Font Robert Spitze

Epoche

Altsteinzeit -Jungpaläolithikum – Gravettien

Foto

Font Robert Spitze

Maße, Gewicht, Material

Länge 91 mm, Breite 27 mm, Dicke 8 mm, Gewicht 17,3 Gramm, Feuerstein patiniert

Beschreibung

Als Font Robert Spitze, Pointe de la Font-Robert, werden große, oft leicht asymmetrische Stielspitzen mit langem, dickem Stiel bezeichnet.1 Die Retusche folgt keiner festen Regel, sie kann ventral, dorsal oder dorso-ventral erfolgen. Der Spitzenbereich ist häufig flächig retuschiert.2 Ihr Verbreitungsgebiet liegt in Westeuropa, seltener in Mitteleuropa.3

Font Robert Spitzen sind eine Leitform des Gravettien. Obwohl ihre Form die Verwendung als Projektilspitze vermuten lässt, sind sie meist zum Sägen und Schneiden genutzt worden.4 Auch die Form und Stärke des Stiels spricht gegen eine Projektilspitze. Der Stiel ist häufig zu dick, um als Speerspitze geschäftet werden zu können. Auch würde der lange Stiel schon beim ersten Treffer brechen.

Das Stück ist im Bereich der Spitze beidseitig flach retuschiert. Ventral setzt sich die Retusche an einer Lateralkante fort. Der Stiel ist nur flüchtig retuschiert, eine Formgebung war kaum nötig, da die Klinge die entsprechende Form schon aufwies. Bei dieser Spitze liegt der Bulbus terminal.

Bei diesem Stück handelt es sich um ein zweitverwendetes Werkzeug. Die Spitze weist eine überdeutliche Verrundung auf. Diese ist durch die Verwendung als Feuerschlagstein entstanden. Es handelt sich um einen sehr alten Beleg der Feuererzeugung. → Prä­his­to­ri­sche Feu­er­zeuge

Feuerschlagstein-3

Font Robert Spitze als Feu­er­schlag­stein seitlich

Fundgebiet

Leicht erhöhte sandige Stelle, Donk, im Bereich eines alten Nierslaufs, Korschenbroich-Neersbroich, Kreis Neuss.

Beifunde

Die Donk liefert spätpaläolithische und große Mengen mesolithischer Artefakte.

  1. Joachim Hahn, Erkennen und Bestimmen von Stein– und Knochenartefakten, Archaeologica Venatoria, Band 10, Tübingen, 1991, S. 196
  2. H. Floss, Lithische Spitzen des Jungpaläolithikums, in Floss (Hrsg.) Steinartefakte vom Altpaläolithikum bis in die Neuzeit, Tübingen 2012, Kerns Verlag, S 403
  3. Lutz Fiedler/ G. und W. Rosendahl, Altsteinzeit von A bis Z, Publikationen der Reiss-Engelhorn-Museen, Band 44, WBG, Darmstadt, 2011, S.129
  4. H. Floss, 2012, S. 403