Schlagfeuerzeuge

Feuerschlagsteine

Prähistorische und historische Schlagfeuerzeuge | Historische bis neuzeitliche Feuerschlagsteine in steinzeitlichen Inventaren | Merkmale historischer bis neuzeitlicher Feuerschlagsteine | Exkurs – Tabak und Rauchen

In steinzeitlichen Lesefundinventaren tauchen gelegentlich Stücke auf, die nicht in das gängige Typenspektrum passen. Diese Stücke haben zerrüttete Zonen, die weder auf eine Verwendung als Steinwerkzeug, noch auf rezente Beschädigungen durch landwirtschaftliche Maschinen o.ä. zurückzuführen sind. Meist handelt es sich bei diesen Stücken um neuzeitliche Feuerschlagsteine, die zusammen mit einem Feuerstahl und Zunder als Schlagfeuerzeug genutzt wurden.

Prähistorische und historische Schlagfeuerzeuge

Während in prähistorischer Zeit Feuerzeuge aus Schwefelkies, Feuerschlagstein und Zunder bestanden, wurde spätestens in der frühen Römerzeit seit dem 1. Jahrhundert AD, wahrscheinlich aber schon in der vorrömischen Eisenzeit, der Schwefelkies durch ein kohlenstoffreiches und gehärtetes Stück Schmiedestahl ersetzt, den Feuerstahl.1 Prähistorische Feuerschlagsteine besitzen an den Enden ausgesplitterte oder verrundete Zonenund wurden aktiv genutzt. Historische und neuzeitliche Feuerschlagsteine wurden passiv genutzt und besitzen Zerrüttungszonen an stabilen Kanten.

Historische bis neuzeitliche Feuerschlagsteine in steinzeitlichen Inventaren

Bis weit in das 19. Jhdt wurde mittels Feuerschlagstein, Feuerstahl und Zunder Feuer geschlagen. Die seit den 1850er Jahren industriell produzierten Sicherheitszündhölzer ersetzten nur allmählich das Schlagfeuerzeug.2 Die hier besprochenen neuzeitlichen Feuerschlagsteine werden wohl hauptsächlich aushäusig, zum Pfeifenrauchen benutzt worden sein. Die meisten Exemplare werden in das 18. und 19. Jhdt zu datieren sein. → Exkurs – Tabak und Rauchen

Diverse Feuerschlagsteine

Auf steinzeitlichen Fundstellen verschiedenster Zeitstellung tre­ten neuzeitliche Feuerschlagsteine relativ häufig auf; fundleere Ackerflächen liefern nur in Ausnahmefällen neuzeitliche Feuerschlagsteine. Es handelt sich um eine Vergesellschaftung von Artefakten, die zeitlich weit auseinander liegen und offenbar keinen direkten Bezug zueinander haben. Die Erklärung für dieses Phänomen ist verblüffend simpel.

Vor dem Zeit­al­ter der Trak­to­ren wur­den Och­sen oder Pferde vor den Pflug ge­spannt, der Bauer lief hin­ter­her und kor­ri­gierte die Spur. Pflügte er ge­eig­nete Ar­te­fakte oder Feuersteinge­rölle aus, die er als Feuerschlagstein ge­brau­chen konnte, hob er sie auf. Den al­ten, abgearbeiteten Feu­er­schlagstein ließ er im Ge­gen­zug an Ort und Stelle fallen. Die­ser Vor­gang kann mit swap & drop, Ergreifen und Verwerfen, um­schrie­ben werden.

Für merowingerzeitliche Feuerschlagsteine wird das gezielte Absammeln von steinzeitlichen Fundstellen und natürlicher Oberflächenvorkommen vermutet.3

Merkmale historischer bis neuzeitlicher Feuerschlag-steine

Neuzeitliche Feuerschlagsteine unterscheiden sich von prähistorischen Feuerschlagsteinen grundlegend. Oft weisen die neuzeitlichen Feuerschlagsteine buchtförmige Zerrüttungszonen auf, die durch das streifende Schlagen mit dem Feuerstahl entstanden. Die Gebrauchsspuren wurden im Experiment nachgestellt. Zunächst entstehen dünne Abschläge, bei weiterer Nutzung werden die Aussplitterungen immer kleiner, bis schließlich feine Zerrüttungen entstehen.4

Abnutzung FeuerschlagsteinAn stabilen Kanten, die zum Feuerschlagen genutzt wurden, zeigen sich auch kurze, übersteilte Negative, wenn der Feuerstahl nahezu rechtwinklig zur Kante auftraf. Die Zerrüttungen bedecken oft bandartig den Kantenverlauf. Dabei liegen sie jedoch nicht nur an exponierten Stellen, wie das bei Klopfsteinen der Fall ist.

Klopfsteinähnlich

Hier ein Beispiel für ein steinzeitliches Artefakt, dass als Feuerschlagstein mit einem Feuerstahl benutzt wurde. Der ehedem komplett patinierte jungpaläolithische Stichel weist an beiden Lateralkanten sekundäre Nutzungsspuren auf. Deutlich lassen sich die jüngeren Absplisse und Zerrüttungen von den alten Formgebungsretuschen unterscheiden.

