Jadeitbeilklinge | Steinzeit & Co

Jadeitbeilklinge

Epoche

Jungsteinzeit – Neolithikum – Michelsberger Kultur

Schrägansicht

Ansichten

Beilkinge, Jadeit

Maße, Gewicht, Material

Länge 95 mm, Breite 50 mm, Dicke 20 mm, Gewicht 136 Gramm, Jadeit

Beschreibung

Die Beilklinge wurde aus Jadeit gefertigt. Jadeit ist in Europa ausschließlich in den norditalienischen Westalpen zu finden. Die Abbaustellen am Monte Viso in 2000 bis 2400 Meter Höhe sind nur wenige Monate schneefrei und konnten nur durch einen beschwerlichen, mindestens zwei Tage dauernden Aufstieg erreicht werden. Durch Feuersetzungen wurden geeignete Handstücke abgesprengt und nach dem Abstieg in Form gebracht, was aufgrund der enormen Zähigkeit des Materials sehr aufwendig war.

Monte Viso

↑ Verändert nach Nem80 CC-BY-3.0 via Wikimedia Commons

Schon der aufwendige Abbau- und Verarbeitungsprozess deutet auf eine Wertschätzung des Materials hin. Die Jadeitbeilklinge ist zudem über eine Entfernung von etwa 1000 km bis ins Rheinland weitergegeben worden. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Wert der Beilklinge mit der Entfernung vom Vorkommen kontinuierlich stieg; die Beilklinge ist zumindest auch ein Prestigeobjekt. Es handelt sich jedoch nicht um eine reines Statussymbol. Im Gegensatz zu den Prunkbeilklingen wurde die Schneide nicht intentionell gestumpft. Neben der geringen Größe deutet auch das Längen-Dicken-Verhältnis auf ein Arbeitsgerät hin.

EntfernungDer Beilkörper ist vollständig durch Pickung und Schliff in Form gebracht worden. Feinste, sorgfältigst ausgeführte Pickspuren finden sich im Nackenbereich auf den Breit- und Schmalseiten, lateral erstrecken sie sich bis zum Schneidenbereich. Der Schneidenbereich und Teile der Breitseiten wurden geschliffen. Etwa 2/3 des Beilkörpers weisen Schliff auf, das hintere Drittel ist ungeschliffen.

SeitenansichtDabei unterscheidet sich der Schliff der Breitseiten deutlich. Die gewölbte Fläche weist einen feinen Schliff auf, der überwiegend in Richtung der Längsachse verläuft. Die flache Breitseite zeigt einen deutlich gröberen Schliff, dabei weisen die Schliffspuren in Längs- und Querrichtung.

Die flache Breitseite zeigt einen deutlichen Riss im Gestein. Möglicherweise wurde dadurch eine Korrektur des Querschnitts nötig. Neben der unterschiedlichen Qualität des Schliffs sprechen auch die Reste von Pickspuren  in diesem Bereich für eine nachträgliche Reparatur. Diese würde auch die starke Asymmetrie des Querschnitts erklären.

Gebrauchsspuren und Nachschärfungen belegen den Einsatz der Beilklinge als Werkzeug. Dabei fällt auf, dass insbesondere die gewölbte Seite untypische Gebrauchsspuren zeigt. Beilklingen aus Feuerstein zeigen normalerweise im Schneidenbereich Polituren, die bei der Holzbearbeitung entstehen, woodpolish. Feinste Unebenheiten und Reste des mechanischen Schliffs werden geglättet, es entsteht eine sehr glatte, spiegelnde Oberfläche.

Das ist hier nicht der Fall. Zwar sind im Schneidenbereich Polituren vorhanden, doch liegt eine relativ unebene, glänzende Oberfläche vor. Die Oberflächenstruktur erinnert an Sicheleinsätze mit Lackglanz. Die Flexibilität des Pflanzenmaterials führt dazu, dass auch die nicht erhabenen Stellen poliert werden. Ähnlich wie beim Windschliff entsteht so mit der Zeit ein verstärktes Relief der Oberfläche.

Fundgebiet

Hochfläche nahe Freialdenhoven, Kreis Düren.

Beifunde

Eine fragmentierte Spitzklinge aus Rijckholtfeuerstein in unmittelbarer Nähe der Beilklinge könnte auf ein Grab der Michelsberger Kultur hinweisen. In etwa 130 Meter Entfernung fand sich ein weiterer Hinweis auf ein Grab der Michelsberger Kultur; dort waren eine rezent gebrochen große Beilklinge, eine typische Pfeilspitze und ein Fragment einer großen Klinge auf engem Raum vergesellschaftet.