Beilrohling

Beil, Rohling

Epoche

Jungsteinzeit – Neolithikum

Ansichten

Rohling

Maße, Gewicht, Material

Länge 96 mm, Breite 49 mm, Dicke 24 mm, Gewicht 135,7 Gramm, Feuerstein Typ Rijckholt

Beschreibung

Es handelt sich um eine Vorarbeit zu einer Beilklinge, auch Beilplanke genannt. Häufig wurden an den primären Lagerstätten die Beilplanken grob zugeschlagen, der Schliff erfolgte erst in der Siedlung. Ob diese Halbfabrikate gehandelt oder nur für den persönlichen Gebrauch gefertigt wurden, ist nach wie vor unklar.

Das hier zu besprechende Stück stammt aus den Maasschottern – nicht aus den Minen von Rijckholt. Hinweise auf die Herkunft geben die Reste der ehemaligen Oberfläche. Beide Breitseiten zeigen eine Patina und sind leicht angewittert, erkennbar an einer rauhen Oberfläche, die sich von den randlich geschlagenen Negativen deutlich unterscheidet. Zwar können die Feuersteinknollen in primärer Lage auch patinierte natürliche Spaltflächen aufweisen, diese sind aber durchweg glatter als im vorliegenden Fall. Ausgangsform kann demnach nur eine Frostscherbe, evtl auch ein paläolithischer Abschlag sein. Die Rurrandverwerfung, an deren Kante die feuersteinführenden Maasschotter aufgeschlossen sind, liegt nicht weit vom Fundort entfernt, das Rohstück1 könnte dort aufgesammelt worden sein.

Es handelt sich nicht um ein klassisches Halbfabrikat, da die formgebende Bearbeitung nicht abgeschlossen wurde. Deutlich ist zu erkennen, dass an einer Lateralkante die sog Centerline einen Versatz hat. Die Centerline bezeichnet den seitlichen Grat. Während eine Lateralkante, die Schneide und die erste Hälfte der zweiten Lateralkante so zugerichtet wurden, dass die Centerline in etwa mittig zur Dicke liegt, liegt sie im der hinteren Hälfte noch stark außermittig. Eine rechtwinklig zur Lateralkante stehende Fläche stellte für den Steinschläger ein Problem dar, das er nicht lösen konnte. Statt die Lateralkante von Ende in Richtung der Problemstelle zu korrigiern und möglicherweise so das Problem zu lösen, verwarf er das unvollendete Stück.

Centerline

Mit solchen Mängeln sind die Halbfabrikate üblicherweise nicht behaftet. Auch die geringe Größe des Stückes entspricht nicht den üblichen Beilplanken.

Fundgebiet

Lösshochfläche im südlichen Stadtgebiet von Erkelenz, Kreis Heinsberg.

Beifunde

Einige Artefakte, darunter auch Keramik und Beilabschläge, ohne klare Leitformen.

Links

Weitere Fundbeschreibungen von Beilklingen

Artikelsammlung zu Beile, Äxte & Co

 

  1. Rohstücke im klassischen Sinne sind Knollen, Fladen oder Platten,  Trümmer und Frostscherben ebenfalls. Hier werden auch Kerne, Abschläge oder Klingen vorangegangener Epochen unter den Rohstückbegriff subsummiert, wenn sie in einer späteren Epoche als Rohmaterial genutzt werden