Einbäume

Solomoninseln

Datierung

Das (weltweit) älteste bekannte Wasserfahrzeug ist ein mesolithischer Einbaum, Monoxylon.1 Ein Stamm wurde ausgehöhlt, sodass sich ein schwimmfähiger Körper ergab. Aus dem vorhergehenden Paläolithikum sind keine Boote belegt, zum einen existierten keine geeigneten Bäume in den Kaltzeiten, zum anderen fehlen entsprechende Werkzeuge in altsteinzeitlichen Inventaren.2 Nicht auszuschließen ist, dass schon deutlich früher Gewässer mit einfachen Hilfsmitteln überquert wurden, Hinweise geben die Besiedlungsgeschichte Australiens und Indonesiens.3

Der älteste bekannte Einbaum stammt aus Pesse, Provinz Drenthe, Niederlande. Das 3 Meter lange, 30 cm hohe und 45 cm breite Wasserfahrzeug wird auf 6300 Jahre BC datiert. Noch älter werden diverse Paddel datiert, sie sind ein indirekter Nachweis von Wasserfahrzeugen. Das älteste Paddel stammt aus Star Carr bei Scarborough, Großbritannien. Es wird auf 8000 Jahre BC datiert und der Maglemose Kultur zugerechnet.4

Einbäume sind auch aus dem Neolithikum zahlreich belegt,5 sie wurden über die Bronzezeit und Mittelalter6 bis in die Neuzeit genutzt, in vielen Regionen der Erde werden sie immer noch als Transportmittel und beim Fischfang genutzt. Aus der Bronzezeit sind schon Einbäume mit seitlich aufgesetzten Planken bekannt, Vorläufer zu geplankten Booten.7

Herstellung

Nachdem ein passender Baum gefällt war, wurde er ausgehöhlt. Dechselspuren an mesolithischen Einbäumen belegen ein Ausbeilen.8 Ob das Holz zunächst grob mittels Keilen heraus getrennt wurde oder komplett durch Ausbeilen entfernt wurde, lässt sich nicht mehr ermitteln.

Feuerspuren

Für Feuersetzungen zum Auskohlen fehlen bei Einbäumen dieser Zeitstellung jegliche Hinweise. Lokal begrenzte Zonen thermischer Hitzeeinwirkung an mesolithischen Einbäumen sind immer auf Feuerstellen zurückzuführen,9 die auf den Booten vermutlich zum Lichtfischen unterhalten wurden.10 Brandspuren an dem neolithischen Einbaum von  Männedorf sind erst nach dem Ausbeilen entstanden und stehen damit im keinem Zusammenhang mit dem Herstellungsprozess.11 Evtl wurden die Seitenwände durch Erhitzen geweitet, diese Technik wird noch heute in Venezuela praktiziert.

Weiten durch Hitze

Weiten durch Hitze

Holzart und Größe

Viele der im letzten Jahrhundert gefundenen Einbäume sind nicht erhalten geblieben, teilweise wurden sie direkt zerstört.12 Von den erhaltenen Exemplaren lässt sich die Holzart meist noch bestimmen. Mesolithische und neolithische Einbäume sind meist aus Lindenholz gefertigt,13 mittelalterliche hingegen häufiger aus Eiche.14 Daraus lässt sich ableiten, dass zunächst auf leichte Bearbeitbarkeit Wert gelegt wurde, bessere Werkzeuge ermöglichten auch eine Bearbeitung harter, länger haltbarer Holzarten.

Die Größe differiert stark, der mesolithische Einbaum von Pesse misst 3 Meter, einige dänische Einbäume erreichen 12 Meter.15

Mesolithische Einbäume

Strahlsund, Mischwasserspeicher Einbaum 2

Erhaltene Länge 8 Meter, Breite 0,6-0,7 Meter, Lindenholz. Datierung ca 5000 Jahre BC, ältere Ertebölle Kultur. Eine Feuerstelle durch eine etwa 0,2 Meter große, runde durch Hitzeeinwirkung dunkelbraun verfärbte Stelle nachgewiesen.16

Strahlsund, Mischwasserspeicher Einbaum 3

Erhaltene Länge etwa 9 Meter, Breite 0,6-0,7 Meter, Lindenholz. Datierung ca 5000 Jahre BC, ältere Ertebölle Kultur. Eine Feuerstelle durch eine etwa 0,2 Meter große, runde durch Hitzeeinwirkung dunkelbraun verfärbte Stelle nachgewiesen. Auf eine zweite Feuerstelle weist eine ovale Zone dunkelbraun verfärbter, teils verkohlter Bereiche, hin. Spuren des Ausbeilens in Längsrichtung sind erkennbar, Breite zwischen 2,5 und 3 cm.17

