Schlagflächenpräparation, Mittelpaläolithikum

Epoche

Altsteinzeit – Mittelpaläolithikum

Foto

Abschlag mit facettierter Schlagfläche

Abschlag mit facettierter Schlagfläche

Maße, Gewicht, Material

Länge 37 mm, Breite 47 mm, Dicke 12 mm, Gewicht 19,7 Gramm, Feuerstein patiniert

Beschreibung

Bei diesem Stück handelt es sich um einen missglückten Abschlagversuch. Der Trennschlag war zu flach angesetzt, dadurch wurde die Schlagenergie nicht nach unten geleitet, was zur Folge hatte, dass der Abschlag im Wesentlichen nur aus dem Bulbus besteht. Ein Schlagunfall, der auch geübten Steinschlägern nicht unbekannt ist.

Im Gegensatz zu dem Ergebnis zeigt die Schlagflächenpräparation das ganze Können des Steinschlägers. Zunächst wurden von der Abbaukante her zwei Abschläge getätigt, die schräg aufeinander zulaufen. Dadurch wurde der Schlagpunkt seitlich freigelegt. Eine Serie sehr feiner, paralleler Abschläge legte den vorderen Bereich des Schlagpunkts frei. Die Breite dieser Abschlagbahnen beträgt in etwa 3 mm. Durch diese Präparation des Schlagpunktes ergibt sich eine aufgewölbte Schlagfläche, die an einen Napoleonshut erinnert und cha­peau de gen­darme genannt wird.1

Schlagflächenpräparation

Schlagflächenpräparation

Fundgebiet

Bach­ufer am Fuße eines Hügels, Weg­berg, Kreis Heinsberg.

Bei­funde

Zahl­rei­che Werk­zeuge und Werk­zeug­frag­mente sowie Abschläge und Kerne zeu­gen von einem län­ge­ren Auf­ent­halt einer Gruppe. Der Platz wurde ver­mut­lich nur ein­ma­lig belegt, da die Funde sich auf einer rela­tiv klei­nen Flä­che kon­zen­trie­ren. In der nähe­ren Umge­bung fin­den sich an erhöh­ten Punk­ten ein­zelne Arte­fakte, meist Ein­zel­funde. Ob sie eben­falls zu dem Lager­platz gehö­ren, ist noch unklar.

  1. Ha­rald Floss, Grund­be­griffe der Ar­te­fakt­mor­pho­lo­gie und der Bruch­me­cha­nik, in Floss (Hrsg.) Stein­ar­te­fakte vom Alt­pa­läo­li­thi­kum bis in die Neu­zeit, Tü­bin­gen 2012, Kerns Ver­lag, S. 123f