Primäre Kernkantenklinge, bohrerartig genutzt

Epoche

Mittelsteinzeit – Mesolithikum

Foto

Kernkantenklinge, Finder Robert Grüttner

Kernkantenklinge, Finder Robert Grüttner

Maße, Gewicht, Material

Länge 48 mm, Breite 10 mm, Dicke 5 mm, Gewicht 1,8 Gramm, nordischer Feuerstein

Beschreibung

Bei diesem Stück handelt es sich um eine primäre Kernkantenklinge. Die Dorsalfläche wird rechts des Grates durch eine natürliche Spaltfläche gebildet, die linke Seite wird durch zahlreiche Negative geformt, die der Anlage eines Leitgrates dienten. Der Leitgrad ist ungewöhnlich gerade ausgeführt, ohne die übliche Biegung. Der Schlagflächenrest ist facettiert, es handelt sich nicht um eine Retusche im eigentlichen Sinn, sondern um Spuren des feinen Herauspräparierens des Schlagpunktes.

SchlagflächenrestDie Ventralfläche mit vollständig erhaltenem Bulbus und Schlagnarbe zeigt nur im Bereich der Spitze, von der natürlichen Verjüngung der Breite an, gestaffelte Ausbrüche. Diese sind nicht als intentionelle Retusche, sondern als Gebrauchsspuren zu sehen.  Auch der Leitgrat zeigt dorsal in diesem Bereich leichte Gebrauchsretuschen. Ansonsten ist die Kernkantenklinge nicht weiter modifiziert worden.

Ausbrüche

Aus der Lage und Art der Gebrauchsspuren ist auf eine bohrerartige Verwendung zu schließen. Es handelt sich jedoch nicht um einen Bohrer im engen Sinne, vielmehr um ein opportunistisch genutztes Stück.

Die Verwechslungsgefahr mit einer Rückenspitze oder einem extrem ungleischenkligen Dreieck ist groß. Eine Rückenspitze wäre aber nicht ausschließlich von dorsal retuschiert. Ein Dreieck besäße keinen Bulbus und an Stelle einer Schlagflächenpräperation eine formgebende Retusche, auch der Winkel wäre ungewöhnlich.

Fundgebiet

Rein mesolithische Fundstelle mit reichhaltigem Inventar, Land Bran­den­burg, süd­lich von Berlin.

Fin­der

Robert Grütt­ner, ehren­amt­li­cher Bodendenkmalpfleger.