Einbäume von Stralsund

Einbäume von Stralsund, Quelle: Pressestelle Stralsund, Pressesprecher

Tybrind Vig, Einbaum 1

Etwa 10 Meter lang, rekonstruierte Breite 0,5 Meter, Lindenholz. Datierung 4300-4100 Jahre BC, jüngere Ertebölle Kultur. Zwei Feuerstellen, eine mit erhaltener Isolierschicht aus mit Steinen durchsetztem sandigem Lehm.18

prehistoric log boat and paddles

Nachbau Boot und Paddel

Einbaum von Pesse

Länge 2,95 Meter, Breite 0,45 Meter, Höhe 0,3 Meter, Kiefer, Datierung gemittelt 8760 ± 145 Jahre BP.19 Dieser Einbaum zeigt im mittleren Teil Feuerspuren, die nicht von einer Feuerstelle stammen, ob sie mit der Herstellung des Einbaumes in Verbindung stehen, ist fraglich und nach Harm Pauslen nicht wahrscheinlich. Obwohl Bearbeitungsspuren nicht mehr zu erkennen sind, gibt es dennoch Hinweise auf den Einsatz von Beilen. Der vordere Teil des Einbaumes gleicht von der Ansicht einem gefällten Stamm, mit Fallkerbanlage.20

Pad­del

Links

Schluchsee, Frühmittelalter, 650-725 n. Chr.

Schluchsee, Frühmittelalter, 650-725 n. Chr.

Strahlsund, zwei Einbäume mit Feuerstellen, Mesolithikum ca 5000 BC, ein neolithischer: Peter Kaute, Gian­nina Schind­ler, Harald Lübke: Der endmesolithisch/frühneolithische Fund­platz Stral­sund– Misch­was­ser­spei­cher – Zeug­nisse frü­her Boots­bau­tech­no­lo­gie an der Ost­see­küste Mecklenburg-Vorpommerns, in Boden­denk­mal­pflege in Mecklenburg-Vorpommern, Jahr­buch 2004—52, PDF

Kurz zu Beil- und Feuerspuren am  Einbaum von Männedorf-Standbad, Neolithikum, ca 4250 BC: Beat Eber­schwei­ler, Ein­bäume aus Züri­cher Gewäs­sern, NAU 9/2002, S. 21f, PDF, Beil- und Feuerspuren an Einbäumen

Einbaum Bronzezeit, Halbfabrikat: Peter J. Suter, Das bronzezeitliche Einbaum-Halbfabrikat vom Bielersee – Der lange Weg von seiner Entdeckung bis zur Ausstellung, in NAU 9/2002, S. 23ff, PDF

Einbaum der Latènezeit, etwa 485 bis 45 Jahre BC: Tobias Pflederer, Ein Einbaum der Latènezeit aus dem Starnberger See, in NAU 9/2002, S. 17ff, PDF

Einbäume Starnberger See, 900 BC und jünger: Lino von Gartzen, 2009, PDF

Spätmittelalterlicher oder frühneuzeitlicher Einbaum: Ute Birkner/Joachim Krüger/Harald Lübke: Taucharchäologische Untersuchungen zur Frage der Herkunft der bronzezeitlichen Menschenfunde im Tollensetal bei Weltzin, Mecklenburg-Vorpommern – ein Vorbericht, in NAU 16/2010, S. 41ff, hier S. 45, PDF

Einbaum, Fälldatum um 1389, weitere Einbäume karolingisch bis neuzeitlich:  Rosemarie Leineweber/Harald Lübke, Ein Fischer saß im Kahne… – Der Einbaum aus dem Arendsee und weitere Einbäume aus Sachsen-Anhalts Norden, Onlineartikel; Rosemarie Leineweber/Harald Lübke, Der Einbaum aus dem Arendsee, in NAU 13/2006, S. 33ff, PDF

Mittelalterlicher Einbaum vom Langbürgener See, zwischen 710-810 n. Chr.: Tobias Pflederer, Der frühmittelalterliche Einbaum aus dem Langbürgner See, Onlineartikel; Aktuelle Forschungen in bayerischen Seen, in NAU 8/2001, S. 21ff, PDF

