Kochstein

Epoche

Jungsteinzeit – Mittelneolithikum

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Kochstein

Maße, Gewicht, Material

Länge 50 mm, Breite 44 mm, Dicke 31 mm, Gewicht 92,4 Gramm, Quarzit

Beschreibung

Eine intensive Rotfärbung belegt, dass der Stein erhitzt wurde.1 Die Rotfärbung ist auf Oxidationsprozesse zurückzuführen, die durch die Abschreckung im Wasser ablaufen.2 Durch die sekundäre Nutzung als Schlagstein ist die Oberfläche stellenweise zerrüttet und zeigt die natürliche Farbe des Gesteins.

Riss

↑ Riss

Runde Kiesel handlicher Größe werden als Kochsteine bezeichnet, wenn ein Erhitzen nachweisbar ist.3 Es wird angenommen, dass in keramiklosen, vorneolithischen Zeiten Mulden in den Boden gegraben wurden, die mit Häuten ausgekleidet wurden.4 Diese Konstruktion diente als Gefäßersatz, Wasser und Speisen konnten in diesen Kochmulden durch Zugabe heißer Steine erhitzt/gekocht werden.5 Allein für die magdalénienzeitliche Konzentration IV von Andernach-Martinsberg wird die Zahl der Kochsteine auf 200 bis 400 Exemplare geschätzt.6

Erhitzte Steine können die verschiedensten Funktionen gehabt haben, der wichtigste Aspekt ist dabei die Funktion als Wärmeüberträger oder Wärmespeicher.7 Sie können wie ein Tauchsieder zum Kochen genutzt worden sein, plattige Exemplare ähnlich einer Herdplatte zum Braten und Grillen.8 Die Verwendung als Wärmespeicher ist ebenfalls wahrscheinlich, die Auskleidung von Feuerstellen mit Steinen ist ein solcher Fall, die Steine geben Wärme ab, wenn das Feuer erloschen ist.

Eemzeitliche Feuerstelle mit Steinpackung, Inden

↑ Eemzeitliche Feuerstelle mit Steinpackung, Inden

Kochsteine an sich sind im Neolithikum überflüssig, da Speisen in Keramiktöpfen direkt über dem Feuer zubereitet werden konnten. Es wird sich also im neolithischen Kontext wahrscheinlich nicht um Kochsteine gehandelt haben, eher um Steine, mit denen eine Feuerstelle ausgekleidet wurde,9 dennoch werden sie unter dieser Bezeichnung geführt.10

Der Stein wurde sekundär als Schlagstein genutzt, eine bandförmige Zerrüttungszone zieht sich an einer Schmalseite von Pol zu Pol. Die Zerüttungen entstanden nach dem Erhitzen, da sich dort die natürliche Farbe des Gerölls zeigt, ein Pol besitzt jedoch eine natürliche Mulde, die nicht zerrüttet ist, dort ist die Rotfärbung noch erhalten.

Kochstein Pol

Fund­ge­biet

Löss­ebene, süd­li­cher Stadt­be­reich von Erkelenz, Kreis Heinsberg.

Bei­funde

Mahl­stein­frag­mente, Kera­mik, Grund­for­men und Werk­zeuge, teils aus Rul­len und Rijck­holt Feu­er­stein, Maasschotterfeuerstein.

  1. Thomas Terberger, Die Siedlungsbefunde des Magdalénien-Fundplatzes Gönnersdorf Konzentrationen III und IV, Stuttgart, 1997, S. 72
  2. Jörg Holzkämper, Die Konzentration IV des Magdalénien von Andernach-Martinsberg, Grabung 1994-1996, Teil I: Text, Dissertation, Köln, 2006, PDF, S. 59 und 70
  3. Th. Terberger, 1997, S. 72
  4. G. Bosinski, Paläolithikum und Mesolithikum im Rheinland, in Urgeschichte im Rheinland, Köln, 2006, S. 128; Jörg Holzkämper, 2006, S. 59
  5. L. Reisch, Eine spätjungpaläolithische Freilandstation im Donautal bei Barbing, Ldkr. Regensburg, in Quartär, 04/1974, S. 54
  6. Jörg Holzkämper, 2006, S. 60
  7. Th. Terberger, 1997, S. 72
  8. vergl. Th. Terberger, 1997, S. 73 mit weiteren Nachweisen
  9. Lutz Fiedler/ G. und W. Rosendahl, Altsteinzeit von A bis Z, Publikationen der Reiss-Engelhorn-Museen, Band 44, WBG, Darmstadt, 2011, S. 194
  10. vergl. Katalog Studiensammlung des Institutes für Ur- und Frühgeschichte, Wien, 2008, INVNR: 837 bis 847, PDF