Prähistorische Feuerzeuge

steinzeit

In Europa ist das Feuerschlagen die einzige belegte Methode zur Feuererzeugung in der Steinzeit.1 Streifende Schläge mit einem geeigneten Feuerschlagstein (Funkenlöser) lösen heiße Funken von der Schwefelkiesknolle (Funkenspender). Ein geeigneter Funkenfänger aus leicht brennbarem Material kann so entzündet bzw zum Glimmen gebracht werden. Im Falle des Mannes vom Hauslabjoch konnte das Trama des echten Zunderschwammes als Funkenfänger nachgewiesen werden.2

Funkenlöser aus Feuerstein zeigen typischerweise ein deutlich verrundetes Funktionsende. Aus Ufersiedlungen sind auch geschäftete Schwefelkiesstücke als Funkenlöser überliefert.3

Neben diesen allgemein bekannten Feuerschlagsteinen existiert ein bislang unbekannter Typ. Der Nachweis ist möglich, durch die Analyse einer Schwefelkiesknolle mit eingeschliffener Schlagkerbe und Spuren des Feuerschlagens. Diese Schwefelkiesknolle zeigt im Bereich der Schlagkerbe Spuren streifender Schläge, in Form von feinen Kratzern mit einer Breite von unter 0,1 bis über 0,2 mm. Diese Kratzspuren können nur von Feuerschlagsteinen mit einer scharfen Ecke herrühren. Denkbar sind beispielsweise die Ecken zwischen der Lateralkante und einer Bruchfläche von Klingen, Stichelschneiden, Abschlagfragmenten etc. Demnach existiert ein zweiter, von der Facharchäologie unentdeckter Typ von Feuerschlagsteinen.4

neolithikum

Funktionsende Feuerschlagstein

 

Schwefelkiesknollen, vornehmlich Höhlenfunde, sind schon in mittelpaläolithischen Schichten gefunden worden.  Sie tragen zwar keine Gebrauchsspuren, die Tatsache aber, dass sie zu den Siedlungsstellen transportiert wurden, deutet darauf hin, dass Kompositfeuerzeuge schon bekannt waren.5 Der bisher älteste Nachweis eines Funkenspenders mit eindeutigen Gebrauchsspuren wurde von Jürgen Weiner beschrieben. Es handelt sich um  eine 145 g schwere Schwefelkiesknolle aus der Aurignacienschicht V der Vogelherdhöhle, datiert auf 32.000 Jahre vor heute.6

Ein späteiszeitliches Exemplar aus der Zeit der Magdalenienkultur (um 13000 v. Chr.) mit sehr deutlicher Schlagkerbe wurde im Trou de Chaleux, Belgien gefunden. Die Knolle wurde zum Erreichen des Inneren mit einer schmal-flachen, im Querschnitt V-förmigen Kerbe versehen.7 Die Verwitterungsrinde verhinderte die Funkenbildung. Um das nicht oxidierte Innere zu erreichen  musste die Knolle gespalten oder eine Schlagkerbe angelegt werden.

steinzeit

Schwefelkiesknolle mit Schlagrille, PDF

Schwefelkiesknollen als Funkenspender sind in der Jungsteinzeit häufiger belegt. Allerdings kann der Nachweis meist nur indirekt erfolgen, da die Knollen längst vergangen sind. Rostige Klumpen, beispielsweise in Gräbern, teilweise mit eingebackenen Feuersteinartefakten, können den einzigen Nachweis erbringen. Schwefelkies ist von natürlichem Zerfall, Korrosion, bedroht. Dabei sind die Minerale einiger Lagerstätten korrosionsbeständiger als andere; ein Phämonen, das bis heute nicht geklärt ist.8 Ein an­de­rer Feind ist ein Bakterium, Aci­dithi­o­ba­cil­lus fer­rooxidans. Es hat ei­nen auf Schwe­fel ba­sie­ren­den Stoff­wech­sel, die Ei­sen­schwe­fel­ver­bin­dung wird auf­ge­bro­chen und zersetzt. Diese Umwandlung läuft sehr viel schnel­ler als der na­tür­li­che Zer­fall ab.9

Ausnahmefund: Schwe­fel­kies­knolle mit ein­ge­schlif­fe­ner Schlagkerbe

Schwefelkies ist ein sehr häufiges Mineral und kommt weltweit vor. Allerdings ist nicht jede Erscheinungsform zum Feuerschlagen geeignet, darüberhinaus muss die Lagerstätte auch für den prähistorischen Menschen zugänglich gewesen sein.10 Solche Vorkommen werden wohl überwiegend sekundäre Lagerstätten gewesen sein, die durch Bäche oder andere Geländeeinschnitte aufgeschlossen waren, wie der Aachener Kessel.11 Auch an der französischen Ärmelkanalküste und der deutschen Nordseeküste finden sich erodierte Knollen.

  1. Jürgen Weiner, Feuerschlagsteine und Feuererzeugung, in Floss (Hrsg.) Steinartefakte vom Altpaläolithikum bis in die Neuzeit, Tübingen 2012, Kerns Verlag, S. 943f
  2. Kon­rad Spind­ler, Der Mann aus dem Eis, Mün­chen, 1993, S.114 ff
  3. J. Junkmanns, Wiedergefunden: Pfeilbogenfragmente, Schlagfeuerzeug und Birkenpechlötstein im Museum für Urgeschichte(n) Zug, in Archäologie der Schweiz, 1999, Heft 4, PDF, S. 5
  4. Jürgen Weiner/Christian Fuchs, Haben Sie mal Feuer? – Eine kleine Geschichte zu einem herausragenden Neufund aus dem Rheinland, Vortrag vom 27.10.2012, 7. Arbeitstreffen Steinzeit, Landesmuseum Bonn; Christian Fuchs, Schwefelkiesknolle mit eingeschliffener Schlagkerbe und Spuren des Feuerschlagens – Schlagspuren
  5. http://www.steinzeitwissen.de/geschichte-des-feuers
  6. Jür­gen Weiner/Floss,H., Eine Schwe­fel­kies­knolle aus dem Auri­gnacien vom Vogel­herd, Baden-Würtemberg — Zu den Anfän­gen der Feu­er­er­zeu­gung im euro­päi­schen Paläo­li­thi­kum, Archäo­lo­gi­sche Infor­ma­tio­nen 27/1, 2004, S 59 ff
  7. J. Junkmanns, PDF, S. 5
  8. J. Junkmanns, PDF, S. 6
  9. Ro­land Krahn, Me­cha­nis­men der Schwe­fel­was­ser­stof­fer­zeu­gung durch Sac­cha­ro­my­ces ce­re­vi­siae für die bio­tech­no­lo­gi­sche Im­mo­bi­li­sie­rung von Schwer­me­tal­len, Dis­ser­ta­tion 2000, S. 6, PDF
  10. hier zieht Junkmanns einen falschen Schluss, J. Junkmanns, PDF, S.6
  11. Jürgen Weiner/Christian Fuchs, Haben Sie mal Feuer? – Eine kleine Geschichte zu einem her­aus­ra­gen­den Neu­fund aus dem Rhein­land, Vor­trag vom 27.10.2012, 7. Arbeits­tref­fen Stein­zeit, Lan­des­mu­seum Bonn; Chris­tian Fuchs, Schwe­fel­kies­knolle mit ein­ge­schlif­fe­ner Schlag­kerbe und Spu­ren des Feu­er­schla­gens — Herkunft