mecklenburg-Vorpommern:

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Eine weitere Sichel aus Ost Holstein:

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