Druckstab

Epoche

vermutlich Mittelsteinzeit – Mesolithikum

Foto

Druckstab

Maße, Gewicht, Material

Länge 155 mm, Breite 28 mm, Dicke 30 mm, Gewicht 80,4 Gramm, Geweih

Beschreibung

Die Geweihsprosse zeigt proximal gut erhaltene Spuren der Abtrennung. Umlaufend wurde die Kompakta bis zur Spongiosa eingekerbt, danach wurde die Sprosse abgebrochen. Anfang und Ende der umlaufenden Kerbe treffen sich nicht exakt, der Versatz beträgt 3 mm, gemessen am äußeren Rand.

Aufsicht Kerbe

Die einzelnen Kerbfacetten sind meist nicht glatt, sondern uneben. Aus diesem Umstand kann auf das zur Abtrennung verwendete Werkzeug geschlossen werden. Wäre die Sprosse schneidend-sägend abgetrennt worden, wären radiale Riefen zu erwarten. Hier zeigen die Werkzeugspuren aber zum Zentrum der Sprosse. Daraus kann auf die Verwendung eines Meißels oder Beiles geschlossen werden. Abplatzungen an der Schneide führten zu den unebenen Kerbfacetten. Da die einzelnen Kerben in einer Linie nebeneinander gesetzt sind, ist die Verwendung eines Meißels/Ausgesplittertes Stück sehr wahrscheinlich, mit einem Beil kann kaum so exakt gearbeitet werden.

Kerbe

Das Proximalende zeigt ansonsten keine weiteren Spuren, die Bruchfläche der Spongiosa ist rauh. Somit kann es sich nicht um ein Zwischenstück handeln, andernfalls wären dort Schlagnarben vorhanden.1

Dagegen zeigt das Distalende zahlreiche unterschiedliche Modifikationen. Schliffspuren belegen die sorgfältige Glättung der Sprosse im distalen Bereich. Am Distalende ist der Schliff so intensiv, dass teilweise die Spongiosa sichtbar ist. Der Schliff diente der Verjüngung der Sprosse, damit wurde ein schmales Arbeitsende geschaffen. Eine Abnutzung der Geweihspitzen in Form von Polituren oder Riefen kommt in der Natur vor, jedoch nicht bis auf die Spongiosa.

Spongiosa proximal

Zusätzlich scheint das so entstandene Arbeitsende durch gezielte Schläge von der Kante aus nachgearbeitet zu sein, wären es beim Arbeiten entstandene Negative, hätten sie einen anderen Verlauf. Die Negative sind bis auf eine rezente Beschädigung in der linken Ecke alt und leicht verrundet, zeigen jedoch keine weiteren Arbeitsspuren. Es ist nicht auszuschliessen, dass die Ausbrüche nicht intentionell verursacht wurden, möglicherweise entstanden sie bei der Verwendung der Sprosse als Hebel, beispielsweise beim Heraustrennen von Geweihspänen. Vermutlich wurde das Stück aufgegeben, da weitere Arbeitsspuren fehlen.

Die andere Seite des Proximalendes zeigt ebenfalls Modifikationen. Es hat den Anschein, als sei hier ebenfalls ein Ausbruch entstanden, das Negativ ist jedoch stark verrundet, muss also während der Nutzung der Sprosse als Werkzeug entstanden sein. Unmittelbar neben diesem Negativ befindet sich ein schräg von der Kante weisendes Kratzerbündel, hierbei handelt es sich vermutlich um Arbeitsspuren. Auch dieser Bereich ist stark verrundet und zeugt von intensiver Nutzung des Arbeitsendes.

ArbeitsspurenAus den zuvor beschriebenen Merkmalen kann bei dieser Geweihsprosse auf die Verwendung als Druckstab geschlossen werden. Der Spross wurde dabei so gehalten, dass die Kante des Arbeitsendes senkrecht zeigt. So wurde das Werkzeug auf den zu retuschierenden Bereich aufgesetzt und mit kräftigem Druck nach unten gedrückt.2 Eine andere Nutzung ist ohne Gebrauchsspurenanalyse nicht auszuschließen, die Nutzung als Druckstab ist nach den erkennbaren Spuren jedoch wahrscheinlich.

Zusätzlich weist die Sprosse an einer Stelle ein kleines Narbenfeld auf, dies kann durch die kurzzeitige Verwendung als Retuscheur entstanden sein.

Narbenfeld

Fundgebiet und -umstände

Der Druckstab stammt aus dem Abraum einer Grabung im Land Bran­den­burg, süd­lich von Berlin. Vorhergehende Prospektionen ergaben zahlreiche mesolithische Funde, die Grabung ergab jedoch keine Befunde aus dieser Epoche und musste vor Beendigung wegen Zeitmangel vorzeitig eingestellt werden. Die einzigen Befunde der Grabung sind eisenzeitliche Siedlungsspuren. Die Geweihsprosse könnte mesolithisch sein, eine C14-Analyse könnte zu einer eindeutigen Datierung führen.

Finder

Robert Grüttner, ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger.

  1. Joachim Hahn, Erkennen und Bestimmen von Stein– und Knochenartefakten, Archaeologica Venatoria, Band 10, Tübingen, 1991, S. 297
  2. Joachim Hahn, 1991, S.297