Stichel mit SekundärnutzungWeitere Fotos: His­to­ri­scher Feu­er­schlag­stein, Sti­chel

Ein besonders prägnantes Stück wird im Folgenden näher beschrieben. Es handelt sich um einen intensiv genutzten Feuerschlagstein. Er besteht aus einer kräftigen Grundform und stammt von einer spätneolithischen Siedlungsstelle. Dass es sich um ein umgenutztes steinzeitliches Artefakt handelt, kann nur auf Grund der Wahrscheinlichkeit vermutet werden, da mögliche Modifikationen nicht mehr zu erkennen sind. Länge 61 mm, Breite 34 mm, Di­cke 14 mm, Ge­wicht 34,8 Gramm, Feuerstein Typ Ri­jck­holt

RauteDas Ar­te­fakt weist umlaufend an den La­te­ral­kanten eine bandförmige Zer­rüt­tungs­zone auf. Stellenweise sind Reste von flächigen Aussplitterungen zu beobachten, die auf die Dorsal- und Ventralfläche greifen. Solche flachen Negative können entstehen, wenn der Feuerstahl streifend auf eine relativ dünne Lateralkante trifft. Mit zunehmender Nutzung bildet sich eine im Querschnitt rundliche Zerrüttung aus, die Kante wird dadurch stabiler und splittert nicht mehr großflächig aus.

L1

↑ Vollbild

l2

↑ Vollbild

Die zerrütteten Kanten können der Oberfläche von Klopfsteinen oder Picksteinen ähneln. Ein Klopfstein kann hier auf Grund der Form, Größe und des Gewichts ausgeschlossen werden. Zudem sind auch die gebuchteten Bereiche des Artefakts zerrüttet, bei Klopfsteinen sind ausschließlich exponierte Bereiche mit Narbenfeldern überzogen.

GeradenPicksteine, die zur Durchlochung von Felsgesteingeräten genutzt wurden, weisen an mindestens einem Ende eine, im Querschnitt symmetrisch gerundete, Zerrüttungszone auf. Das Artefakt weist zwar auch an den Polen Zerrüttungen auf, allerdings ist der Querschnitt nicht rundlich, er tendiert an einem Pol zu einem trapezförmigen Querschnitt, der andere ist als unregelmäßig anzusprechen. Darüberhinaus finden sich Picksteine fast ausschließlich im nordischen Mesolithikum und an Stellen neolithischer Felsgesteinproduktion, beides ist hier nicht gegeben.

Pole

Exkurs – Tabak und Rauchen

Pfeifenraucher

The smoker, Adriaen van Ostade © Public domain, via Wikimedia Commons

1496 gelangte der Tabak durch den spanischen Mönch Peter Romanus Pane, einem Gefährten des Columbus, nach Spanien und wurde lange Zeit nur als Zier- und Heilpflanze genutzt. Durch Trocknung und Fermentation wurden giftige Inhaltsstoffe in berauschende umgewandelt; der französische Gesandte Jean Nicot beschrieb erstmals die Wirkung. Er schickte zusammen mit seinen Ergebnissen auch Tabaksamen an den französischen Hof.5 Nach Nicot wurden später die Tabakpflanze Nicotiana und ihr Hauptwirkstoff Nicotin genannt.6

Die ersten Siedler der Neuen Welt übernahmen das Rauchen von den amerikanischen Ureinwohnern; rauchende Matrosen brachten den Tabak Anfang des 16. Jahrhunderts nach Europa, wo er rasch zu einer begehrten Handelsware wurde.7 1573 zog der Hatzenbühler Pfarrer Anselmann die ersten Tabakpflanzen Deutschlands in seinem Kirchgarten.8 Die ersten größeren Tabakanbauversuche in Deutschland wurden 1598 unter Pfalzgraf Friedrich IV. gemacht.9 Neben Baden und der Pfalz, wo Ende des 16. Jahrhunderts der Tabakanbau begann und sich auf den sandigen Böden ausweitete, gab es noch ein zweites Zentrum im Elsaß bei Straßburg.10

Dreißigjähriger Krieg

Marodierende Soldaten, 1647, Sebastian Vrancx, Public domain, via Wikimedia Commons

Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war Auslöser für die Verbreitung des Rauchens unter der Bevölkerung bei jung und alt, Mann und Frau, europaweit.11 Das Pfeifenrauchen war neben dem Tabakschnupfen und dem -kauen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die verbreitetste Art, Tabak zu konsumieren; die ersten europäischen Tabakspfeifen wurden von Töpfern, auch Pfeifenbäcker oder Hafner genannt, aus Ton gefertigt.12 Die Blütezeit dieses Handwerks ging schon Mitte des 18. Jahrhunderts zu Ende, Ton wurde durch hochwertigere Materialien ersetzt, die Tonpfeife wurde nur noch von der Landbevölkerung genutzt.13

Pfeife

Tonpfeife aus Einbeck, erstes Drittel 18. Jahrhundert, verändert nach Andreas Rupert, CC-by-sa 3.0

  1. Wikipedia/Feuerzeug
  2. Wikipedia/Streichholz
  3. B. Langenbrink/ F. Siegmund, Feuersteine aus merowingerzeitlichen Gräbern: Feuerschlagsteine? Archäologische Informationen 01/1989; 12:67-75, Seite 69 und 73, PDF
  4. B. Langenbrink/ F. Siegmund, 1989; Seite 69, PDF
  5. www.tabakanbau
  6. Tabakfrei/Tabakgeschichte
  7. Tabakfrei/Tabakgeschichte
  8. www.tabakanbau
  9. Tabakgeschichte/Deutschland
  10. Tabakgeschichte/Deutschland
  11. Wikipedia/Geschichte des Tabakkonsums
  12. Wikipedia/Tabakspfeifen
  13. Wikipedia/Pfeifenbäcker