Zunderschwamm

fomes fomentarius

Fomes fomentarius ist die botanische Bezeichnung für den Zunderschwamm. Dieser Pilz wächst auf Laubhölzern, vornehmlich Buchen und Birken.1 Sein filzartiges Fruchtfleisch, das Trama, lässt sich im getrockneten Zustand sehr leicht entzünden und glüht ohne Flamme über einen langen Zeitraum.

Fomes fomentarius

Dieser Pilz oder sein Trama ist mehrfach im archäologischen Kontext nachgewiesen worden, beispielsweise auf den Fundstellen Endingen am Kaiserstuhl, Landkreis Emmendingen,  Baden-Württemberg, Paläolithikum; Star Carr bei Scarborough, North-Yorkshire, England; Duvensee, Kreis Herzogtum Lauenburg, Schleswig-Holstein; Kongemosen, Dänemark; Mesolithikum; Burgäschisee-Süd, Thayngen „Am Weiher“, Robenhausen, Montilier/Platzbünden, La Motte-aux-Magnis, Portalban Station II, Charavines, Obermeilen, „Ötzi“, Utoquai; Neolithikum; Hauterive-Champréveyres, Zürich-Alpenquai, Obermeilen, „Stumpf“ bei Zug; Bronzezeit.2 Weitere Nachweise stammen aus Hohen Viecheln, Mecklenburg; Mesolithikum; , und Lattmoor bei Wismar, Mecklenburg; Neolithikum,3 bis hin zur Neuzeit.

Teilweise konnte seine Verwendung als Funkenfänger und damit als Bestandteil von prähistorischen Feuerzeugen nachgewiesen werden. Das bekannteste Beispiel ist der Inhalt der Gürteltasche des Mannes vom Hauslabjoch, meist Ötzi genannt. Die Tasche enthielt unter anderem das Fruchtfleisch, Trama, des Zunderpilzes, durchsetzt mit Schwefelkiesflittern.4

Grundsätzlich eignen sich alle leicht brennbaren Materialien als Funkenfänger, im prähistorischen Kontext ist jedoch ausschließlich das Trama des Zunderpilzes sicher nachweisbar. Die Diskussion, ob verkohlte Sprossknollen des Glatthafers aus der Hügelschüttung des endneolithischen Megalithgrabes Albersdorf-Brutkamp, Schleswig-Holstein, als Funkenfänger zu werten sind, ist noch nicht abgeschlossen.5

Nahezu in jeder Publikation, die sich mit Feuer in der Steinzeit befasst, wird erwähnt, dass durch Zugabe von Urin die Brenneigenschaften zusätzlich verbessert werden können. Das ist insoweit richtig, ist aber für die Steinzeit nicht nachweisbar. Damit ist diese, sich ständig wiederholende, Information überflüssig wie ein Kropf – Benzin verbessert auch die Brennbarkeit.

Der Vollständigkeit halber sei noch die blutstillende Wirkung des Pilzes erwähnt, die Nutzung dieser Wirkung in der Steinzeit ist ebenfalls nicht belegt.

  1. Ulrich Terpiz, Pilzportrait – Fomes fomentarius
  2. Bertrand Roussel, La production du feu par percussion de la pierre – Préhistoire, Ethnographie, Expérimentation, Montagnac, 2005, S. 186, Abb. 188
  3. H. Kreisel/J. Ansorge, Subfossile Baumschwämme aus dem Quartär Vorpommerns, in Zeitschrift für Mykologie, Band 75/1, 2009, S. 33f
  4. D. W. Gover, A neolithic fungal travelling kit, Sydney Fungal Studies Group, PDF; Kon­rad Spind­ler, Der Mann aus dem Eis, Mün­chen, 1993, S.114 f
  5. W. Kirleis/I. Feeser/S. Klooß, Umwelt und Ökonomie, in Archäologie in Deutschland, 2/2011, S. 34, PDF