Feuerschlagsteine

Funktionsende Feuerschlagstein: Kernkantenklinge, Klinge, Font Robert Spitze, Dolch

Funktionsenden aktiver Feuerschlagsteine: Kernkantenklinge, Klinge, Font Robert Spitze, Dolch

Feuerschlagsteine (nicht Feuerschläger!) sind Bestandteile prähistorischer Feuerzeuge. Diese bestehen aus drei Teilen: Funkenspender, -löser und -fänger. Feuerschlagstein oder Funkenspender können sowohl aktiv als auch passiv geführt werden. Streifende Schläge lösen heiße Funken, die den Funkenfänger zum Glimmen bringen.

Typisches Merkmal von aktiv geführten Feuerschlagsteinen ist ein zerrüttetes oder verrundetes Funktionsende. Abhängig von Nutzungsdauer und Schlagenergie entstehen zunächst durch die streifenden Schläge Aussplitterungen. Diese verrunden zunehmend, teilweise entstehen an diesen Funktionsenden glänzende Partien.

Die Arbeiten von Lykke Johansen und Dick Stapert1 haben die Archäologie für diese Geräteform sensibilisiert, 2001 waren zahlreiche Belege aus dem Jungpaläolithikum erkannt worden, 10 aus Dänemark, 13 aus den Niederlanden.2

In der Regel weisen Feuerschlagsteine keine besondere Formgebung auf. Nur in der nordischen Trichterbecher Kultur kommen regelhaft, jedoch selten, fingerförmige Feuerschlagsteine vor. Diese bestehen aus stabilen Klingen, die seitlich durch kräftige Retuschen in Form gebracht und gestumpft wurden. Im Rheinland ist dieser Artefakttyp sehr selten belegt.

Fingerförmiger Feuerschlagstein

↑ Verrundete Funktionsenden in star­ker Ver­grö­ße­rung: Schma­les Ende | Brei­tes Ende

Vorwiegend wurden ausgediente Werkzeuge oder Kernkantenklingen zum Feuerschlagen verwendet. So finden sich beispielsweise an Dolchgriffen oft Spuren des Feuerschlagens. Manche Feuerschlagsteine sind so klein, dass in diesen Fällen von einer Schäftung auszugehen ist, Feuchtbodensiedlungen liefern gelegentlich Belege dafür.3

Dolch als Feuerschlagstein umgenutzt

Dolch als Feuerschlagstein umgenutzt Beschreibung

dolch

Dolchgriff als Feuerschlagstein

KKK

Kernkantenklinge als Feuerschlagstein

Klinge

Klingenbruchstück als Feuerschlagstein

Font Robert Spitze als Feuerschlagstein

Font Robert Spitze als Feuerschlagstein Beschreibung

FRS frontal

Font Robert Spitze als Feuerschlagstein frontal

Feuerschlagstein-3

Font Robert Spitze als Feuerschlagstein seitlich

Passiv genutzte Feuerschlagsteine weisen ein anderes Spurenbild auf. An stabilen Kanten finden sich längliche Zerrüttungszonen, die denen von Klopfsteinen ähneln. Ohne Gebrauchsspurenanalyse kann nur über die Lage der Zerrüttungszonen und Form und Größe des Artefaktes eine Abgrenzung von Klopfsteinen erfolgen.

Beide Formen eigneten sich in Verbindung mit aufgespaltenen Schwefelkiesknollen oder frischen Knollen ohne Verwitterungsrinde. Diese Schwefelkiesknollen boten eine relativ große Schlagfläche. Funken wurden hier durch Zertrümmern gelöst. Kleinste Kristallbruchstücke brachen heraus und oxydierten zu glühenden Funken.

Ein anderes Prinzip des Funkenlösens wurde bei kleineren Schwefelkiesknollen mit Verwitterungsrinde notwendig. Bedingt durch die geringe Größe wären die Bruchstücke solcher Knollen zu klein, um zur Feuererzeugung genutzt zu werden. Bei diesen Knollen wurde eine Kerbe angelegt, um das funkenliefernde Innere freizulegen. Die zum Feuerschlagen geeignete Fläche ist durch die Kerbe räumlich begrenzt und sehr klein. Die Kristallpartikel konnten nicht durch Zertrümmern, sondern nur durch Heraus- oder Abkratzen gelöst werden. Dieses Herauskratzen erfolgte wahrscheinlich durch ein Kratzen mit einer scharfen Ecke oder Kante. In Kürze wird es wissenschaftliche Untersuchungen durch Prof. Pawlik geben, die unter anderem die Frage klären, ob bei Knollen mit Kerbe geschlagen oder „gekratzt“ wurde.

Die oben beschriebenen Feuerschlagsteine mit ihrem verrundeten Funktionsende bzw -kanten können solche Kratzer nicht erzeugen. Hierfür ist ein anderer Typ von Feuerschlagsteinen nötig. In Frage kommen unter anderem Stichelschneiden, Klingen mit Bruchkante und entsprechende Abschläge. Dieser zweite Typ ist bisher von der Facharchäologie noch nicht erkannt worden, wird aber demnächst ebenfalls von Prof. Pawlik untersucht.

Vergleich

Gene­rell kom­men ver­schie­dene Artefaktfor­men für diesen Feuerschlagsteintyp in Frage, in vor­neo­li­thi­scher Zeit bei­spiels­weise Sti­chel. In die­sem Zusam­men­hang wären Gebrauchs­spu­ren­ana­ly­sen inter­es­sant, beson­ders an den Sti­chel­schnei­den von Mit­tel­sti­cheln. Auch Klin­gen­bruch­stü­cke kom­men in Betracht, Funk­ti­ons­ende wäre hier die durch Late­ral­kante und Bruch­flä­che gebil­dete Ecke.

  1. Lykke Johansen/Dick Stapert, „Vuur-stenen“ in het late Paleolithicum, in Paleo-Aktueel 6, 12-5, 1995 und Vuurmakers uit het laat-Paleolithicum revisted, in Paleo-Aktueel 12, 15-9, 2001
  2. Anton van der Lee, Vuurmakers, een hot Item, in Archeologie No. 10, 2000/2001, S. 163
  3. Jürgen Weiner, Feuerschlagsteine und Feuererzeugung, in Floss (Hrsg.) Steinartefakte vom Altpaläolithikum bis in die Neuzeit, Tübingen 2012, Kerns Verlag, S. 948; Jürgen Junkmanns, Wiedergefunden: Pfeilbogenfragmente, Schlagfeuerzeug und Birkenpechlötstein im Museum für Urgeschichte(n) Zug, in Archäologie der Schweiz, 1999, Heft 4, PDF, S. 5