Entwicklung der Getreidemühlen

In Europa traten Mahlsteine als Bestandteile von Schiebemühlen zur Gewinnung von Mehl mit dem Beginn des Neolithikums auf. Reibsteine, die dem Zerkleinern von pflanzlicher Kost, der Herstellung von Farbpulver oder ähnlichem dienten, sind seit dem Paläolithikum vertreten, sie werden nicht zu den Mahlsteinen gezählt.1

Neolithische Mahlsteine sind oft nur grob in Form gebracht worden. Der Unterlieger oder Bodenstein ist der untere, größere Mahlstein; der Läufer, auch Oberlieger, wurde auf diesem vor und zurück bewegt. Die Form der Mahlflächen hing stark von der Größe der Läufer und Unterlieger ab. Überstieg die Länge des Läufers die Breite des Unterliegers, bekam dieser einen konvexen Querschnitt. Entsprach die Länge des Läufers der Breite des Unterliegers, ergaben sich gerade Mahlflächen. War der Läufer oval bis kugelig, so führte das zu einer eingetieften Mulde, auch Schleifwanne genannt.

Schiebemühlen

1 Form A nach Zimmermann 2 Form B nach Zimmermann 3 Form C nach Zimmermann2

In der deutschen Bandkeramik herrschte Form A mit überstehenden Läufern vor; in der Bandkeramik der Schweiz trat neben Form A auch Form B mit seitlich abschließenden Läufern auf; in der nordischen und westlichen Trichterbecher Kultur ist Form 3 mit kugeligen oder würfelförmigen Läufern nachgewiesen; in der Bronzezeit traten sogenannte Trogmühlen, extrem eingetiefte Varianten der Form C, auf.3

↑ Trogmühlen aus Mecklenburg-Vorpommern

Im Neolithikum und der Bronzezeit wurde meist lokales oder regionales Material verwendet. In Norddeutschland waren das häufig Findlinge aus dem eiszeitlichen Geschiebe, im Rheinland wurde bevorzugt Eschweilerkohlesandstein verwendet, in der Eifel wurde schon im Neolithikum Basaltlava für Mahlsteine genutzt. In der Eisenzeit und der römischen Kaiserzeit wurden die Mahl- und Mühlsteine vorwiegend aus Basaltlava geformt. Im Gebiet um Mayen, Eifel, zeugen zahlreiche Abbaustellen von der intensiven Nutzung der Basaltlava. In der Archäologie setzte sich die Bezeichnung Mayener Basaltlava durch, obwohl es sich teilweise um vuklanische Gesteine verschiedenster Herkunft und mineralogischer Zusammensetzung handelt.4

Die aus dem Vollen geschlagenen Unterlieger erhielten eine Formgebung, die sich im Laufe der Zeit änderte und zu verschiedenen Typen führte. Die Abfolge nach Hörter ist zwar nicht unumstritten, bisher jedoch nicht widerlegt.

Getreidereiben und Mühlsteine aus der Eifel

Nach Fridolin Hörter, Getreidereiben und Mühlsteine aus der Eifel – Ein Beitrag zur Steinbruch- und Mühlengeschichte, Mayen 1994, S. 15

1 Neolithikum bis Bronzezeit 2 Frühe Hallstattzeit 3 Hallstatt- bis Frühlatènezeit 4 Latènezeit 5 Spätlatènezeit

→ Fundbeschreibung: Spitz ausgezogener Napoleonshut

→ Napoleonshut mit abgestumpfter Unterseite, PDF

Schon in der Latènezeit, im 2. Jahrhundert BC, traten Rundmühlen auf, spätestens ab der römischen Kaiserzeit verdrängten sie größtenteils die Schiebemühlen.5

Keltische Drehmühle

Keltische Drehmühle, verändert nach © Dr Michel Royon / Wikimedia Commons

Römische Handmühle

Replik einer römischen Handmühle

 

  1. Ni­cole Kegler-Graiewski, Mahl– und Schleif­steine, in Floss (Hrsg.) Stein­ar­te­fakte vom Alt­pa­läo­li­thi­kum bis in die Neu­zeit, Tü­bin­gen 2012, Kerns Ver­lag, S. 779; dies. Beile – Äxte – Mahl­steine. Zur Roh­ma­te­ri­al­ver­sor­gung im Jung– und Spät­neo­li­thi­kum Nord­hes­sens, Dis­ser­ta­tion, Köln 2007, S. 67, PDF
  2. An­dreas Zim­mer­mann, Neo­li­thi­sche Stein­ar­te­fakte – ihre Merk­male und Aus­sa­ge­mög­lich­kei­ten, in Preuß (Hrsg.), Das Neo­li­thi­kum in Mit­tel­eu­ropa. Kul­tu­ren– Wirt­schaft – Um­welt vom 6. Bis 3. Jahr­tau­send v.u.Z. – Über­sich­ten zum Stand der For­schung, Teil A: Das Neo­li­thi­kum in Mit­tel­eu­ropa, Weiss­bach 1998, S. 137–158, Abb. 37
  3. Nicole Kegler-Graiewski, 2012, S. 782f
  4. Fridolin Hörter, Getreidereiben und Mühlsteine aus der Eifel – Ein Beitrag zur Steinbruch- und Mühlengeschichte, Mayen 1994, S. 11
  5. Ni­cole Kegler-Graiewski, 2012, S. 783