Prunkbeilimitation?

Beil

Sammlung Ulrich Leeser

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Prunkbeilimitation

Maße, Gewicht, Material

Länge 146 mm, Breite 40 mm, Dicke 13 mm, Gewicht 86,7 Gramm, Westischer Feuerstein

Beschreibung

Diese Beilklinge ist in mancherlei Hinsicht bemerkenswert. Zunächst fällt der unvollständige Schliff auf. Außer dem Schneidenbereich sind nur die medialen Partien der Breitseiten sorgfältig geschliffen. Die Lateralkanten zeigen beidseitig noch die Negative der Zurichtung. Die auslaufenden Enden der Negative sind grob überschliffen. Die Lateralkanten sind ungeschliffen, ausgenommen ein etwa 2 cm langer Abschnitt im schneidennahen Bereich, hier handelt es sich aber offensichtlich nur um eine reine Korrektur der Umrissform.

Grob überschliffenes Negativende, vergößert

Grob überschliffenes Negativende, vergößert

Im weiteren Verlauf, parallel zur Längsachse wird der Schliff feiner. Dabei überlagert der Feinschliff den groben, nicht umgekehrt. So lässt sich die Abfolge der Bearbeitungsschritte ablesen: Nach dem Zuschlagen des Rohlings erfolgte ein Grobschliff, anschließend wurde vornehmlich der mediale Bereich der Breitseiten feingeschliffen.

Von grob zu fein

Von grob zu fein, vergrößert

Aus fertigungstechnischer Sicht wäre ein flächendeckender Schliff des gesamten Beilkörpers ohne weiteres möglich gewesen. Entweder handelt es sich um ein nicht fertig gestelltes Halbfabrikat oder die lateralen Negative wurden bewusst vom Schliff ausgenommen. Beilklingen liegen in unterschiedlichen Qualitäten als Halbfabrikate vor – grob zugeschlagen bis hochfein nachgearbeitet. Gelegentlich weisen Beilklingen auch nur einen Teilschliff im Schneidenbereich auf. Die hier vorgestellte Beilklinge hebt sich jedoch deutlich davon ab. Möglicherweise wurden die lateralen Negative nicht überschliffen, um die Kunstfertigkeit des Steinschlägers zu dokumentieren, das ist jedoch rein spekulativ.

Festzuhalten bleibt, dass diese Beilklinge aus dem üblichen Rahmen fällt. Allerdings existiert ein vergleichbares Stück, Fundort Montfort, Niederländisch Limburg, AO Bonnefantenmuseum Maastricht. Die niederländische Beilklinge hat eine Länge von 24,5 cm und auch dort sind nur die lateralen Negative vom Schliff ausgenommen. Insbesondere das Längen-Breiten-Dicken-Verhältnis ist frappierend ähnlich, wie die nicht maßstäbliche Fotomontage zeigt.

Vergleich

Links nach Hoof 1

Neben den ungeschliffenen lateralen Negativen stechen beide Beilklingen durch ihre metrischen Besonderheiten aus der Masse der üblichen Beilklingen hervor. Mit einem Längen-Dickenverhältnis von 11 : 1 bewegen sie  sich im Bereich der Jadeit-Prunkbeilklingen. So spricht Hoof das niederländische Exemplar auch als „Silexflachbeil in der Art eines Prunkbeiles“ an. Für diese Sichtweise sprechen neben den Abmessungen auch die ungeschliffenen Schmalseiten. Obwohl abweichend von den Jadeit-Prunkbeilklingen die Schneiden scharf geschliffen sind, eignen sich die Beilklingen nicht für den alltäglichen Arbeitseinsatz, eine nur symbolische Bedeutung ist wahrscheinlich.

Bei Hoof findet sich eine weitere Beilklinge, die zwar vollständig überschliffen ist, aber ein ähnliches Längen-Dicken-Verhältnis aufweist. Dementsprechend wählt er die Formulierung „als Prunkbeil anzusehendes Exemplar“. Die nachfolgende Abbildung zeigt die drei Exemplare maßstabsgetreu.

Beil

Links und Mitte nach Hoof 2

Fazit

Die Beilklinge weicht deutlich von den üblichen Beilklingen ab, in Bearbeitung, Form und Längen-Dicken-Verhältnis. Eine eindeutige Ansprache der Beilklinge erweist sich als schwierig, da zu wenige Vergleichsstücke vorhanden sind. Es könnte sich um eine Vorarbeit zu einer Prunkbeilklinge handeln. Genauso gut kann es sich um ein fertig gestelltes Exemplar handeln.

Fundgebiet

Geländeeinschnitt, möglicherweise ehemalige Flussniederung, bei Holzweiler, Stadt Erkelenz.

Beifunde

Einzelfund.

Links

Wei­tere Fund­be­schrei­bun­gen von Beilklingen

Arti­kel­samm­lung zu Beile, Äxte & Co

  1. Hoof,D., Die Steinbeile und Steinäxte im Gebiet des Niederrheins und der Maas. Antiquitas Reihe 2, Band 9, Bonn 1970, Taf. 24, Nr. 219
  2. Hoof, Taf. 24, Nr. 219 und Taf. 9, Nr. 69