Frühneuzeitliche Einbäume: Tobias Pflederer, Einbäume des Chiemsees, in  NAU 11/12 2005, S. 37ff, PDF

Neuzeitlicher und spätrömischer Einbaum, Christian Stradal/Cyril Dworsky: Zwei Einbaumfunde aus dem Klopeiner See /Kärnten, in NAU 9/2002, S. 10ff, PDF

Eduard Krause, Berlin, 1904, Vorgeschichtliche Fischereigeräte und neuere Vergleichsstücke – Eine vergleichende Studie als Beitrag zur Geschichte des Fischereiwesens, PDF

Ältester Einbaum Afrikas, Grabungsbericht: Peter Breunig, Die Geschichte des ältesten Bootes Afrikas, PDF

Einbaum vom Moossee, Neolithikum, etwa 3800 BC, Berner Strandbad, Video

Reisebericht, experimentelle Archäologie: Wulf Hein, Ein­baum­fahrt, Im Kiel­was­ser der Kul­tu­ren, 5/2001, PDF

Allgemein zur urgeschichtlichen Seefahrt: Robert G. Bed­na­rik, See­fahrt im Pleis­to­zän, in Quartär 8/1999, S. 95ff, PDF

Zur Entwicklung vom Einbaum zum Plankenboot: Wikipedia

  1. Dr Leif Steguweit, Mesolithikum, AiD, Onlinelexikon
  2. eine in Husum ausgebaggerte Geweihstange datiert in die Ahrensburger Kultur und wird von Detlev Ellmers als Teil eines Spantgerüstes eines fellbespannten Bootes angesehen und wäre demnach älter, diese Deutung ist wissenschaftlich nicht haltbar und unseriös
  3. Wulf Hein, Einbaumfahrt, Im Kielwasser der Kulturen, 5/2001, S. 1, PDF; Robert G. Bednarik, Seefahrt im Pleistozän, in Quartär 8/1999, S. 95ff
  4. Ernst Probst,  Frühe Schifffahrt in der Steinzeit, Onlineartikel
  5. vergleiche Beat Eberschweiler, Einbäume aus Züricher Gewässern, NAU 9/2002, S. 21f, PDF
  6. vergleiche Tobias Pflederer, Einbäume des Chiemsees, in NAU 11/12, 2005, S. 37ff, PDF
  7. Wulf Hein, 5/2001, S. 1
  8. Peter Kaute, Gian­nina Schind­ler, Harald Lübke: Der endmesolithisch/frühneolithische Fund­platz Stral­sund– Misch­was­ser­spei­cher – Zeug­nisse frü­her Boots­bau­tech­no­lo­gie an der Ost­see­küste Mecklenburg-Vorpommerns, in Boden­denk­mal­pflege in Mecklenburg-Vorpommern, Jahr­buch 2004—52, S.226, Abb.7, PDF
  9. Daniela Holst, Subsistenz und Landschaftsnutzung im Frühmesolithikum: Nussröstplätze am Duvensee, Dissertation, Köln, 2007, S. 133
  10. Peter Kaute, Gian­nina Schind­ler, Harald Lübke, 2004—52, S.225, Abb.5,6, PDF
  11. Beat Eberschweiler, 9/2002, S. 21f
  12. der Einbaum aus Hueb, Oberösterreich wurde nach der Entdeckung verbrannt, andere konnte man noch nicht konservieren, viele sind veschollen
  13. Beat Eberschweiler, 9/2002, S. 21
  14. Tobias Pflederer, Eiche – Das Holz der Einbäume. Ein Einblick in das verwendete Baumaterial, Onlineartikel
  15. Wulf Hein, 5/2001, S.1
  16. Peter Kaute, Gian­nina Schind­ler, Harald Lübke, 2004, S.224f
  17. Peter Kaute, Gian­nina Schind­ler, Harald Lübke, 2004, S.225f
  18. Peter Kaute, Gian­nina Schind­ler, Harald Lübke, 2004, S.226; Torben Malm, Excavating submerged Stone Age sites in Denmark – the Tybrind Vig example, Dugouts and paddles, Onlineartikel
  19. J. R. Beuker/M. J. L. Th. Niekus, De Kano van Pesse – De Bijl Erin, archaeoforum.nl, 1997, Onlineartikel; boot van Pesse- worlds oldest boat, introduction, bootvanpesse.com
  20. J. R. Beuker/M. J. L. Th. Niekus, De Kano van Pesse – De Bijl Erin, 1997