Getemperter Kern

steinzeit

Getemperter Kern

Der hier gezeigte Kern zeigt deutlich die beiden optisch zu erkennenden Merkmale einer Temperung, Farbwechsel und Fettglanz. Der Farbwechsel zu Rot und Rosa wird durch Verunreinigungen im Gestein, vermutlich Eisen, verursacht. Der Glanz entsteht durch Veränderung der Mikrostruktur des Ausgangsmaterials.

Für eine intentionelle Hitzebehandlung spricht, dass der Feuerstein über einen längeren Zeitraum einer kontrollierten Hitzeeinwirkung ausgesetzt war. Er ist nicht durch zu hohe Hitze verbrannt, die Struktur ist nicht zerstört, also nicht krakeliert. Im Gegenteil, der Fettglanz deutet auf die positive Veränderung der Mikrostruktur hin, das Ziel einer intentionellen Temperung ist damit erreicht.

Gesicherte Belege für intentionelles Tempern finden sich in Westeuropa ab dem Solutréen. Im Mesolithikum wurde in Baden-Württemberg und Bayern regelhaft getempert, insbesondere Hornstein. Aus dem französischen Chasséen liegen ebenfalls zahlreiche Belege vor. Ältere Nachweise für intentionelles Tempern in der Steinzeit kommen aus Afrika.

Gegen eine intentionelle  Temperung des vorgestellten Stückes spricht die Tatsache, dass im Rheinland bis auf wenige Ausnahmen keine getemperten Stücke bekannt sind. Möglicherweise befand sich das Stück von Erde bedeckt unter einer Feuerstelle und wurde so zufällig vor zu starker Hitze geschützt. Erwähnenswert ist jedoch, dass ausnahmslos alle Abschläge erst nach der Feuereinwirkung erfolgten. Dies lässt sich aus der Tatsache schließen, dass alle Negative intensiven Fettglanz aufweisen. Wären sie vor der Feuereinwirkung entstanden, so wären sie matt und würden nicht glänzen.